18.07.2013 13:33 |

krone.at-Interview

Peter Pacult: "Mein Image? Wurscht ist es mir auch nicht!"

Als Grantler ist er verschrien, als "Häferl" und als unberechenbar - doch tatsächlich werden diese nicht gerade positiven Beurteilungen Peter Pacult nicht gerecht. krone.at besuchte den ehemaligen Rapid- und nunmehrigen Dynamo-Dresden-Trainer in Sachsen und wurde von einem zwar kritischen, allerdings auch ironisch-humorvoll parlierenden Noch-53-Jährigen empfangen. Wenig verwunderlich, dass Pacult vor allem mit dem ihm anhaftenden Image wenig Freude hat.

krone.at: Herr Pacult, anders als bei Ihrem ersten Engagement hier bei Dynamo Dresden im Jahr 2006 haben Sie nicht nur eine gute Rückrunde gespielt, sondern sind auch mit dem Nicht-Abstieg belohnt worden. Was bedeutet der Klassenerhalt für Sie?
Peter Pacult: Dieser Klassenerhalt bedeutet mir sehr viel. Vor allem, weil ich mit dem kleinen Rucksack antreten musste, dass ich es schon einmal nicht geschafft habe, trotz einer damals noch besseren Rückrunde als jetzt, und mit 41 Punkten abgestiegen bin. Natürlich freut es mich in erster Linie für die Mannschaft, weil sie sehr hart arbeiten hat müssen nach der verkorksten Hinrunde. Wir sind eigentlich nur mit Pech in die Regelation gekommen. Aber auch in diesen zwei Spielen haben sie noch alles aus sich herausgeholt und verdient die Klasse gehalten.

krone.at: Stichwort Relegation - kurz vor dem Rückspiel gegen Osnabrück gab es Aufregung, weil Ihr Abgang bereits als fix vermeldet wurde. Hat Sie das sehr irritiert?
Pacult: Vor dem Spiel hat mich das gar nicht so gestört – erst nach dem Spiel in dieser ganzen Euphorie, bei der tollen Stimmung im Stadion. Auf einmal bekommst du das von einem Reporter unter die Nase gerieben, das ist unterste Schublade. Nur weil ein Journalist irgendetwas gehört hat, haut er so eine Stimmung zusammen und putzt sich nachher auch noch ab. Ich bin zwar sehr ruhig geblieben und habe nur gemeint, dass ich weiß, was in meinem Vertrag drinnen steht. Man weiß bis heute nicht, woher das alles gekommen ist.

krone.at: Haben Sie denn Feinde hier in Deutschland?
Pacult: Den Menschen müssen Sie mir bringen, der keinen Feind hat.

krone.at: Gut, ein wenig allgemeiner. Dynamo war einer der erfolgreichsten und populärsten Klubs hier in der ehemaligen DDR. Kann der Klassenerhalt dann Jahr für Jahr das Ziel von so einem Klub sein?
Pacult: Das Ziel von Dynamo muss jetzt einmal sein, sich in der zweiten Liga zu etablieren. Wenn man die letzten 20 Jahre hernimmt - ich habe ja 1994/95 mit 1860 München noch in der Bundesliga gegen Dynamo gespielt - die sind in diesem Jahr, glaube ich, auch abgestiegen. Und seitdem gibt's hier diese Fahrstuhlparty: rauf, runter, ganz runter, wieder rauf. Jetzt wäre einmal wichtig, dass sich der Verein konsolidiert. Das heißt ja nicht, dass man immer gegen den Abstieg spielen muss. Zum Vergleich: Von 2006, als ich zum ersten Mal hier war, ist einzig und allein Thomas Dathe übriggeblieben, sonst gibt's ein komplett neues Präsidium, einen neuen Aufsichtsrat und auch sonst nur andere Leute.

krone.at: Immerhin ist das Stadion auch neu...
Pacult: Schon, aber es muss sich auch trainingsmäßig viel ändern. Die Trainingsmöglichkeiten für die Profis sind meiner Meinung nach jedenfalls nicht zweitligawürdig. Der Trainingsplatz ist noch immer derselbe wie 2006, noch immer ein Naturplatz. Wenn es regnet, spielt man hier Wasserball. Und im Winter wissen wir oft nicht, wo wir hingehen sollen. Auch da muss der Verein sich einmal weiterentwickeln. Man kann sagen, dass die Trainingsmöglichkeiten von Dynamo unterm Jahr einige Punkte in der Tabelle kosten.

