25.10.2013 14:47 |

"Krone"-Interview

Einblicke ins Leben der neuen US-Botschafterin

Sie tritt ihr Amt am Höhepunkt eines Abhörskandals an: Alexa Wesner, neue US-Botschafterin in Österreich. Wie es dazu kam, erzählt sie Conny Bischofberger im privaten Interview.

Eine elegante Bauhaus-Villa im Wiener Nobelbezirk Hietzing – das neue Zuhause von Alexa Wesner. Am Tag nach ihrem Antrittsbesuch beim Bundespräsidenten treffen wir die US-Botschafterin zum Interview in der Residenz. Ihr zu Füßen - im geschichtsträchtigen Zimmer, in dem John F. Kennedy 1961 Chruschtschow und Carter 1979 Breschnew getroffen hat - liegt "Band Aid", ein schneeweißer Labrador. "Die Kinder haben ihn 'Pflaster' getauft", erklärt die perfekt Deutsch sprechende Texanerin, die für ihre Kids auch zwei Katzen aus dem Wiener Tierschutzhaus geholt hat.

Die Diplomatin ist leger gekleidet - Nadelstreifhose, blauer Rollkragenpullover, Perlohrringe. Auch, um zu signalisieren, dass das kein hochpolitisches Gespräch werden soll. Während Paris und Berlin die jeweiligen US-Botschafter als Zeichen der Empörung über die Abhörpraxis der Amerikaner schon einberufen haben, herrscht in Österreich - wie auch im Weißen Haus - Stillschweigen. Aber, das macht Wesner im Gespräch deutlich, sie ist bereit für die Diskussion, die sie erwartet.

Hier gibt es drei Hörproben vom Interview mit Alexa Wesner: Clip 1 (über ihre Ziele), Clip 2 (über Work-Life-Balance) und Clip 3 (über 9/11).

"Krone": Frau Botschafterin, das Ansehen der USA hat durch das Abhören von Spitzenpolitikern durch die NSA sehr gelitten. Wie schätzen Sie die Stimmung in der österreichischen Bevölkerung dazu ein?
Alexa Wesner: Ich denke, dass hier - wie auch bei uns in den USA - eine gesunde Diskussion stattfindet. Ich verstehe diese Debatte absolut.

"Krone": Wie werden Sie mit der Empörung über das Anzapfen von Mobiltelefonen umgehen?
Wesner: Ich sehe das als Chance, den Dialog voranzutreiben. Sowohl in Österreich als auch in den USA. Ich habe nicht erwartet, einen Job anzutreten, bei dem ich alles so vorfinde, dass keine Diskussionen nötig sind. Ich bin für diese Diskussionen bereit.

"Krone": Sie sind seit 12. September in Wien und haben dem Bundespräsidenten am vergangenen Dienstag Ihr Beglaubigungsschreiben überreicht. Was ist der prägendste erste Eindruck von Österreich?
Wesner: Mein erster Eindruck stammt aus meiner Kindheit. Ich war ungefähr sechs Jahre alt, als ich mit meinen Eltern, Onkeln und Cousins zum ersten Mal nach Österreich gekommen bin. Wir sind in Vorarlberg Ski gefahren - und die Schönheit des Landes hat sich mir damals schon eingeprägt.

"Krone": Haben Sie sich Österreich als Posten ausgesucht?
Wesner: Nein, diese Entscheidungen trifft der Präsident. Aber wenn man sich mein Profil ansieht, macht es Sinn. Ich spreche Deutsch und auch meine Kinder sprechen Deutsch. Deshalb habe ich die Frage des Präsidenten "Würdest du bitte nach Österreich gehen?" ohne zu zögern mit "Absolut!" beantwortet.

"Krone": Ihre Mutter stammt aus Deutschland, wäre es da nicht logisch gewesen, Sie nach Berlin zu schicken?
Wesner: Ich glaube, dass das auch eine gute Idee gewesen wäre, aber ich bin mehr als glücklich, dass ich Österreich bekommen habe. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich hier sein darf.

