"Krone"-Interview

Polster über Ogris: “Er war eine herbe Schönheit”

Sport
28.04.2014 16:52

Schmähbrüder, Torjäger, Austria-Ikonen: Am Mittwoch sind Andi Ogris (Austria Amateure) und Toni Polster (Wiener Viktoria) in der Ostliga erstmals Gegner auf der Trainerbank. Die "Krone" bat sie zum verbalen Schlagabtausch.

"Krone": Ihr beide kennt euch ewig. Was war euer erster Eindruck voneinander?
Toni Polster: Der Andi war eine prägnante Erscheinung. Weil er so klein war und schillernd rotes Haar gehabt hat. Er war schon immer eine herbe Schönheit.
Andi Ogris: Schöner war vielleicht er, schneller war aber ich. In jeder Hinsicht. Wir waren gemeinsam beim Bundesheer. Beim Marsch hat sich der Toni im ABC-Anzug bei 40 Grad umfallen lassen, und wir durften ihn tragen. Da hat’s ein paar Tritte in den Allerwertesten gegeben.

"Krone": Hat's zwischen euch jemals ein Konkurrenzdenken gegeben?
Ogris: Nein, es war super. Ich bin rechts bis zur Cornerfahne gelaufen und hab dann in der Mitte nur den Toni suchen müssen. Meine Tore habe ich dennoch gemacht.
Polster: Ich hab dem Andi sehr viel zu verdanken. Ohne ihn hätte ich nie 39 Tore geschossen und den Goldenen Schuh gewonnen. Es war eine Gnade Gottes, mit ihm zu spielen. Wir waren ja auch beim Team und bei der Austria für lange Zeit Zimmerkameraden.

"Krone": Das Zimmer war wohl sehr gefürchtet?
Ogris: Natürlich haben wir eine Hetz gehabt. Wer uns grad reingrennt ist, den haben wir ordentlich beim Schmäh gehabt.
Polster: Andis Lieblingsopfer war der Doktor Ernst Schopp. Der ist neu gekommen, und der Andi hat sich laut übers Essen beschwert: "Wir sind Profis, der Scheiß schmeckt wie im Krankenhaus." Und ich als Kapitän hab das dann natürlich wieder geradebügeln dürfen.
Ogris: Das hast ja wirklich nicht fressen können.

"Krone": Vom Gaumenschmaus zum Ohrenschmaus. Hand aufs Herz: Wer ist der bessere Sänger von euch?
Polster: Lassen wir die Kirche im Dorf. Egal, was ein Krankl oder der Schneckerl machen: Doppel-Gold und Platin habe ich zuhause hängen. Wenn der Andi in Feierlaune ist, singt er ganz gern, aber ich sage ihm dann meist, er soll’s bleiben lassen.
Ogris: Also ganz ehrlich: Wenn ich eine Gesangskarriere starten würde, dürfte der Toni maximal irgendwo hinter mir im Chor ein "Schubiduh" mitsingen.

"Krone": Am Mittwoch seid Ihr erstmals auf der Trainerbank Konkurrenten. Da wird’s mit der Freundschaft vorbei sein, oder?
Polster: Ich hab gewusst, dass die Wiener Viktoria ein Himmelfahrtskommando wird. Aber wir haben die verdammte Pflicht, gegen die Austria Flagge zu zeigen und alles zu geben.

"Krone": Angeblich gibt es einen Wetteinsatz.
Polster: Nach dem Spiel ist Mitgliederversammlung der Austria, bei der ich das Champions-League-Spiel analysiere. Der Verlierer muss den ganzen Abend dem Sieger das Essen bringen. Und ich werde den Andi ein paar Mal schicken.
Ogris: Ich hab vorsorglich für den Toni eine Schürze eingepackt. Aber wenn er so schnell ist wie früher, wird das Essen ja auf dem Weg kalt.

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