krone.at: Sie haben vor Kurzem angemerkt, dass man bei Dynamo den Legionärsanteil ein bisschen abbauen sollte. Als österreichisches Medium muss man ja fast fragen, ob sie nicht vielleicht doch einen Österreicher im Visier hätten. Der Name Erwin Hoffer hat da etwa kursiert.
Pacult: Ja, ich habe den Max Hagmayr wegen "Jimmy" gefragt, aber der ist für uns nicht leistbar. Der hat noch ein Jahr Vertrag bei Neapel und die wollen auch noch Ablöse für ihn haben. Bei uns wird er wohl nicht landen.

krone.at: Stichwort Ruf. Unser Kommentator Michael Fally hat im vergangenen Herbst angemerkt, Sie seien im Fernsehen als Analytiker charmant aufgetreten, während Sie als Rapid-Trainer noch widerborstig rübergekommen wären. Spielen Sie sich mit Ihrer Rolle, Ihrem Ruf?

Pacult: Nein, ich habe mich noch nie verstellt. Sicher, ich habe das eine oder andere Mal ein Interview gegeben, welches dem Journalisten oder den Leuten nicht gepasst hat und damit ist ein Klischee entstanden. Und aus diesem werde ich nicht mehr herauskommen. Da kann ich auch 100-mal nach der Schrift reden und schön sprechen. Aber das ist oft bei uns Wienern, da wird der Dialekt als schlecht und tief angesehen. Wenn andere Sportler im Dialekt reden, ist das cool und lässig – und wenn Fußballer dasselbe tun, dann heißt es: "Schau dir die Proleten an." Und ich habe bei den Journalisten den Ruf, immer grantig zu sein. Das bekomm ich nicht mehr los.

krone.at: Kümmert Sie das Image, das Ihnen anhaftet?
Pacult: Mein Image? Wurscht ist es mir nicht! Aber ich werde mich deswegen auch nie verstellen.

krone.at: Themenwechsel. Das Projekt Nicht-Abstieg mit Dynamo konnten Sie erfolgreich zum Abschluss bringen, voriges Jahr mit RB Leipzig lief es dann nicht so erfolgreich.
Pacult: Das ist genau das, was aus meiner Sicht nicht stimmt. Ich habe die Mannschaft 2011 übernommen und musste sie neu zusammenstellen. Wir hatten damals den Auftrag, nur ablösefreie Spieler zu holen. Das hat sich nach mir geändert, jetzt gibt es wieder Ablöse für neue Spieler. Die Beurlaubung hatte ja nichts mit dem Nicht-Aufstieg zu tun. Ich will den Erfolg ja nicht schmälern, aber beim Relegationsheimspiel gegen Lotte hat nur einer gespielt, der nicht zu meiner Zeit schon da war. Es ist also schon auch etwas hängen geblieben. Nein, was mich so ärgert, ist, dass es oft so transportiert wird, dass ich es bei Leipzig nicht geschafft habe. Ich habe 2011 zum Herrn Mateschitz gesagt, dass Leipzig spätestens 2012/2013 aufsteigen wird, weil das natürlich erst einmal zusammenwachsen muss.

krone.at: Niklas Hoheneder, Ihr ehemaliger Schützling bei Leipzig, hat vor Kurzem in einem Interview gemeint, "jetzt weiß jeder Spieler, wo er zu stehen und wohin er zu laufen hat, wohin die Passwege gehen. Da ist ein richtiges System dahinter". Sehen Sie diese Aussage als Kritik?
Pacult: Aber nein, das ist ja nicht negativ gegen mich gesprochen. Das sagen Spieler ja sowieso immer, wenn ein neuer Trainer kommt: "Wow, so hart haben wir noch nie trainiert, alles super!" (zwinkert)

krone.at: Daran anknüpfend - wenn Sie an Ihre aktive Zeit als Spieler denken, glauben Sie, dass die Spieler immer anleitungsbedürftiger werden? Dass man jetzt Dinge ansprechen muss, die früher "logisch" waren, etwa wie man sich als Verteidiger in der oder der Situation verhält?
Pacult: Es hat sich schon sehr viel geändert, die jetzige Generation ist ganz anders "unterwegs". Nur als einfaches Beispiel, auch wenn es komisch klingt: Heute können mit 20 Jahren alle schon perfekt Englisch und kennen sich mit Computern aus. Bei einem Jahrgang wie mir schaut das anders aus. Das ist eine andere Welt, die haben das alles in der Schule spielerisch mitbekommen. Dafür muss man manches, was wir früher im Fußball spielerisch mitbekommen haben, heute konkret ansprechen. Auch weil sich im Training einiges geändert hat: Früher hat man "Bewegungslehre" im dem Sinn nicht gehabt, man war den ganzen Tag im Käfig und wurde so geprägt.