"Krone": Sie haben gemeinsam mit Ihrem Mann zwei Millionen Dollar bei einem Dinner für Barack Obama gesammelt und mehr als 500.000 Dollar gespendet. Ist dieser Job eine Art Belohnung für Ihren Einsatz?
Wesner: Ich weiß gar nicht, wie viel Geld während dieses Dinners gesammelt wurde... Sicher habe ich eine Vergangenheit als Unterstützerin von Präsident Obama, aber es gibt viele andere Menschen, die auch Geld für ihn gesammelt haben und nicht Botschafter geworden sind (lacht). Es sollte doch klar sein, dass man für einen so wichtigen Job schon sehr qualifiziert sein muss. Ich kenne viele amerikanische Botschafter auf der ganzen Welt, sie haben alle diesen beruflichen Background, der sie befähigt, Beziehungen zu vertiefen.

"Krone": Sind Sie und Barack Obama gute Freunde?
Wesner: Wir sind seit 2007 befreundet. Ich habe ihn kennengelernt, als er zum ersten Mal für den Senat kandidiert hat. Wir haben uns dann bei einer Signierstunde in Texas wiedergetroffen.

"Krone": Was ist er für ein Mensch?
Wesner: Ein sehr warmherziger, mitfühlender, mit einer unglaublichen Präsenz. Wenn er einen Raum betritt, strahlt er eine Aura aus, die einfach wundervoll ist. Er ist aber auch brillant von seinem Background her - er hat Verfassungsrecht studiert - und unerschütterlich in seinen Überzeugungen. Ein großer Leader.

"Krone": Ihr Vorgänger William Eacho war ursprünglich Republikaner und ist dann für den Demokraten Barack Obama als Botschafter nach Österreich gegangen. Wie ist es mit Ihnen? Als Unternehmerin würde man annehmen, dass Sie auch eher Republikanerin wären.
Wesner: Ich war auch als Unternehmerin immer Demokratin. Und mir ist es wichtig zu sagen, dass ich mein Land als persönliche Repräsentantin des Präsidenten überparteilich vertreten werde.

"Krone": Wie konnten Sie als Demokratin in der republikanischen Hochburg Texas bestehen?
Wesner: Gute Frage! Sicher kann es manchmal frustrierend sein, in einem Bundesstaat zu leben, in dem die Mehrheit anderer Meinung ist, aber das macht nun einmal eine starke Demokratie aus. Es muss einen offenen Dialog geben über Dinge, die uns wichtig sind, die wir ändern wollen. Ich habe meine politische Arbeit in Austin immer als großartige Chance gesehen.

"Krone": Sie sind eine erfolgreiche Unternehmerin, Ihr Mann ist Risikokapitalgeber: Was wollen Sie in Österreich erreichen?
Wesner: Darüber habe ich sehr viel nachgedacht. Abgesehen von den diplomatischen und außenpolitischen Prioritäten der Vereinigten Staaten ist es mein persönliches Ziel, Unternehmertum und Innovation zu stärken. In Österreich passieren gerade großartige Dinge, wie zum Beispiel das Pioneers Festival am 30. und 31. Oktober, da würde ich mich gerne mit den österreichischen Firmen kurzschließen. Im November starten wir dann eine Unternehmerwoche.

"Krone": Nimmt Ihr Mann eine Auszeit oder wird er zwischen Österreich und den USA pendeln?
Wesner: Blaine kann seine Arbeit auch von hier erledigen. Mein Mann unterstützt mich auch bei der Kinderbetreuung voll und ganz. Wir sind ein großartiges Team. Wir haben letztens darüber gelacht, dass sich unsere Routine nicht geändert hat. Wir stehen auf, frühstücken gemeinsam als Familie und gehen arbeiten. Der Unterschied ist nur, dass Blaine aufgrund der Zeitdifferenz erst am Nachmittag mit seiner Arbeit beginnen kann, wenn die Börsen in den USA öffnen.

"Krone": Hand aufs Herz: Kann man den Job einer Botschafterin und die Aufgaben einer Mutter wirklich unter einen Hut bringen?
Wesner: Ich denke täglich darüber nach. Die Balance ist tatsächlich nur schwer zu erreichen. Das Wichtigste ist die Planung. Wenn ich also Abendtermine habe, dann gehe ich eben vorher nach Hause und verbringe Zeit mit den Kindern. Das funktioniert nicht immer, aber es muss ja auch nicht die tägliche Balance stimmen, sondern die wöchentliche oder vielleicht auch monatliche. Job und Kinder zu vereinbaren ist sicher schwierig, aber es gibt Millionen Mütter und Väter, denen es genauso geht. Und die beweisen, dass es machbar ist.

