Hinrichtungsvideos des Islamischen Staates, Hakenkreuze, Hitlerposen – monatelang verbreitete ein damals 14-jähriger Schüler in Graz seine Ideologien unter den Mitschülern. „Das war doch nur ein Spaß“, sagt der junge Iraker jetzt. „Ich wollte cool sein.“ Das Urteil: ein Jahr auf Bewährung und die Weisung, nach Mauthausen zu fahren; nicht rechtskräftig.
Es geht um terroristische Vereinigung, kriminelle Organisation und Verbrechen nach dem Verbotsgesetz. „Die Vorwürfe wirken vielleicht ungewöhnlich, ja sogar widersprüchlich“, erklärt die Staatsanwältin am Mittwoch in Graz in Richtung der Geschworenen, „aber es gibt ein zentrales Element, das beide radikalen Ideologien verbindet: den Hass auf jüdische Menschen.“
Zu mehreren Gelegenheiten habe der heute 16-Jährige seinen Mitschülern Videos des Islamischen Staates gezeigt, in denen auch Hinrichtungsszenen zu sehen sind. „Der Angeklagte hat sich dabei aber nicht schockiert, sondern sichtlich begeistert gezeigt und gelacht. Und er sagte, dass er wie die Kämpfer des IS den Menschen die Köpfe abschneiden will!“
Der Angeklagte zeigte sich bei den Videos begeistert und lachte. Und er sagte, dass er wie die Kämpfer des IS den Menschen die Köpfe abschneiden will.
Die Anklägerin
„Es handelt sich um keinen Terroristen“
„Im Geschichtsunterricht, während der Zweite Weltkrieg durchgenommen wurde, bot er den Hitlergruß dar, außerdem malte er Hakenkreuze in seine Schulhefte und an die Tafel“, ergänzt die Anklägerin. „Er ist in eine pubertäre Krise gerutscht, nachdem seine Eltern sich getrennt haben“, entgegnet der Verteidiger. „Es handelt sich hier um keinen Terroristen. Er hat Blödheiten gemacht, aber nach dem Schulwechsel hat sich jetzt alles gebessert.“
„Ich habe das alles gemacht, aber ich wusste nicht, dass ich dem IS damit einen Gefallen tue. Ich habe mein Benehmen jetzt komplett geändert. Ich habe gute Noten. Ich mag den IS nicht und Hitler auch nicht. Ich mag keine Gewalt. Ich wollte nur zeigen, dass ich cool bin. Und wollte die Aufmerksamkeit.“ – „Es ist schön, dass es jetzt gut läuft und wirklich toll, dass Sie einen positiven Weg bestreiten. Aber es geht darum, was sie damals gedacht haben“, erklärt die vorsitzenden Richterin.
Sie haben eine Lehrerin und die Direktorin in ein Hinrichtungsvideo hineinretuschiert.
Vorwurf der Richterin
„Wünsche Ihnen nicht so einen Tod“
„Sie haben eine Lehrerin und die Direktorin in ein Hinrichtungsvideo hineinretuschiert“, wirft ihm die Vorsitzende vor. „Das war ein sehr dummer Spaß. Ich wünsche ihnen natürlich nicht so einen Tod“, erklärt der Angeklagte. „Ich will gar nichts von Spaß hören. Jedes Kindergartenkind weiß, dass das kein Spaß ist“, wischt die beisitzende Richterin die Entschuldigung vom Tisch. „Warum geht’s immer in diese Richtung? Warum zeigen Sie nicht ein Video aus dem Tatort, wo einer abgeknallt wird?“ – „Auch wenn Sie es nicht hören wollen, aber es war nur Spaß. Ich wollte cool wirken“, bleibt der 16-Jährige dabei.
„Und? Hat es funktioniert? Kamen Sie bei ihren Mitschülern besser an?“, will die Staatsanwältin von ihm wissen. „Nein. Man ist beliebt, wenn man nett ist. Ich war ein dummer junger Kerl. Aber ich habe jetzt gelernt, nachzudenken.“ Und das mit dem Hitlergruß und den Hakenkreuzen? „Das war nicht meine schlauste Wahl. Ich habe nicht an die Konsequenzen gedacht.“ – „So geht es so ziemlich allen, die hier landen“, zuckt die Richterin die Schultern.
Das (nicht rechtskräftige) Urteil der Geschworenen fiel am Nachmittag. Der Bursche fasste zwölf Monate bedingte Haft aus und es erging die Weisung, zur Bewährungshilfe und dass er einen gedenkpädagogischen Rundgang in Mauthausen absolvieren muss.
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