Vier führende Köpfe eines großen Drogenrings stehen seit Montag in Leoben vor einem Geschworenengericht. Die Angeklagten sollen gewaltige Suchtgiftmengen in der Obersteiermark in Umlauf gebracht haben und äußerst gewalttätig in den eigenen Reihen gewesen sein. Vor Gericht zeigen sie sich wenig kooperativ.
Ein großes Polizeiaufgebot zeugt beim Prozessauftakt am Landesgericht Leoben von der Gefährlichkeit des Drogen-Clans, von dem sich vier führende Köpfe vor einem Geschworenensenat verantworten müssen – auch das ist bei einem Suchtgift-Prozess keine Alltäglichkeit. Weil es aber um große Drogenmengen und eine straff organisierte Vereinigung geht, die auch vor erschreckender Gewalt nicht Halt macht, sind die Strafandrohungen entsprechend hoch.
Boss zog vom Häfen aus die Fäden
Die Angeklagten, drei Tschetschenen sowie die Ehefrau des Ältesten, sollen über mehrere Jahre Hunderte Kilo Kokain, Cannabis und andere Drogen in Wien geholt und vorwiegend im Murtal verkauft haben. Der Kopf der Bande, ein 30-Jähriger mit langem Vorstrafenregister, soll von seiner Gefängniszelle in Wien aus per Handy die Fäden gezogen haben.
Sein Bruder (23) und ein weiterer Landsmann (26) waren selbst Kurierfahrer und Dealer, sollen aber auch weitere „Läufer“ beschäftigt haben. Dabei soll vor allem der 26-Jährige „ein Schreckensregime“ betrieben haben, erklärt die Staatsanwältin. Er soll mehrere kleinere Dealer geschlagen und mit einer Pistole bedroht haben. Einen davon soll er mit einer Nagelschere in den Oberschenkel sowie mit einem Messer in den Oberarm gestochen haben.
Dealer waren selbst schwer drogenabhängig
Weil die Angeklagten eine kriminelle Vereinigung gebildet haben sollen, will die Staatsanwaltschaft den sogenannten „Mafia-Paragrafen“ zur Anwendung bringen. Vor allem dagegen protestieren die Anwälte. „Das waren kleine Provinzdealer, von einem Großbandenführer sind wir hier weit entfernt“, sagt etwa der Verteidiger des 26-Jährigen. Sein Mandant sei selbst schwer alkohol- und drogenabhängig sowie spielsüchtig und habe sich vorwiegend seine eigenen Süchte finanziert.
Der Angeklagte selbst will sich an vieles nicht erinnern können – vor allem bei dem ihm angelasteten Gewalttaten sei er im Rausch ausgerastet. Er habe täglich zwei, drei Flaschen Whisky und rund fünf Gramm Kokain konsumiert. Seine Kollegen will er nicht belasten, er habe nur sein „eigenes Drogenbusiness“ gehabt.
Verhaltene Aussagen
Auch die Aussagen der anderen Angeklagten sind zurückhaltend und im Widerspruch zu Beweisen und Zeugenaussagen. Die Richter versuchen ihnen mehrmals auf die Sprünge zu helfen und auf eindeutige Widersprüche hinzuweisen, orten letztendlich aber auch Angst und Einschüchterung durch Kollegen und Hintermänner.
Zahlreiche Zeugen werden an den kommenden Verhandlungstagen noch aussagen. Der Prozess ist für vier Tage angesetzt.
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