"Krone": Was lieben Sie an Wien?
Wesner: Den Kaffee - da sollte ich vielleicht ein bisschen auf die Bremse steigen. Der Hund liebt das kühlere Wetter. Den Kindern, speziell den beiden älteren, fehlen natürlich ihre alten Freunde,werden mit ihnen die Kinderoper und die Spanische Hofreitschule besuchen. Und wir lieben es, dass wir zu Fuß zum Bäcker gehen können.

"Krone": Tanzen Sie schon Walzer?
Wesner: Ich will keine Schwierigkeiten bekommen, deshalb sage ich jetzt lieber Nein. Ich habe vor zehn Jahren gelernt, Walzer zu tanzen. Ich muss also nicht von vorne beginnen, aber ich sollte es vielleicht etwas auffrischen. Zumal wir vorhaben, auf den Opernball zu gehen.

"Krone": Und gelingt Ihnen schon ein Wiener Schnitzel?
Wesner: Also gekocht habe ich es noch nicht, aber ich werde es lernen. Versprochen!

"Krone": Mit Ihrer Ankunft am Westbahnhof haben Sie ein großes Medienecho erreicht. War das auch ein ökologisches Statement?
Wesner: Auf jeden Fall, denn es gibt keinen grüneren Weg des Reisens als den Zug. Darum steige ich, wann immer es möglich ist, in den Zug. In meiner Freizeit fahre ich sehr viel mit dem Rad. Ich besitze ein Stadtrad und ein Mountainbike.

"Krone": Sie haben auf YouTube ein Video veröffentlicht, in dem Sie Deutsch sprechen. Zu welchen Gelegenheiten sprechen Sie Deutsch?
Wesner: Interviews führe ich immer gerne auf Englisch. Aber mit meinen Eltern und meinen Verwandten in Deutschland spreche ich natürlich Deutsch, auch meine Kinder verstehen Deutsch. Es ist die Sprache, die ich als Erstes gelernt habe. In Wien werde ich viel üben können...

"Krone": Frau Botschafterin, ein Ereignis hat die USA und auch die Welt für immer verändert, und das ist der 11. September 2001. Wo waren Sie, als die Türme des World Trade Centers eingestürzt sind?
Wesner: Daheim in Texas. Meine Mutter hat mich zweimal am Mobiltelefon aus Europa angerufen, was immer bedeutet: Das ist wichtig, nach internationaler Mobiltelefonsprache. Dann habe ich erst die Nachrichten eingeschaltet und konnte einfach nicht glauben, was ich sah... Es folgte eine schreckliche Zeit, für das Land und für die Welt.

"Krone": Sie wurden erst danach Mutter. Denken Sie sich manchmal, dass Ihre Kinder in eine andere Welt geboren worden sind?
Wesner: Ich glaube, sie wurden in vielerlei Hinsicht in eine stärkere Gemeinschaft hineingeboren. Denn 9/11 hat zwei Gesichter: das des Leides und der Helden, aber auch das des Schulterschlusses für die Vereinigten Staaten. Damals entstand eine neue Entschlossenheit, eine neue Stärke, ein neuer Zusammenhalt.

"Krone": Aber berechtigt das die USA, andere Länder abzuhören?
Wesner: Die Debatte, die wir derzeit führen, über Sicherheit und wie wir sie gewährleisten können, kann nicht ohne die Ereignisse vom 11. September geführt werden. Wir müssen aus der Geschichte lernen, mit dem Gelernten Fortschritte erzielen, aber auch nötige Entscheidungen treffen.

Ihre Karriere
Geboren als Tochter von Einwanderern (Mutter Deutsche, Vater Lette) in Washington. Biologie-Studium an der renommierten Stanford-Universität. In Texas gründet die Demokratin 1997 ihre erste, im Jahr 2000 ihre zweite Firma. Im Wahlkampf sammelt die neue US-Botschafterin in Österreich Spenden für Barack Obama. Wesner ist auch eine erfolgreiche Triathletin. Verheiratet mit dem Unternehmer Blaine Wesner, drei Kinder: Natalie ist 9, Tennyson 5, Livia 2 Jahre alt.

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