Fr, 17. August 2018

20. Jänner 2014

23.01.2014 11:37

Egon und das Phänomen

Abendessen mit Egon Zimmermann. Die Anekdoten, die der Abfahrts-Olympiasieger des Jahres 1964 erzählt, sind genauso köstlich wie das feudale Lauberhorn-Buffet. Von den wilden Ritten über wenig bis gar nicht gesicherte Pisten ohne richtigen Helm. Oder von den Teamkollegen, die ihm kein Wachs borgen wollten, das er im Hotel vergessen hatte. Und ihn damit so verärgerten, dass er vor lauter Wut im Bauch nur noch schneller fuhr und das Rennen ganz überlegen gewann.

Am 8. Februar wird Zimmermann bereits 75. Er wirkt viel jünger. Und auf die Idee, dass bei ihm bereits Ende der 70er-Jahre Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, würde man nie kommen. Mit Qigong hat er die Krankheit erfolgreich bekämpft. Und weil er schon lange davor in seinem Sportlerleben gelernt hat, dass der Wille Berge versetzen kann.
Genau in diesem Zusammenhang staunte er gestern während des Slaloms nicht nur über Teufelskerl Marcel Hirscher und seine akrobatischen Sonderleistungen. Sondern auch über Mario Matt, der nur unweit entfernt von seiner Heimat Lech in Flirsch am Arlberg lebt. "Es ist einfach nur phänomenal, dass sich im Slalom, wo sich die Technik in den letzten Jahren so enorm weiterentwickelt hat, einer so lange in der absoluten Weltspitze halten kann wie er."

Vor 14 Jahren startete Matt erstmals in Wengen. Er hatte sich die Skier von seinem norwegischen Salomon-Markenkollegen Finn Christian Jagge ausborgen müssen, weil die eigenen gestohlen worden waren. Und er wäre ohne den Ausfall am Ende des zweiten Durchgangs auf Anhieb mitten in die Weltspitze gefahren. Wie gestern mit Rang vier. Mit dem er allerdings keineswegs zufrieden war. "Weil einfach viel mehr drinnen gewesen wäre!“

Mit diesen Worten untermauert er seinen auch im hohen Rennläufer-Alter immer noch ungebrochenen Willen, um bei Zimmermann zu bleiben, nur noch. Bewunderung löst er aber sowieso längst überall aus. Teamkollege Manuel Feller, der gestern Rang 22 belegte und bei den ersten Matt-Erfolgen zarte sieben war: "Es ist eine große Ehre, mit so einem Sportler in einer Mannschaft zu fahren!“

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