09.07.2013 11:31 |

Zeigen sich in Video

Cleveland-Opfer: "Brandneues Leben" nach "Hölle"

Die drei Opfer des Cleveland-Kidnappers Ariel Castro, die neun bis elf Jahre lang seinen Vergewaltigungen und Misshandlungen ausgesetzt waren, haben sich nun erstmals in einem Video (oben klicken; auf Englisch) an die Öffentlichkeit gewandt. Sie bedanken sich darin für die Hilfe aus der Bevölkerung und die Spenden, die ihnen ein "brandneues Leben" ermöglicht haben - auch wenn sie "durch die Hölle und zurück" gegangen sind.

Nachdem die drei Frauen auf der Straße bereits erkannt worden seien, wollten sie sich nun bei den vielen Helfern und Spendern bedanken, erklärte Anwalt James Woolney zum Video. Interviews und weitere Äußerungen werde es aber nicht geben, Privatsphäre sei den Kidnapping-Opfern sehr wichtig.

Als Erste spricht im Video Amanda Berry, 27. Sie war es, die dem Horror im Haus von Ariel Castro ein Ende setzte, als sie am 6. Mai mit ihrer durch Vergewaltigung gezeugten Tochter flüchtete, wonach auch Gina DeJesus und Michelle Knight befreit wurden. Berry war 2003 kurz vor ihrem 17. Geburtstag entführt worden.

Dank und Bitte um Privatsphäre
"Zuallererst möchte ich, dass alle wissen, wie glücklich ich bin, bei meiner Familie und meinen Freunden zu Hause zu sein", beginnt Berry ihr kurzes Statement. "Es war unglaublich. Ich möchte jedem danken, der mir und meiner Familie durch diese gesamte Tortur geholfen hat." Es sei ein Segen, so viel Liebe und Güte zu erfahren, so Berry. Sie werde jeden Tag stärker. Dass ihre Privatsphäre respektiert worden sei, habe bei der Erholung enorm geholfen - sie hoffe, dass dies auch weiterhin der Fall sein werde. Es brauche Zeit, um ein normales Leben zu führen.

Nachbarn als Hilfe für betroffene Eltern
Gina DeJesus, 23, war erst 14, als sie 2004 nur wenige Straßen von ihrem Elternhaus entfernt von Castro entführt wurde. Sie bedankt sich für die finanzielle Unterstützung durch die Bevölkerung, genau wie ihre Eltern, die ihr bei den Videoaufnahmen zur Seite standen. DeJesus' Vater dankt auch der Familie für die Hoffnung und die Stärke, dies alles mit ihnen durchzustehen. An Eltern verschwundener Kinder appelliert DeJesus' Mutter, die Anwohner um Hilfe zu bitten - ihre Nachbarn hätten sich "großartig" verhalten.

Freude über "brandneues Leben"
Als Letzte kommt Michelle Knight im Video zu Wort. Sie war 21, als sie 2002 verschwand - nach bisherigem Erkenntnisstand war sie Castros erstes Opfer. Die Polizei wurde im Fall des Mädchens mit Entwicklungsstörungen besonders kritisiert, denn er wurde schnell zu den Akten gelegt und nicht weiterverfolgt. Knight bedankt sich für "Liebe, Unterstützung und Spenden". So habe sie ein "brandneues Leben" aufbauen können. Sie wolle alle wissen lassen, dass es ihr gutgehe.

"Durch die Hölle und zurück gegangen"
Die heute 32-Jährige gibt sich im Video zudem kämpferisch: "Es mag sein, dass ich durch die Hölle und zurück gegangen bin, aber ich bin stark genug, um mit einem Lächeln im Gesicht und erhobenen Hauptes und mit meinen Beinen fest auf dem Boden durch die Hölle zu gehen." Sie werde nicht die Situation bestimmen lassen, wer sie ist, sondern sie selbst werde die Situation bestimmen, so Knight. "Ich möchte nicht von Hass aufgezehrt werden", erklärt die 32-Jährige weiter.

"Habe die Kontrolle über mein Schicksal"
Sie vertraue stattdessen auf Gott. Sein Plan sehe für sie vor, anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. "Ich habe die Kontrolle über mein eigenes Schicksal, mit der Führung Gottes", ist Knight überzeugt. Sie habe kein Problem damit, ihre Gefühle auszudrücken, und denke positiv. Man müsse lernen, dass Geben wichtiger sei als Nehmen. "Danke für all eure Gebete", so Knight abschließend. "Ich freue mich auf mein brandneues Leben."

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