Mo, 20. August 2018

Besuch im Todeslager

27.01.2014 21:06

Hunderte bei Holocaust-Gedenktag in Auschwitz

Überlebende des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz haben am Montag der Befreiung des Lagers vor 69 Jahren gedacht. Vor der "Todeswand" im Stammlager Auschwitz, an der Tausende Häftlinge erschossen worden waren, legten sie Blumen nieder und zündeten Kerzen an. An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Dutzende Mitglieder des israelischen Parlaments teil.

"Wir haben hier schwere Zeiten durchgemacht. Ich fühle Genugtuung, dass ich diesen Ort auf meinen eigenen Beinen und nicht durch den Kamin verlassen habe" zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP den ehemaligen Häftling Bogdan Bartnikowski.

Zur offiziellen Gedenkveranstaltung in Birkenau, dem eigentlichen Vernichtungslager, reisten 61 Mitglieder des israelischen Parlaments, der Knesset, nach Auschwitz. Unter ihnen waren sechs Minister. Die Abgeordneten wollten im größten der nationalsozialistischen Todeslager der mindestens 1,1 Millionen ermordeten meist jüdischen Häftlinge gedenken. Soldaten der Roten Armee hatten das Lager am 27. Jänner 1945 befreit.

Papst Franziskus nahm an einer Feier zum Holocaust-Gedenktag im römischen Quirinpalast teil. Der Pontifex bezeichnete den Holocaust als "Schande für die Menschheit".

"Schändliche Provokation": Pakete mit Schweineköpfen
Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zeigte sich über jüngst erfolgte antisemitische Beleidigungen gegenüber Juden in Rom empört. Paketsendungen mit Schweineköpfen an die jüdische Gemeinde, Israels Botschaft und ein städtisches Museum, das eine Holocaust-Ausstellung zeigt, seien eine "schändliche Provokation", sagte Napolitano am Montag bei der Gedenkfeier.

Sie richteten sich gegen die ganze italienische Gesellschaft. Er hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden würden. Jede Form von Judenfeindlichkeit müsse rigoros bekämpft werden, so das Staatsoberhaupt.

Gedenken in Wien: "Erinnern tut weh, ist aber unverzichtbar"
Auch in Wien versammelten sich am Montagabend Hunderte Menschen, um der Opfer des Holocausts zu gedenken. In den Reden von Zeitzeugen und Politikern wirkten dabei vor allem die Geschehnisse rund um den am Freitag veranstalteten Akademikerball und die Proteste gegen den Ball nach.

"Erinnern tut weh, ist jedoch unverzichtbar. Es ist unsere Verpflichtung gegenüber den Opfern und den nächsten Generationen", erklärte der Präsident der Israelischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. Gerade im Angesicht des zunehmenden Antisemitismus in Europa sei die Erinnerung und Wachsamkeit umso wichtiger. "Auch in Österreich werden ständig Grenzen sanktionslos überschritten", so Deutsch.

Er forderte deshalb die Einrichtung des 27. Jänners – derzeit internationaler Holocaust-Gedenktag – als offiziellen Gedenktag in Österreich. Begleitet wurde die Gedenkzeremonie – zu der auch ein von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg gesprochenes traditionelles Totengebet und eine Kranzniederlegung gehörte – von Liedern des Jüdischen Chors.

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