Bis in die 2030er Jahre hinein gibt es im Unterland keinen umfassenden Hochwasserschutz. Die Gemeinde Kramsach muss einen selbst aufgeschütteten Damm abtragen, auch das geforderte Ausbaggern des Flusses kommt nach langen Auseinandersetzungen nicht – aber „Plan C“?
Vor 20 Jahren hieß es in etlichen Unterländer Orten „Land unter“. Nach Schäden von 143 Millionen Euro begann das Land, einen Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser auszuarbeiten. Gefühlte 1000 Pläne und Sitzungen später steht in den Sternen, wann der Inn und seine Launen den Anrainern nicht mehr gefährlich werden können. Im Unteren Unterinntal wurde zumindest ein Wasserverband aus Gemeinden (Kramsach bis Angath), Tiwag, ÖBB, Asfinag usw. gegründet, der das Jahrhundertprojekt vorantreibt.
Gleich zweimal mit Wünschen „baden“ gegangen
Bis dahin heißt es: Rette sich, wer (es selbst) kann. Kramsach ging damit gleich in doppelter Hinsicht „baden“. „2019 haben wir in der Notsituation einen Damm aufgeschüttet“, blickt BM Andreas Gang (FPÖ) zurück. 2023 trug dieser dazu bei, dass der Ortsteil Badl (168 Haushalte, rund 430 Bewohner) das Inn-Hochwasser haarscharf überstand. Der Erddamm war aber ohne alle nötigen Genehmigungen errichtet worden. Nach einem längeren Hickhack – von der BH bis zum Landesverwaltungsgericht – stand kürzlich fest: Der Damm muss abgetragen werden! Da half auch eine Petition im Landtag nichts.
Innsohle unter der Lupe – gebaggert wird nicht
Daneben verlangte Gang eine Vermessung der Innsohle. Ein Ausbaggern könne die Gefahr mindern, so die Annahme. Im Sommer flogen im Dienst der Wissenschaft auch Drohnen am Inn, an 78 Punkten wurden exakte Profile des Flusses erstellt.
Der Damm war 2019 eine Notmaßnahme, sie hat sich 2023 bewährt. Wir beeinspruchen das Abtragen nicht, wenn die neue Lösung kommt.

Bürgermeister Andreas Gang
Bild: Gemeinde Kramsach
Das Anfang Dezember verbreitete Ergebnis war aus Kramsacher Sicht eine bittere Pille: „Eine immer wieder geforderte Geschiebeentnahme hätte keine nachhaltige Rückhaltewirkung.“ Im Gegenteil: Orte flussabwärts würden durch mögliche höhere Wassermengen mehr gefährdet. Und: Das entnommene 80.000 m³ Material (die geforderte Menge) wäre vom Fluss rasch wieder verfüllt.
“Legostein-Projekt“, dafür kein Einspruch mehr
Der FPÖ-Dorfchef blieb kämpferisch und hat „Plan C“ in der Tasche: Er besteht aus 750 Kilo schweren „Legosteinen“ aus Beton, die am Ufer auf 1,2 Kilometern Länge positioniert werden sollen. „Griffbereit“ für Bagger bei Gefahr. „Nach Dreikönig habe ich dazu einen Termin beim Kufsteiner Baubezirksamt“, berichtet er von positiven Vorgesprächen bis hin zu Bezirkshauptmann und LH Mattle.
Das Aufatmen über die Alternativlösung im Ortsteil Badl dürfte hörbar sein, dort stieg der Inn im August 2023 binnen Stunden um 3,6 Meter. Mit den „Legosteinen“ soll das Niveau im Schnitt um zehn Zentimeter höher liegen als mit dem Damm. Auf einen weiteren Einspruch gegen dessen Abtragung will die Gemeinde verzichten.
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