Amtsschimmel wiehert

Mülltransport per Bahn: 97 Prozent Ausnahmen!

Tirol
30.01.2026 06:00

Seit 1. Jänner 2026 gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, Müllmengen ab zehn Tonnen und einer Distanz von mehr als 100 Kilometern mit der Bahn zu transportieren. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn es keine Bahnkapazitäten gibt. Diese Ausnahme macht 97 Prozent der Fälle aus.

Aus diesem Anlass hat der Tiroler Nationalratsabgeordnete Klaus Mair (ÖVP) nun eine Anfrage an den zuständigen Minister Peter Hanke (SPÖ) eingebracht. „Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Verlagerung ist eine ausreichende Infrastruktur – doch genau diese fehlt derzeit“, verweist Mair auf den Evaluierungsbericht des zuständigen Ministeriums, der auch Teil seiner Anfrage ist.

Fakt ist: 97 Prozent der angefragten Bahn-Transporte wurden bereits bei der bis Ende 2025 geltenden Regelung von 200 Kilometern abgelehnt. Bereits eine parlamentarische Anfrage aus dem Sommer 2025 habe gezeigt, dass die Eisenbahn die gesetzlichen Vorgaben de facto nicht erfüllen kann.

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Das ist ein Bürokratiemonster, das weder der Umwelt noch der Wirtschaft hilft. Ich bin für den Transport auf der Schiene, aber nur wenn die Kapazitäten da sind.

Nationalratsabgeordneter Klaus Mair

Laut damaliger Anfragebeantwortung wurden im Jahr 2023 von 3869 Anfragen an Eisenbahnverkehrsunternehmen 3761 abgelehnt – eine Ablehnungsquote von rund 97 Prozent. „Wenn fast alle Anfragen mangels Kapazität abgelehnt werden, kann man nicht gleichzeitig neue, noch strengere Verpflichtungen einführen“, stellt Mair klar.

Besonders kritisch sieht der Tiroler Abgeordnete den enormen bürokratischen Aufwand: Derzeit müsse für jede Abfallart und für jeden einzelnen Transport eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. „Das ist ein Bürokratiemonster, das weder der Umwelt noch der Wirtschaft hilft. Ich bin klar für den Transport auf der Schiene – aber dazu benötigt es auch die entsprechende Begleitinfrastruktur“, sagt dazu Mair.

Müll-Transport mit dem Zug ist viel komplizierter
In seiner Anfrage hält er zudem fest, dass der Transport per Bahn mehrere zusätzliche logistische Schritte erfordert und laut Studien vielfach größer im organisatorischen Aufwand ist als der Lkw-Transport. Zudem sei nur rund ein Viertel der Abfallbehandlungsanlagen überhaupt in der Nähe geeigneter Schieneninfrastruktur.

Generell fordert Mair, dass die Begleitinfrastruktur entlang der Bahn evaluiert und ausgebaut wird. Aktuell gibt es nicht nur bei den Abfall-, sondern auch bei den Holz-Transporten Probleme. Das zeige etwa ein Unternehmer im vertraulichen Gespräch mit dem Abgeordneten auf. Dieser sei im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland betrieblich aktiv und bekomme dauerhafte Absagen bzw. sogar ein Verbot, die Bahn zu nutzen, weil die Infrastruktur in diesem Bereich schlicht kaputt ist.

„Wir sehen, dass wir auch an der infrastrukturellen Situation für den grenzüberschreitenden Bahn-Transport arbeiten müssen, wenn wir die Bahn als flexible und kostengünstige Alternative zum Transport auf der Straße zukunftsfit machen möchten“, erklärt der Abgeordnete.

Der Brenner-Basistunnel löst das Problem nicht
Fest steht für ihn auch, dass der Brenner-Basistunnel das Problem nicht lösen wird. „Ohne Begleitinvestitionen in Terminals, Ladestellen und Umschlaginfrastruktur bleibt er wirkungslos“, betont Mair. Aber vielleicht hat ja Verkehrsminister Peter Hanke darauf eine Antwort – wie auch auf die übrigen mehr als 40 Fragen.

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