Der schlaksige 1,90-Meter-Mann drückte in der 82. Minute, nicht einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung, eine Kopfball-Vorlage von Philipp Hosiner über die Linie und stellte auf 2:3. Diese Resultat reichte den Wienern nach dem Erfolg in Zagreb zum Weiterkommen.
"Unglaublich, unbeschreiblich! Ich komme rein und kriege so einen Ball serviert, den du eigentlich nur noch aus fünf Metern ins Tor drücken musst. Gott sei Dank bin ich goldrichtig gestanden und habe das Tor gemacht", schilderte Kienast die großen Momente. Bereits beim Aufwärmen am Spielfeldrand hatte Kienast ein gutes Gefühl gehabt. "Trotz des 1:3-Rückstands habe ich immer wieder gesagt: 'Das schaffen wir noch.' Und ich habe mir gedacht, dass ja vielleicht gerade ich das Tor mache. Mit dem Gedanken bin ich dann auch ins Spiel gegangen."
Hosiner: "Roman war Weltklasse"
Auch von Assistgeber Hosiner gab es für Kienast ein Extralob: "Roman war Weltklasse. Er kommt ins Spiel, macht das Tor und hat sonst auch noch einige gute Aktionen. Dinamo konnte ihn einfach nicht vom Ball trennen." Goalie Heinz Lindner, der über 180 Minuten gesehen mit zahlreichen Glanzparaden ganz klar der Vater des Aufstieges war, meinte über den Goldtorschützen: "Dieses Tor wird sicher das wichtigste seiner Karriere bleiben. Ich habe gewusst, dass im Finish noch eine Chance kommen wird."
Für Kienast ist die Champions League kein Neuland, im Herbst 2005 hatte er sich jedoch als Rapidler mit einem fünfminütigen Kurzeinsatz im Finish des abschließenden Heimspiels gegen Juventus Turin (1:3) begnügen müssen. Diesmal will Kienast eine deutlich tragendere Rolle spielen, auch wenn Hosiner natürlich weiterhin gesetzt sein dürfte. "Roman ist jetzt zurück und wird sicher wieder mehr spielen", versprach Nenad Bjelica seinem Goldtorschützen, der auf eine recht eindrucksvolle Erfolgssammlung mit Meistertiteln mit Rapid, Sturm Graz und der Austria verweisen kann.
Bjelica: "Glückssache"
Der Austria-Trainer bewies mit der Einwechslung von Kienast auf jeden Fall einen ausgezeichneten Riecher, die Geschichten vom "goldenen Händchen" mag er jedoch überhaupt nicht. "Dass Roman dann wirklich dieses Tor gemacht hat, war Glückssache. Goldenes Händchen, das ist 'Blablabla'. So etwas ist Glück." Doch der Kroate hatte gute Gründe, warum er im Finish nicht Rubin Okotie, sondern eben Kienast ins Spiel brachte. "Kienast hatte in der vergangenen Saison eine hervorragende Statistik. Er hat für sieben Tore nur 700 Minuten gebraucht, das ist ein Goalgetter. Rubin hatte hingegen in letzter Zeit Probleme mit der Effizienz, deshalb habe ich mich für Kienast entschieden."
Kienast hatte sich Ende Juni bei einem Testspiel in Ybbs eine Verletzung im rechten Kniegelenk zugezogen und musste operiert werden. "Ich musste hart kämpfen", erinnerte sich Kienast an die vergangenen Wochen, in denen der EM-Teilnehmer 2008 dann langsam wieder den Anschluss fand. Am vergangenen Samstag hatte er beim 4:1-Auswärtserfolg gegen den WAC seinen ersten Treffer nach dem Comeback erzielt.
Als erste kleine Belohnung mussten Kienast und Co. am Mittwoch nicht wie geplant um zehn Uhr, sondern erst um 17 Uhr trainieren. Einen trainingsfreien Tag spielte es auch nach dem Einzug in die Champions League nicht. "Am Samstag wartet das nächste schwierige Spiel", wies Bjelica auf das Heimmatch der 7. Bundesligarunde gegen Wacker Innsbruck hin.
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