14.05.2014 18:06 |

Bei Ukraine-Gasfirma

Umstrittener Job für Sohn des US-Vizepräsidenten

Eine durchaus delikate Personalie beschäftig mitten in der Ukraine-Krise das Weiße Haus: Hunter Biden, ein Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden, hat einen wichtigen Posten bei einem ukrainischen Gasunternehmen übernommen. Während Washington die Bedeutung des Engagements herunterspielt, dürfte sich Moskau in seiner Kritik, wonach die USA die Ukraine unter ihre Kontrolle bringen wollen, bestätigt sehen.

Anwalt Hunter Biden sei seit April für die Rechtsabteilung der Burisma Holding zuständig - nach eigenen Angaben der größte unabhängige Gasversorger der Ukraine, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch. Konkret soll der Sohn des US-Vizepräsidenten als Cheflobbyist Kontakte zu internationalen Partnern pflegen und sich um rechtliche Angelegenheiten kümmern.

Mitglied der Janukowitsch-Regierung kontrolliert Firma
Burisma wird laut dem "Wall Street Journal" von Nikolai Slotschewski kontrolliert, der unter anderem in der Regierung des gestürzten und nach Russland geflüchteten Präsidenten Viktor Janukowitsch für die Energieressourcen verantwortlich war - und somit erheblichen Einfluss auf die Öl- und Gasindustrie der Ukraine hatte. Gemeinsam mit anderen privaten Firmen sei Burisma für gut zehn Prozent der Produktion in dem Krisenland verantwortlich, heißt es weiter. Der jährliche Umsatz liege geschätzt bei rund 190 Millionen Dollar (etwa 138 Millionen Euro).

Aus Sicht des Weißen Hauses war die berufliche Neuorientierung Bidens zunächst keinen Kommentar wert. Erst auf Nachfrage rang sich Sprecher Jay Carney zu einer knappen Erklärung durch: "Hunter Biden und andere Mitglieder der Familie sind offensichtlich private Bürger", sagte er. Wo sie arbeiteten, habe nichts mit dem Präsidenten oder Vizepräsidenten zu tun.

Auch enger Freund von Kerry-Stiefsohn hat Job bei Burisma
Doch ganz so alltäglich, wie das Weiße Haus es darstellt, ist die Biden-Personalie nicht. Immerhin ist Vizepräsident Joe Biden als US-Regierungsmitglied tief in die politischen Vorgänge in der Ukraine einbezogen. Zudem ist der Sohn des Vizepräsidenten nicht der erste Ausländer in der Firma: Im Aufsichtsrat sitzen mehrere US-Amerikaner, aber kein einziger Ukrainer. Mit von der Partie ist auch Devon Archer, der dem "Wall Street Journal" zufolge ein enger Freund und früherer Mitbewohner des Stiefsohns eines weiteren hochrangigen US-Regierungsmitglieds ist - Außenminister John Kerry.

Die Anstellung von Hunter Biden dürfte Moskau jedenfalls neue Argumente liefern, um die USA als Drahtzieher der politischen Verwerfungen in der Ukraine hinzustellen, gibt etwa das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zu bedenken. Staatliche russische Medien stellen die Revolution am Maidan seit Monaten als von Washington geplanten und bezahlten Putsch dar. Immer wieder ist auch die Rede davon, die USA hätten ein Auge auf die Schiefergasvorräte der Ukraine geworfen, so das Magazin.

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