Nach Flucht gefasst
Wie Mörder mit Fake-Schreiben US-Gefängnis narrten
Jenkins war im Jahr 1998 wegen eines Mordes bei einem Raubüberfall zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Walker erhielt ein Jahr später die gleiche Strafe, ebenfalls wegen eines Mordes. Sie wurden beide ins Gefängnis in North Carrabelle im Bundesstaat Florida gebracht, wo sie als Häftlinge jahrelang ihr Dasein fristeten - bis ihnen die zündende Idee kam, mit gefälschten Papieren ganz ruhig und gelassen in die Freiheit zu spazieren.
Schreiben akzeptiert, auch Familien glaubten die Version
So geschehen Ende September, als zunächst Jenkins dem Anschein nach mit Papieren über eine vorzeitige Haftentlassung - mit einer vermeintlichen Unterschrift eines zuständigen Richters und eines Bezirksstaatsanwalts - sich aus seiner Gefängniszelle verabschiedete. Wenig später folgte dann auch Walker mit einem ähnlichen Schreiben in die Freiheit.
Angehörige der beiden gaben später in Interviews an, dass sie ebenfalls an eine ordnungsgemäße Freilassung geglaubt hätten. Doch dem war nicht so - und den Fall ins Rollen brachte laut dem Nachrichtensender CNN die Mutter eines der Mordopfer, die sich nach den Gründen für die vorzeitige Entlassung erkundigte. Sie war zuvor von Walkers Entlassung schriftlich unterrichtet worden.
"Bitte stell dich! Wir wollen nicht, dass dir was zustößt"
Nun schrillten die Alarmglocken, die Polizei startete eine intensive Fahndung nach den beiden nun als flüchtig geltenden Männer. Am Samstag konnte die Suche erfolgreich beendet werden. Die beiden Getürmten ließen sich ohne Widerstand in einem Hotel in Panama-Stadt verhaften. Zuvor hatten Familienmitglieder im Fernsehen an die beiden appelliert, sich zu stellen.
"Wir lieben dich und wir glauben an dich. Bitte ergib dich oder triff jemanden, der dich sicher wieder zurückbringt. Wir wollen nicht, dass dir etwas Schlimmes zustößt", richtete Walkers Mutter, Lilly Danzy, ihrem 34-jährigen Sohn über Fernsehkameras aus.
"Systemfehler" wird nun genau untersucht
Auch nach der Festnahme der beiden Männer lässt die Behörden der Fall nicht los. Nun müssen die genauen Umstände untersucht werden, wie es zu diesem "Systemfehler", wie es der Polizeichef von Orange County, Jerry Demings, bezeichnet, kommen konnte. Eines ist klar: Jenkins und Walker hatten ziemlich gute Fälschungsarbeit geleistet. Keine der zuständigen Stellen im Entlassungsprozess schöpfte Verdacht.
"Es war sehr gut geplant und ausgeführt, die beiden kennen offenbar auch das System sehr gut", erklärte ein Strafverteidiger gegenüber CNN. Doch sehr genau scheint die Gefängnisverwaltung solche Entlassungspapiere ohnehin nicht unter die Lupe zu nehmen. "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Arbeit der Gerichte zu hinterfragen", erklärte eine Sprecherin der Gefängnisverwaltung. Nun werden Rufe nach einer Revision des Systems laut.












Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.