Ursache: Klimawandel

Tierische Exoten: Reiswanze, Holzbiene und Co.

Vorarlberg
24.07.2025 07:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Immer mehr exotische Tierarten siedeln sich in Vorarlberg an. Nicht jeder Neuankömmling ist willkommen – aber es gibt auch Ausnahmen, wie beispielsweise die Blaue Holzbiene. 

Die Exoten gelangen meist unbeabsichtigt und unbemerkt nach Vorarlberg – sie werden in Pflanzentöpfen, an Autoreifen und im Gepäck mitgebracht oder auch durch Vögel. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass die Neuankömmlinge aufgrund der Klimaerwärmung mittlerweile Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, sich fortzupflanzen – unter Umständen auch zum Nachteil heimischer Tierarten und Ökosysteme.

Einer dieser Neozoen ist die Japanische Landplanarie (Diversibipalium multilineatum). Sie wurde 2024 erstmals in Vorarlberg und damit auch erstmals in Österreich nachgewiesen, in Lochau fand eine Familie gleich mehrere Exemplare bei ihrem Planschbecken im Garten. Die ockerfarbenen Würmer haben fünf dunkle Längsstreifen auf dem Rücken und können bis zu 20 Zentimeter lang werden.

Die Fortpflanzung fällt ihnen nicht schwer: Sie sind Zwitter und brauchen lediglich ein zweites Exemplar ihrer Art, auf das Geschlecht müssen sie keine Rücksicht nehmen. Und auch ohne Partner können sie sich vermehren. Ihr Körper kann sich in zwei Hälften teilen – am vorderen wächst ein neuer Schwanz, am hinteren ein neuer Kopf. Menschen sollten jedenfalls vorsichtig im Umgang mit den Plattwürmern sein, da sie zur Verteidigung einen Schleim absondern, der Augen oder Mund empfindlich reizen kann.

Hyalomma-Zecke: Die eingeschleppte Art kann Krankheiten übertragen.
Hyalomma-Zecke: Die eingeschleppte Art kann Krankheiten übertragen.(Bild: APA/KLAUS ZIMMERMANN)

Neue Zecke, neue Krankheiten
Bereits seit Langem ist bekannt, dass Larven und Nymphen der Hyalomma-Zecke durch Zugvögel aus dem Süden nach Mittel- und Nordeuropa gelangen. Anfang 2023 wurde erstmals ein erwachsenes Exemplar der subtropischen Zeckenart in Dornbirn gefunden.

Der Fundzeitpunkt deute darauf hin, dass die Entwicklung von der Nymphe zur Zecke wegen der veränderten Klimabedingungen nun in Vorarlberg möglich geworden sei, so Elisabeth Ritter von der Inatura. Der fünf bis sechs Millimeter große Blutsauger kann Krankheiten wie das Krim-Kongo-Fieber und das Alkhurma-Fieber sowie schädliche Bakterien und Einzeller übertragen.

Schmuckschildkröten sind insbesondere am Alten Rhein häufig zu beobachten.
Schmuckschildkröten sind insbesondere am Alten Rhein häufig zu beobachten.(Bild: APA/GEORG FRIEBE)

Die grüne Reiswanze (Nezara viridula) wurde indes durch Warenhandel aus Ostafrika weltweit verschleppt. In Vorarlberg wurde sie erstmals 2015 nachgewiesen, seither hat sie sich immer weiter ausgebreitet, besonders seit 2022 häufen sich die Sichtungen bei Grünmüllanlagen und in Gärten. Die Wanze verursacht Saugschäden an Obst und Gemüse, die Landwirtschaftskammer hat bereits einen Warndienst eingerichtet.

Die Liste der exotischen Tiere in Vorarlberg ist aber noch viel länger: So leben nach Schätzungen Hunderte Schmuckschildkröten, die von verantwortungslosen Besitzern ausgesetzt wurden, im Land – und es mehren sich die Anzeichen, dass diese sich mittlerweile erfolgreich fortpflanzen. Auch die invasive Asiatische Buschmücke, Spinnen wie die Nosferatu-Spinne oder die Dreiecks-Fettspinne und die Kantige Laubschnecke kommen hierzulande immer häufiger vor. Letztere sieht mit ihrem gefleckten Häuschen zwar harmlos und herzig aus, ist aber ein überaus gefräßiger Blumenfeind.

Die Blaue Holzbiene, zu erkennen an den blauen Flügeln.
Die Blaue Holzbiene, zu erkennen an den blauen Flügeln.(Bild: APA/MARIA BERG)

Willkommene Gäste
Zum Glück gibt es auch erfreuliche Neuzugänge unter den Insekten: „Die Blaue Holzbiene ist eine willkommene, hübsche, friedliche Neubürgerin mit Bestäubungsfunktion“, nennt Ritter ein Positivbeispiel. Die wärmeliebende und überaus imposante Wildbiene wurde erstmals 2017 in Vorarlberg gesichtet, inzwischen wird sie immer häufiger beobachtet. Ihre Gestalt erinnert an eine Hummel, allerdings hat sie einen blauschwarzen Körper und blau schimmernde Flügel.

Generell wäre es übertrieben, ob der Neozoen in Panik zu verfallen – nur jede tausendste Art unter den Neuzugängen wird tatsächlich zu einem Problem.

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