„Krone“-Kolumnist und Autor Robert Schneider hat vor kurzem eine neue Entdeckung in der Tonkunst gemacht: Die schwedische Sängerin und Multiinstrumentalistin Gunhild Carling überzeugt nicht nur ihn, sondern Jazzfreunde in ganz Europa und Nordamerika.
Bis letzten Freitag dachte ich, dass mich in musikalischer Hinsicht nicht mehr so leicht etwas hinter dem Ofen hervorlocken kann. Dann stieß ich beim Stöbern im Netz auf eine Musikerin, deren stupendes Können mich schlichtweg umgehauen hat. Die Dame heißt Gunhild Carling, wurde 1975 im schwedischen Göteborg geboren, ist eine Spezialistin für den Hot Jazz und den Swing der 1920er und 1930er Jahre.
Schon ihr Vater war Jazzmusiker gewesen. Die Mutter spielte Geige und Banjo. Im zarten Alter von sieben Jahren spielte Gunhild zum ersten Mal in der Familienband „The Carling Family“. Diese Tradition hat sie beibehalten, denn zwischenzeitlich spielen ihre eigenen Kinder gemeinsam mit ihr in der Band.
Musikerfamilien gibt es wie Sand am Meer, das ist noch nichts Besonderes. Was jedoch die Carlings auszeichnet, ist ein instrumentales Allroundertum auf einem virtuosen Niveau, das mir noch nicht untergekommen ist.
So spielt Gunhild Carling selbst Trompete, Posaune, Schlagzeug, Mundharmonika, Oboe, Dudelsack, Blockflöte, Harfe, Kontrabass und Klavier – und das alles mit virtuoser Beherrschung des jeweiligen Instruments. Zudem singt sie auch noch auf vorzüglichste Weise.
Dieser Frau zuzusehen, wie sie zum Beispiel den Swing-Titel „Chattanooga Choo Choo“ des amerikanischen Komponisten und Liedtexters Mack Gordon performt, ist ein Ereignis. Unglaublich, wie sie von einem Instrument zum anderen wechselt, dann die Lyrics singt, wieder die Posaune nimmt und großartig improvisiert. Gunhild Carling ist mehr als eine Vollblutmusikerin.
Mir war die Musikerin bis jetzt völlig unbekannt. In Schweden ist „nur“ eine lokale Größe. Entdeckt wurde sie als Promi-Tänzerin in „Let’s Dance“ des Senders TV4, und als sie 2013 beim Regierungsjubiläum des schwedischen Königs auftreten durfte. Unglaublich.
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