29.07.2013 21:06 |

Inka-Menschenopfer

Kinder wurden mit Alkohol und Koka auf Tod vorbereitet

Die Inkas haben jene Kinder, die sie für ein Menschenopfer auswählten, über Monate mit Alkohol und Koka-Blättern auf ihren Tod vorbereitet. Diese Praxis hat ein internationales Forscherteam nach der Untersuchung dreier 500 Jahre alter Kindermumien aus den argentinischen Anden belegen können.

Für ihre Erkenntnisse untersuchten Wissenschaftler um den Archäologen Andrew Wilson unter anderem die Haare von drei etwa 6.700 Meter über dem Meeresspiegel bestatteten Kinderleichen, die 1999 nahe dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco (er liegt an der Grenze von Argentinien und Chile) entdeckt worden waren. Aufgrund der Höhe und weil sie von einer 1,5 Meter dicken Fels- und Erdschicht bedeckt waren, sind die eingefrorenen Mumien - im Bild das älteste der Kinder, das die Forscher "Maiden" (junge Schönheit) getauft haben - gut erhalten.

Rückstände in Haaren untersucht
Dass Alkohol und Koka bei den Menschenopfern der Inka eine Rolle spielten, war bereits bekannt. Die Rückstände in den Haaren lassen nun aber genauere Rückschlüsse darauf zu, wie diese Rituale vorbereitet wurden. So habe sich die Ernährung des ältesten Kindes, eines 13-jährigen Mädchens, ein Jahr vor dessem Tod dramatisch verändert. Vermutlich sei es zu diesem Zeitpunkt als Opfer ausgewählt und von da an besonders gut versorgt worden.

Beim Alkohol handle es sich vermutlich um das Mais-Gebräu Chicha. Koka-Blätter sind der Rohstoff für Kokain, beim Kauen tritt ebenfalls eine berauschende Wirkung auf. Die Inkas glaubten, dass Rauschzustände einen Zugang zur Welt der Geister ermöglichten. "Koka und Alkohol waren Substanzen, die einen veränderten und einen als heilig geltenden Status herbeiführten", heißt es in der Studie. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Rauschmittel aber auch dazu beigetragen haben könnten, die Kinder für die Rituale gefügig zu machen.

Menschenopfer Bestandteil der Kultur
Das Opfern von Menschen war bei den Inkas ein fester Bestandteil der Kultur - es gab sie vor allem während Zeiten großer Schwierigkeiten, zum Beispiel Dürreperioden, Seuchen oder wenn ein Herrscher erkrankte.

Die Auserwählten wurden vor den Ritualen, die unter dem Namen "Capacocha" bekannt sind, umsorgt und gefeiert, weshalb sich die geopferten Personen - ob Männer, Frauen oder Kinder - zum Zeitpunkt ihres Todes in physisch guter Kondition und perfekter Konstitution befanden.

Kinder als Opfer bevorzugt
Für die Menschenopfer wurden Buben und Mädchen im Alter von etwa zehn Jahren bevorzugt, die fröhlich und glücklich ihr Leben opfern sollten. Nach dem Glauben der Inka wurde das geopferte Kind im Augenblick nach seinem Tod zu einem Gott.

Die ausgewählten Kinder legten in der Regel weite Wege zurück und nahmen an Zeremonien in der Inka-Hauptstadt Cusco teil, bevor sie sich zu teils Hunderte Kilometer entfernten Berggipfeln begaben - wo sie dann schließlich geopfert wurden.

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