GUTEN MORGEN

Theater in Oper und Politik | Theater in der SPÖ

Theater in Oper und Politik. Es war wohl naiver Optimismus von manchen Polit-Insidern, Journalisten, Beratern und Politologen vielleicht sogar von manchen Wählern, zu glauben, die Zuckerl-Koalitionäre würden spätestens an Tag 150 nach den Nationalratswahlen, also am gestrigen Mittwoch, ihre Einigung auf eine neue Regierung verkünden. Ja, die Verhandler selbst hatten diese Erwartung (wir wollen sie lieber nicht Hoffnung nennen) genährt. Allerdings war die Botschaft: Am Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche werde man sich der Öffentlichkeit präsentieren. Der erste Tag wurde nicht genutzt, vielleicht wird es der zweite – auch wenn am Opernballtag in Österreich für gewöhnlich Ausnahmezustand herrscht. Und sich das Interesse eines großen Teils der Gesellschaft nicht dem Kasperltheater in der Innenpolitik, sondern dem sogenannten „Staatsgewalze“ zuwendet. Aber wir werden heute ja sehen, wer sich thematisch durchsetzt: Das Theater in der Oper oder jenes in der Politik.

Theater in der SPÖ. Gestern drängte sich vor allem die SPÖ auf die Bühne. In der voraussichtlichen Vizekanzlerpartei geht es bei der Nominierung der Regierungsmitglieder rund. Es wäre eine dramatische Verkennung der Situation, zu behaupten, dass Bundesparteiobmann Andreas Babler und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig dabei an einem Strang ziehen. Da geraten auch qualifizierte Kandidaten wie der Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke zwischen die Stühle oder gar unter die Räder. Ludwig, ohne dessen starken Einsatz es wohl gar keine Neuaufnahme der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ gegeben hätte, will Hanke als Finanzminister. Babler will das partout nicht. Nebenbei wollen viele in der SPÖ vieles von dem, was Babler will, auch partout nicht. Die Zuckerl-Koalition könnte also noch vor ihrer Angelobung nicht nur durch die Mitgliederversammlung der Neos am Sonntag zum Platzen gebracht werden, sondern auch durch die SPÖ - wenn diese sich nicht sehr rasch intern einigen kann. Aber selbst wenn das Theater in der SPÖ jetzt doch noch zu einem Happy End kommt: Ruhe kehrt bei den Roten auch dann nicht ein, wenn sie mitregieren. Darauf ist Verlass.

 

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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