Niederösterreich hat als einziges Bundesland kein Kältetelefon. Laut Emmausgemeinschaft St. Pölten gibt es jedoch zahlreiche Obdachlose in der Landeshauptstadt. Die Schlafstellen sind derzeit immer belegt.
Eisige Temperaturen von minus zehn Grad herrschen derzeit in St. Pölten. Trotzdem sieht man in den Abendstunden Menschen an Straßenecken oder an Bahnhofsgemäuern angelehnt sitzen. Nur dicke Decken schützen sie vor dem Erfrieren. Denn: „Obdachlosigkeit gibt es nicht nur in Wien, das beschäftigt uns sehr wohl auch in Niederösterreich“, bestätigt die Emmausgemeinschaft, die sich in St. Pölten an neun Standorten um Menschen in Krisensituationen kümmert. „Lebensgefährlich wie die tiefen Temperaturen sind aber auch die extremen Hitzewellen im Sommer.“ Oft suchen aber auch Menschen, die sich das Heizen nicht mehr leisten können, einen Platz zum Aufwärmen.
Wir sollten alle mehr mit den Menschen reden, und fragen, ob jemand Hilfe benötigt.
Emmausgemeinschaft St. Pölten
Dunkelziffer der Obdachlosen ist enorm
Wie viele Obdachlose es im weiten Land gibt, sei schwer zu sagen – erklären sowohl Caritas als auch Emmaus. „Die Dunkelziffer ist enorm hoch“, heißt es. In ganz Österreich sind etwa 21.000 Menschen registriert. „Wir müssen jeden zweiten Tag Personen wegschicken, weil die Schlafstellen momentan belegt sind“, wird vonseiten der Emmausgemeinschaft festgehalten. Im sogenannten „Auffangnetz“ gibt es 18 Nächtigungsplätze. Dort angekommen, können sich die Menschen aufwärmen, eine warme Mahlzeit essen und duschen. „Alle, die hier sind, sehen keinen anderen Ausweg mehr“, so eine Emmaus-Sprecherin. Die meisten kommen aus dem Großraum St. Pölten.
Hilfe gibt es überall
In Krems an der Donau gebe es hingegen gar keine Obdachlosen, wird auf Anfrage erklärt. In Krems-Lerchenfeld steht jedoch ein „Übergangswohnheim“ zur Verfügung. Und auch im südlichen Niederösterreich ist das Problem kaum vorhanden, man sei jedoch gewappnet. In Baden weiß man offiziell von einem Obdachlosen. „In der Regel wird jeder Meldung nachgegangen, mit dem Ziel, die Betroffenen persönlich anzusprechen und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Im Vorjahr gab es jedoch keine einzige Nachfrage für die vorhandene Notschlafstelle.
Auch aus Neunkirchen sind keine akuten Fälle bekannt. „Wir finden aber im Notfall immer eine Lösung“, so Rathaussprecherin Susanne Kohn. Und auch in Wiener Neustadt sei das Thema derzeit nicht obsolet. „Uns ist kein Fall bekannt, bei dem jemand im Freien schlafen muss“, sagt Stadtsprecher Thomas Iwanschitz, obwohl in der Allzeit Getreuen derzeit 18 Menschen ohne festen Wohnsitz gemeldet sind. Notschlafstellen seien jedoch im begrenzten Ausmaß vorhanden.
Die Notschlafstellen der Emmausgemeinschaft in St. Pölten sind unter der Nummer 0676/886 44 702 (7 bis 19 Uhr) und unter der Nummer 0676/886 44 750 (19 bis 7 Uhr) erreichbar.
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