krone.at: Geht's ohne die modernen Methoden und Techniken gar nicht mehr?
Pacult: Letztens habe ich ein sehr gutes Interview gelesen: Der Marco Reus sagte, dass, wenn ein Spieler nicht weiß, wo er in einer gewissen Situation hinlaufen soll, dann hat er eh nichts im Fußball zu suchen. So ungefähr. Du kannst mit einem Spieler 100-mal eine Videoanalyse machen, aber wenn er es beim Spiel dann nicht erkennt, dann hilft dir die auch nichts. Ein Jupp Heynckes etwa konnte heuer im Frühjahr der Bayern-Mannschaft sicher freie Hand lassen. Der hatte lauter gute Fußballer, die alle wussten, was sie zu tun hab Heynckes hat seine Karriere ja mehr oder weniger beendet. Sie sind jetzt 53 Jahre alt, in Österreich Meister geworden und im Ausland als Trainer mehrfach engagiert gewesen: Was haben Sie als Trainer noch für Ziele?
Pacult: Ganz einfach: Mein Ziel ist, Trainer zu bleiben - so hochklassig, so lange wie möglich.

krone.at: Sie haben in Bezug auf österreichische Medien Begriffe geprägt wie "Schweindl-Zeitung" und "Vogel-Sender". Wenn man die Medienszene in Österreich mit der in Deutschland vergleicht, gibt's da wie im Fußball einen Niveauunterschied?
Pacult: Also in Deutschland geht's schon zünftiger zu. Wir haben hier in Dresden vier große Zeitungen, in denen jeden Tag über Dynamo geschrieben wird. Und 30 Prozent nicht immer fair. Die wollen einfach Geschichten haben. Die "Österreich"-Zeitung entspricht niveaumäßig der "Bild", man braucht ja nur schauen, was es bei denen immer für einen Zirkus gibt. Aber grundsätzlich ist Deutschland medienmäßig schon noch ganz anders.

krone.at: Wie erklären Sie sich diese Austro-Trainer-Schwemme, die es derzeit in Deutschland gibt? Sie in Dresden, Peter Stöger in Köln, Walter Kogler in Erfurt, Ralph Hasenhüttl bis vor Kurzem in Aalen...
Pacult: Das ist natürlich sehr positiv. Der Peter Stöger hat mit seinem Riesenerfolg, mit dem unerwarteten Erfolg, auch für eine positive Stimmung im Ausland gesorgt. Vielleicht hat es auch damit etwas zu tun, dass das Nationalteam derzeit wirklich positive Ergebnisse liefert. Für den Peter und für den Walter, die ja nie im Ausland gespielt haben, wird dies eine neue Erfahrung sein, eine positive Erkenntnis. Der Ralph ist eh schon ein halber Deutscher – redet wie einer, schön nach der Schrift (lacht). Er hat in Aalen wirklich gut gearbeitet. Bei Peter und Walter muss man abwarten, wie sie mit dem Rundherum zurechtkommen. An der Trainingsarbeit wird sich zwar nichts ändern, aber zuschauermäßig und pressemäßig. Der Peter hat ja jetzt beim Training mehr Kiebitze, als wenn er mit der Austria gegen Mattersburg spielt – überspitzt gesagt.

krone.at: Zum Abschluss - im ersten Saisonspiel treffen Sie mit Ihrer Mannschaft auf den 1. FC Köln mit Peter Stöger. Was erwarten Sie sich von diesem Duell?
Pacult: Das ist eine schöne Sache, das muss ich schon sagen. Für den Peter, der neu im Ausland ist, und für mich, dass wir ein Heimspiel gegen ein Team haben, wo man gleich hellwach und hochkonzentriert sein muss. Dass es zusätzlich zu einem Kollegentreff kommt, ist nett und freut mich, ja. Aber ich hoffe schon, dass die Punkte in Dresden bleiben (lacht).

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