"Du darfst dir 50 von meinen Pickerln aussuchen, wenn du mir dafür den Neymar gibst", sagt der etwa elfjährige Bub im kanari-gelben Fußballshirt zu seinem Freund, der neben ihm mit einem Stoß Panini-Bildern auf der Parkbank sitzt. Er hat das gleiche Leibchen an. Ebenfalls mit der Nummer 10 und dem Aufdruck NEYMAR JR.
Messi- und Ronaldo-Poster verdrängt
In vielen Kinderzimmern hat der Mann, für dessen Namen diese Buchstaben stehen, die Messi- oder Ronaldo-Poster auf den Wänden verdrängt. Jetzt ist er dort zu sehen: nur 1,74 Meter groß und 60 Kilogramm schwer, aber mit der Last der Erwartungen von knapp 200 Millionen fußballverrückten Menschen auf seinen schmalen Schultern.
Obwohl seine erste Saison bei Barcelona keineswegs berauschend war, dribbelte sich Neymar zum fußballerischen Teenie-Idol Nummer eins. Wohl auch, weil er nicht nur mit seinem unbestritten großen Können für Schlagzeilen sorgte:
Aber all diese Aufregungen sind nichts gegen das, was über ihn jetzt hereinbrechen wird: Wenn die Heim-WM näher rückt. Und wenn er, Neymar, immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Zumal selbst die Verletzung rein gar nichts daran ändert, dass tatsächlich so gut wie alle Hoffnungen in Brasilien auf seinen Schultern lasten. Im Volk, aber auch unter den Experten.
Brasiliens Legenden bauen auf Neymar
Wie etwa bei Carlos Alberto Torres (69 Jahre), Bebeto (49), Ronaldo (37), Mario Zagalo (82) oder Weltfußballerin Marta (27) – alle brasilianischen Stars aus fünf unterschiedlichen Epochen, die der Internationale Fußball-Verband (Fifa) unlängst im Rahmen einer Pressekonferenz im Auslosungsort Costa do Sauípe präsentierte, sind fest davon überzeugt, dass der Superstar der Weltmeisterschaft 2014 aus dem Städtchen Mogi das Cruzes kommt und auf den Namen Neymar da Silva Santos junior oder kurz Neymar hört. Ganz nach dem Motto: Es kann nur einen geben!
Und der, der eine eben, scheint sich von der Euphorie langsam, aber sicher anstecken zu lassen. "Mein Appetit auf die WM wächst", sagt Neymar, "und wir bereiten uns darauf vor, diesen Pokal zu gewinnen!" Es wäre bereits der sechste für Brasilien. Aber sicher der strahlendste, der schönste, der wichtigste.
Aber was, wenn es nicht klappt? Was, wenn Neymar die Selecao am 13. Juli im Endspiel in Rio nicht zum Titel schießt? Oder, noch viel schlimmer: Wenn Brasilien schon davor aus dem Turnier fliegt? Dann werden die Kinder und Jugendlichen ihre Neymar-Poster auch nicht gleich wütend und zornig von den Wänden reißen.
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