Zwei Tote in Tirol

Kein Lawinenpieps: Fataler Leichtsinn kehrt zurück

Tirol
18.01.2026 07:00

Das Lawinenopfer von Ischgl, ein in Deutschland lebender Chinese (39), fuhr ohne Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) in den Tod. Die Lawinentote in den Tuxer Alpen vom vergangenen Sonntag befand sich ebenfalls ohne „Pieps“ auf verhängnisvoller Tour. Auch der Samstag ging nicht ohne einen Vorfall ab.

An der Ausrüstung mangelt es in der Regel heutzutage nicht mehr, wenn Menschen in die Berge aufbrechen. Meist sind es Selbstüberschätzung oder Leichtsinn, was zu verheerenden Unglücken führt.

Unglücke geben Rätsel auf
Das LVS-Gerät, landläufig als „Pieps“ bekannt, hat sich in den Köpfen der Wintersportler festgesetzt. Ohne „Pieps“ trifft man in der heutigen Zeit an sich (fast) keinen mehr in den winterlichen Bergen an – so scheint es jedenfalls zu sein. Daher geben die beiden tödlichen Lawinenunglücke in den Tuxer Alpen (Bezirk Schwaz) vom vergangenen Sonntag sowie jener von Donnerstag dieser Woche im Paznaun (Bezirk Landeck) Rätsel auf.

Keine Sicherheitsausrüstung
Am Sonntag starb bekanntlich eine 58-jährige Einheimische am Gilfert in den Tuxern unter den Schneemassen. Sie hatte kein LVS-Gerät. Und auch der 39-jährige Chinese, der am Donnerstag im Velilltal in Ischgl von Schneemassen begraben wurde und ums Leben kam, fuhr ohne Sicherheitsausrüstung in den Tod.

Beide tragischen Fälle bestätigen Fred Wallenta, den Chef der Bergrettung Schwaz, bei seiner persönlichen Einschätzung in Sachen „Pieps“. „Ich glaube, dass nach wie vor sehr viele Wintersportler im freien Skiraum ohne LVS-Gerät unterwegs sind.“ Kommen tatsächlich Leichtsinn und Fahrlässigkeit zurück?

Trotz eines Großeinsatzes kam für die 58-Jährige am Gilfert jede Hilfe zu spät.
Trotz eines Großeinsatzes kam für die 58-Jährige am Gilfert jede Hilfe zu spät.(Bild: ZOOM Tirol)


Dies lassen auch die Untersuchungen rund um das Unglück von Ischgl durch die Experten des Tiroler Lawinenwarndiensts vermuten. Sie waren zufällig am Unfalltag in der Silvretta und in der Samnaungruppe unterwegs und benutzten – wie der getötete Chinese – auch die Pardatschgratbahn als Aufstiegshilfe. Dabei fielen den Fachleuten Lawinenabgänge unterhalb der Bahn auf – offensichtlich von Wintersportlern ausgelöst. 

Zitat Icon

Ich glaube, dass nach wie vor sehr viele Wintersportler im freien Skiraum ohne LVS-Gerät unterwegs sind.

Fred Wallenta, Ortsstellenleiter Bergrettung Schwaz

Der Chinese fuhr in einen extrem steilen Hang ein, in dem sich das Schneebrett löste. Dass er den Inhalt des Lawinenlageberichts samt Gefahrenstufe (drei, erhebliche Gefahr) nicht verstanden haben könnte, ist wohl auszuschließen. Einerseits gibt es den Bericht auch in Englisch, zudem lebte der Mann in Deutschland und dürfte Deutsch zumindest verstanden haben.

Schneeblöcke lösten sich rasch
Wie heikel die Lage derzeit ist, zeigten Tests der Schneedecke durch die Experten vor Ort. „Bei unseren Stabilitätsuntersuchungen lösten sich Schneeblöcke entweder bereits beim Ausschneiden, spätestens aber bei leichtem Klopfen“, schildert das Lawinenwarndienst-Team von Patrick Nairz.

Lawine am Samstag im Verwall
Auch am Samstag kam es zu einem Lawinenabgang, unterhalb der Hinteren Rendlspitze (2741 Meter) im Verwall, Gemeinde Pettneu: Eine Person wurde gegen 12.20 Uhr von Schneemassen erfasst und später von „Martin 2“ verletzt ins Krankenhaus geflogen.

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