„Mittlere Katastrophe“

Darum wetzen Österreichs Fleischer die Messer

Österreich
31.01.2026 21:00
Porträt von Kronen Zeitung
Von Kronen Zeitung

Die Regierung senkt die Mehrwertsteuer auf viele Lebensmittel. Brot, Milch und Gemüse sollen billiger werden – doch beim Fleisch greift der Staat weiter voll zu. Das sorgt für Ärger an der Theke, die „Krone“ hört genau hin!

Brot und Milch billiger, Gemüse steuerlich entschlackt – eine jährliche Entlastung der Privathaushalte von knapp 100 Euro versprochen. Doch ausgerechnet dort, wo in Österreich das Herz in der Pfanne höher schlägt, klafft eine Lücke: Fleisch fehlt auf der Liste der angekündigten Mehrwertsteuer-Senkung von zehn auf 4,9 Prozent.

Wo bleibt mein Schnitzel?
Während die Regierung sich für die Entlastung auf die Schulter klopft, fragen viele Österreicher: Wo bleibt mein Schnitzel?

Die „Krone“ hat mit Fleischern aus ganz Österreich gesprochen – und der Tenor ist eindeutig. Kopfschütteln, Unverständnis, Ärger: „Für die Kundschaft ist Fleisch kein Luxus, sondern Alltag. Diese Entscheidung ist eine mittlere Katastrophe“, sagt Josef Teufl, Schlachter aus Niederösterreich.

Kollege Raimund Plautz aus Kärnten ergänzt: „Es war ein Schnellschuss der Regierung, ohne groß darüber nachzudenken.“

Josef und Florian Kröppel, Wien: „Wir verstehen nicht, warum man die Mehrwertsteuer auf Fleisch ...
Josef und Florian Kröppel, Wien: „Wir verstehen nicht, warum man die Mehrwertsteuer auf Fleisch nicht senken kann, das wäre ein Anreiz für heimische Ware. Die Wurst oder die Schinkensemmel gehören einfach zum täglichen Gebrauch.“(Bild: Fleischerei Kröppel)
Josef Teufl, Ruprechtshofen (NÖ): „Für unsere Branche ist das eine mittlere Katastrophe, denn ...
Josef Teufl, Ruprechtshofen (NÖ): „Für unsere Branche ist das eine mittlere Katastrophe, denn Fleisch und Wurst gehören doch wohl zu den Hauptnahrungsmitteln. Unsere Waren sind top, da kann die Regierung doch bitteschön auch die Steuer senken.“(Bild: Franz Crepaz)
Markus Wurzenrainer, Innsbruck (Tirol): „Die Ausnahme der Mehrwertsteuersenkung bei Fleisch und ...
Markus Wurzenrainer, Innsbruck (Tirol): „Die Ausnahme der Mehrwertsteuersenkung bei Fleisch und Wurst ist eine Frechheit. Das sind Grundnahrungsmittel, Punkt aus. Und die Leute tun sich eh alle so schwer mit dem Geld – also liebe Politik, dazu tun und fertig.“(Bild: Peter Freiberger)
Stefan Schwarzmayr, Eggelsberg (OÖ): „Das ist eine Mogelpackung der Bundesregierung. ...
Stefan Schwarzmayr, Eggelsberg (OÖ): „Das ist eine Mogelpackung der Bundesregierung. Verschiedene Steuersätze bringen sowieso nur mehr Bürokratie.“(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)
Thomas Hatwagner (2. v. li.), Bernstein (Burgenland): „Ich persönlich halte es für höchst ...
Thomas Hatwagner (2. v. li.), Bernstein (Burgenland): „Ich persönlich halte es für höchst problematisch, dass Fleisch nicht von der Mehrwertsteuerbegünstigung betroffen ist. Für viele Menschen ist Fleisch ein Grundnahrungsmittel und gehört zum alltäglichen Speiseplan. Es entsteht hier der Eindruck, dass die Politik davon ausgeht, dass immer mehr Menschen vegetarisch oder vegan leben.“(Bild: Charlotte Titz)
Raimund Plautz, Klagenfurt: „Fleisch ist nicht dabei, das ist das schlechte Zeichen. Die ...
Raimund Plautz, Klagenfurt: „Fleisch ist nicht dabei, das ist das schlechte Zeichen. Die Entscheidung war ein Schnellschuss, ohne groß nachzudenken. Im Schnitt macht die Ersparnis maximal 100 Euro im Jahr aus, dafür rechnet sich der ganze Aufwand nicht.“(Bild: WKO/Just)
Josef Mosshammer, Graz (Steiermark): Grundnahrungsmittel gehören generell gleichgestellt. Es ist ...
Josef Mosshammer, Graz (Steiermark): Grundnahrungsmittel gehören generell gleichgestellt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum zum Beispiel Brot dabei ist und Fleisch nicht. Ich hätte es als Anreiz gesehen, wieder mehr daheim zu kochen.“(Bild: Christian Jauschowetz)
Sonja und Hans Peitler, St. Michael im Lungau (Salzburg): „Wir finden es wirklich nicht ...
Sonja und Hans Peitler, St. Michael im Lungau (Salzburg): „Wir finden es wirklich nicht gerecht, wenn gewisse Lebensmittel wie Fleisch und Wurst von der Mehrwertsteuersenkung ausgenommen werden. In Österreich gibt es sehr viel Landwirtschaft und Bauern, die Fleischprodukte vertreiben. Weniger Abgaben würden mit Gewissheit die Regionalität fördern.“(Bild: Roland Holitzky)

400 Millionen Euro an „Mindereinnahmen“
Offiziell heißt es aus dem politischen Elfenbeinturm, der Spielraum sei begrenzt, Fleisch zu teuer, die Wirkung zu groß. Immerhin rechnet man schon jetzt mit jährlichen „Mindereinnahmen“ von mehr als 400 Millionen Euro. Inoffiziell sprechen viele von einer bewussten Auslassung, um keine neue Debatte über Klima, Konsum und Moral loszutreten.

Doch genau diese Debatte ist jetzt trotzdem da – und sie tobt zwischen Fleischtheke und Kassa.

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