07.11.2013 10:48 |

Mit Glanzparaden

Lindner verhinderte gegen Atletico übleres Debakel

Das "Wunder von Madrid" lag für die Austria am Mittwoch in weiter Ferne. Die Wiener gingen gegen Atletico Madrid sang- und klanglos 0:4 unter und waren für die Spanier nicht mehr als ein überforderter Sparringspartner. "Atletico war zwei bis drei Nummern zu groß für uns", meinte Trainer Nenad Bjelica nach dem Duell in der Champions-League-Gruppe G. Wäre Tormann Heinz Lindner nicht zu Hochform aufgelaufen, hätte es wohl ein noch übleres Debakel gesetzt.

"Wir können froh sein, dass Heinzi in dieser Form gespielt hat. Er hat in Madrid als einziger auf Topniveau gespielt. Auf ihn können wir uns immer verlassen", bedankte sich Bjelica. Für den Kroaten ist der 23-Jährige, der bisher fünf A-Länderspiele absolviert hat, längst die Nummer 1 in Österreich. Und Bjelica ist sich sicher, dass das auch Teamchef Marcel Koller "in naher Zukunft" so sehen wird. Lindners Privatduell mit Atleticos Superstürmer Diego Costa sorgte vor 30.000 Zuschauern im Vicente-Calderon-Stadion zumindest für ein bisschen Spannung.

Zunächst brachte Lindner den gebürtigen Brasilianer mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung und parierte in der 75. Minute sogar einen Elfmeter von Costa. Doch der Mann der Stunde im spanischen Fußball schlug dann in der 82. Minute doch noch zu und sorgte für das Tor zum 4:0-Endstand.

Sogar Diego Costa lobt Lindner
Während die spanische Presse den "Wackelpudding" Austria zerpflückte, gab es für Lindner auch von dieser Seite dickes Lob. "As" etwa bezeichnete ihn als regelrechten "Crack". "Ohne seine Paraden wäre die Austria wohl mit drei oder vier weiteren Gegentoren untergegangen", schrieb auch "Mundo Deportivo". Sogar Atleticos brasilianischer Stürmerstar Diego Costa zeigte sich vom Austria-Keeper beeindruckt. "Der hat wirklich fast alles gehalten, sogar meinen Elfmeter", sagte Costa nach dem Spiel.

Glanzparaden für Lindner nur schwacher Trost
Für Lindner war der Unterschied zwischen der Austria und Atletico "mindestens eine Klasse". "Aber das ist keine Schande. Ich kann meinen Vorderleuten keinen Vorwurf machen. Atletico ist eine europäische Topmannschaft, die derzeit für Furore sorgt. Wir haben uns mit vollem Einsatz dagegen gewehrt, dass wir noch höher abgeschossen werden", sagte Lindner, für den die zahlreichen Paraden nur ein schwacher Trost waren: "Das sorgt zwar für einen schönen Beigeschmack. Aber letztendlich ist es bitter, dass wir die beiden Duelle gegen Atletico mit 0:7 verloren haben."

Auch Bjelica ist überzeugt, dass Atletico nicht nur im Rennen um den spanischen Meistertitel, sondern auch im Kampf um den Champions-League-Pokal ein gehöriges Wörtchen mitplaudern wird. "Atletico hat definitiv die Qualität, um um den Titel mitzuspielen."

Talent Murg als kleiner Lichtblick
In der Offensive verlief die Jagd nach dem ersten erzielten Tor hingegen größtenteils frustrierend. Die einzige Großchance fand Thomas Murg vor, der 18-Jährige war für Bjelica neben Lindner der zweite Lichtblick an einem düsteren Abend. "Murg entwickelt sich sehr gut, er hat mich noch nie enttäuscht. Er ist die Zukunft der Austria. Hoffen wir, dass er sich weiter so entwickelt", meinte Bjelica über den Mittelfeldspieler.

Ansonsten hatten Roman Kienast und seine Kollegen wenig zu lachen. "Atletico hat eiskalt jeden Fehler genützt. Es ist unglaublich schwierig, gegen so eine Klassemannschaft zu bestehen. Aber da geht es nicht nur uns so", sagte der Austria-Stürmer.

Austria als einziges CL-Team noch ohne Treffer
Zumindest den Premierentreffer wollen die Austrianer als letztes der 32 Teams in den verbleibenden beiden Gruppenspielen in Porto und daheim gegen Zenit St. Petersburg unbedingt noch schaffen. Lindner hofft, dass seinen Vorderleuten der erlösende Volltreffer gelingt. "Nach dem ersten Punkt (0:0 in St. Petersburg, Anm.) wollen wir unbedingt auch das erste Tor. Das wäre für uns alle ganz, ganz wichtig."

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