NSA-Agenten genießen dieser Tage ja nicht unbedingt den besten Ruf. Sie überwachen alles von Texas bis Taiwan, dringen ungefragt in Computer und Smartphones ein und platzieren Wanzen an Orten, die sie eigentlich nichts angehen. Trotz darniederliegender Beliebtheitswerte startet just in dieser Zeit Sam Fisher, seines Zeichens Held der "Splinter Cell"-Serie und Mitglied der fiktiven NSA-Spezialtruppe von "Third Echelon", in sein nunmehr sechstes Abenteuer.
Terroristen sind durchs Spionage-Netz geschlüpft
Und darin hat sich die Schnüffelei der NSA nicht so wirklich ausgezahlt, ja sie hat geradezu versagt. Sonst hätte die Terroristenbagage "The Engineers" wohl kaum den Einbruch in einen US-Militärstützpunkt inklusive Diebstahl mehrerer Sprengköpfe geschafft, die fortan als Druckmittel gegen die US-Regierung eingesetzt werden.
Die Forderung der bösen Buben: Die USA sollen all ihre Truppen aus dem gesamten pazifischen Raum abziehen, ansonsten gehen die Sprengsätze in ausgewählten US-Einrichtungen hoch. Operation "Blacklist" nennt sich das bedrohliche Szenario. Und abwenden soll es einmal mehr der grau melierte Spezialagent Sam Fisher, der an zahlreichen Schauplätzen auf der ganzen Welt Jagd auf die "Blacklist"-Drahtzieher macht.
Schleichen oder Ballern: Der Spieler entscheidet
Und dabei geht Fisher mal subtil, mal brachial vor. Bei unserem kurzen Probespielen fanden wir in "Blacklist" sowohl die klassischen Schleichmissionen vor, welche die Serie berühmt gemacht haben, als auch Missionen, in denen man öfter mal zur Bleispritze greifen darf.
Einzelne Einsätze enden, wenn Fisher entdeckt wird, Schleichen ist dabei also obligat. Andere Operationen lassen dem Spieler die Wahl: Gegner mit Maschinenpistole töten, mittels Taser leise ausschalten oder durch den nächsten Lüftungsschacht an ihnen vorbei krabbeln.
Wer die subtile Herangehensweise wählt, darf auf zahlreiche nützliche Agenten-Gadgets zurückgreifen, die Fishers Alltag erleichtern. Mit einer kleinen Drohne wird zu infiltrierendes Gebiet ausgekundschaftet, mit Minikameras unter Türen in den nächsten Raum gespäht. Besonders wichtig: das Nachtsichtgerät. Schließlich bewegt sich der Agent mit Vorliebe durch die Dunkelheit.
Spezialisierung möglich, knackiger Schwierigkeitsgrad
Die Ausrüstung - Waffen, Kampfanzug, Gadgets - darf man vor dem Einsatz auswählen, gegen Bares gibt's neue Gegenstände. So lässt sich Sam an die eigene Spielweise anpassen. Wer sich auf etwas spezialisiert, wird darin also immer besser.
Auch, weil man im Spielverlauf Spezialisierungspunkte bekommt, die einer von drei Spielweisen - lautlos ohne Personenschaden, lautlos mit Personenschaden oder lautstark mit reichlich Personenschaden - zugute kommen. Wer sich treu bleibt, wird also belohnt.
Einfach fanden wir die Missionen, die wir angespielt haben, nicht gerade. Das mag zum Teil daran liegen, dass der Tester Maus und Tastatur dem Gamepad vorzieht, es ist aber sicher auch den Gegnern geschuldet. Die stellen sich bei der Jagd auf Fisher nämlich gar nicht dumm an, bemerken das Verschwinden ihrer Kameraden, geben sich dann Deckung und sehen sich besonders genau nach dem Übeltäter um.
Spannender Koop-Multiplayer, matschige Texturen
Apropos umsehen: Optisch sieht man dem Titel - zumindest in der Xbox-360-Version - das Alter der genutzten Hardware an. Zwar gibt es hübsche Licht- und Schatteneffekte, liebevoll designte Levels und auch die Charaktere und deren Gesichter sind recht ansehnlich. Die Texturen sind jedoch nicht gerade hochauflösend. Durchaus denkbar, dass das in der PC-Version - das Game erscheint für alle aktuellen Plattformen inklusive Wii U - anders aussieht, ein Urteil können wir erst im finalen Test fällen.
Schön gelöst hat Ubisoft den Mehrspielermodus von "Splinter Cell: Blacklist". Wer mag, darf die Missionen nämlich gemeinsam mit Freunden im Koop-Modus bestreiten - inklusive alternativer Routen für besagten Spielmodus. Spannende Multiplayer-Partien, bei denen sich lang gediente "Splinter Cell"-Agenten bei der Vorgehensweise absprechen und ihren Plan gemeinsam durchziehen, sind damit vorprogrammiert.
Vorläufiges Fazit: Wahlfreiheit, die gefällt
Auf uns hat "Splinter Cell: Blacklist" beim ersten Anspielen einen sehr vielversprechenden Eindruck gemacht. Vor allem die Tatsache, dass man die Wahl hat, ob man lieber schleichend oder mit etwas mehr brachialer Gewalt ans Ziel kommt, fanden wir sehr angenehm.
Das lässt Fans der Serie das lieb gewonnene Stealth-Spielgefühl, sorgt aber auch für deutlich weniger Frust bei Einsteigern, weil nicht jedes Entdecktwerden sofort in einen Misserfolg ausartet - auch, wenn echte NSA-Agenten wohl die subtile Vorgehensweise bevorzugen würden. Oder die, bei der Terroristen erst gar keine Bomben klauen, weil sie bei der Netzüberwachung längst entdeckt worden sind.
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