Der Nachbar ist ein Zeuge der Verteidigung. Er und seine Tochter waren die ersten, die nach den Schüssen das Haus von Pistorius betraten. Nach seiner Schilderung war die Erschütterung des Sportlers über den Tod seiner Freundin echt: "Wie er Gott angefleht hat, dass sie am Leben bleibe", erinnerte er sich vor dem Gericht in Pretoria.
Im Gesicht von Pistorius habe man die "vollkommene Verzweiflung" lesen können. "Ich habe die Wahrheit gesehen an diesem Morgen, ich sah es und fühlte es", so Stander. Auch dessen Tochter berichtete, dass Pistorius außer sich gewesen sei. Er habe nur gewollt, dass die blutende Freundin rasch in ein Krankenhaus gebracht werde. "Er bettelte darum, dass ich sie in meinem Wagen zum Spital fahre", schilderte sie. Ihr Vater habe dann telefonisch einen Notarztwagen gerufen.
Widersprüchliche Angaben bei Befragung
Bei der Befragung durch den Staatsanwalt allerdings musste Stander zugeben, widersprüchliche Angaben über Details gemacht zu haben. Dabei ging es um die Frage, wer zu welcher Uhrzeit mit wem telefoniert hat und wie der genaue Wortlaut der Sätze von Pistorius war.
In den kommenden zwei Wochen wird die Verteidigung weitere Entlastungszeugen präsentieren, bevor über ein Urteil beraten wird. Der Prozess war für die Osterferien unterbrochen worden. Pistorius ist angeklagt, in der Nacht zum Valentinstag 2013 seine Freundin vorsätzlich erschossen zu haben. Der unterhalb der Knie amputierte Sportler beteuerte, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten zu haben. Im Verhör gab er dann schließlich an, er habe aus Versehen vier Schüsse abgefeuert.
Der Staatsanwalt dagegen wirft Pistorius vor, seine Freundin nach einem Streit bewusst getötet zu haben. Bei einem Schuldspruch wegen Mordes droht Pistorius eine lebenslange Strafe. Für fahrlässige Tötung kann es bis zu 15 Jahren Gefängnis geben.
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