Die Wirtschaft steht unter Druck: Hohe Lohnkosten und Fachkräftemangel stellen aktuell die größten Hürden dar. Die schlechten Prognosen wollen Unternehmen positiv nützen
Das neue Jahr hat erst begonnen und schon kommen ernüchternde Prognosen auf uns zu. Die Zahl der Insolvenzen soll heuer erneut ansteigen. Analysen prognostizieren dem Burgenland sogar bis zu 340 Unternehmenspleiten. Schon im Vorjahr gab die Anzahl der Pleiten Anlass zur Sorge. Mehr als 320 Firmen – so viele wie in keinem anderen Bundesland – meldeten Insolvenz an.
Firmenpleiten: Von Schokolade bis Sekt
Die Bekanntesten: der Schokoladenhersteller Hauswirth, die A-Nobis Sektkellerei, der Güssinger Garagentorhersteller DAS Door Systems, das Restaurant Mole West oder auch das Weingut Schiefer und Kilger. Trotz aller tristen Vorhersagen herrschte beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsbundes keine schlechte Stimmung. Zuversicht ist das Gebot der Stunde, gab Wirtschaftsbund-Obmann Peter Nemeth das Credo aus, wenngleich er erneut Kritik am Land übte, welches sich als Konkurrent gegen die Wirtschaftstreibenden stelle. Die Teuerung, hohe Zinsen und Energiekosten spielen den Unternehmen nicht gut in die Karten. Dazu kommen enorme Lohnkosten.
Den Kopf in den Sand stecken wäre ein falsches Signal, sagt aber Julia Geosics, Inhaberin des Modegeschäfts Top Moden Balaskovics in Oberwart. „Unser Blick geht positiv in die Zukunft. Die Leute schätzen auch in Zeiten, in denen immer mehr Online-Billighändler auf unseren Markt drängen, das Service vor Ort“, so Geosics.
Ständig offen für Neues sein, um auch in Zukunft zu überleben, dieses Motto lebt Tanja Stöckl, die eine Tankstelle in Mariasdorf betreibt. Verkauft wird dort nicht nur Sprit, sondern Allerhand aus der Region – von Lebensmitteln bis Kunsthandwerk – in Kooperation mit dem regionalen Handel. „Nur Benzin verkaufen wäre zu wenig, um zu überleben“, sagt die Unternehmerin ehrlich. Es gehe darum, unverwechselbar zu sein und Nischenprodukte zu platzieren. „Wir befinden uns in einer Transformation. Das Leben ist ständige Veränderung und darauf muss ich mich als Unternehmerin einlassen. Die Herausforderungen werden nicht kleiner, aber ich kann zumindest selbst gestalten“, meint Stöckl.
Gastronomie steht vor besonders großen Herausforderungen
Für viele Verbraucher heißt es wegen der hohen Kosten immer öfter: selber kochen statt Essen gehen. Diesen Trend bestätigt auch Oberwarts Stadtwirt Raimund Schmidinger. Sein großer Wunsch an die Politik: eine Senkung der Lohnnebenkosten und ein leichterer Zugang zu Krediten für Firmen. Ein Lob spricht er auch für die Politik des Landes aus. „Hätte das Land nicht so vielen Firmen geholfen, hätte es mehr Pleiten gegeben.“
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