22.04.2013 16:21 |

10 Insassen betroffen

Heli-Notlandung in Taliban-Gebiet: Besatzung vermisst

Nach der Notlandung ihres Hubschraubers in einem von den Taliban beherrschten Landstrich Afghanistans sind die Insassen verschwunden. Die Behörden befürchten eine Entführung durch die radikalen Islamisten. Passagiere und Besatzung des zivilen Hubschraubers - laut unterschiedlichen Angaben bis zu zehn Personen, mehrheitlich Türken - seien am Leben, teilte das türkische Außenministerium Montagmittag mit. Kurz darauf erklärten die Taliban, dass die Crew in ihrer Hand sei.

Der Pilot habe sich am Sonntagabend wegen schlechten Wetters zur Notlandung im Distrikt Asr im Osten des Landes entschlossen, sagte der Polizeichef der südlich der Hauptstadt Kabul gelegenen Provinz Logar. Sicherheitskräfte hätten daraufhin den Hubschrauber leer gefunden. Laut dem Polizeichef seien die Insassen "von den Taliban mitgenommen worden".

Der Bezirkschef von Asr erklärte, der Helikopter sei auf dem Weg von der Stadt Khost im Osten des Landes nach Kabul gewesen. Laut dem Außenministerium in Ankara gehöre der Helikopter der privaten afghanischen Firma Khorasan Cargo Airlines. Die Gesellschaft verfüge über Hubschrauber der russischen Typen Mi-8 und Mi-17 sowie mehrere Flugzeuge. Sie biete Fracht-, Truppen- und Krankentransporte an.

Taliban: Geiseln "in die sicherste Gegend" gebracht
Am Nachmittag tauchte eine E-Mail der Taliban auf, in der die Islamisten behaupteten, sie hätten die Ausländer in ihrer Gewalt. Der Hubschrauber sei in Brand gesteckt, die Geiseln in die "sicherste Gegend des Landes" gebracht worden. Laut Taliban handelt es sich bei der Besatzung um neun US-Amerikaner in Armeeuniform und ihre beiden Dolmetscher - eine Darstellung, die von offizieller Seite nicht bestätigt wurde.

Einheitliche Informationen über Zahl und Herkunft der Verschleppten gab es nicht. Ein Sprecher der Charterfirma gab an, an Bord des Unglückshubschraubers seien sieben türkische Passagiere, ein russischer Pilot, ein russischer Flugingenieur und ein afghanischer Copilot gewesen. Laut der örtlichen Provinzregierung seien dagegen neben den sieben Türken zwei Ukrainer und ein afghanischer Übersetzer betroffen. In ersten Meldungen war von neun türkischen Opfern die Rede gewesen.

NATO-Truppen nicht betroffen
Das afghanische Innenministerium erklärte, ein Team von Polizisten sei in die Region geschickt worden. Die NATO-geführte ISAF-Truppe teilte mit, von dem Vorfall seien keine ISAF-Kräfte betroffen, es handle sich um einen zivilen Hubschrauber.

Entführungen von Ausländern stehen in Afghanistan auf der Tagesordnung, insbesondere in den von den Taliban beherrschten Gebieten. Erst Anfang April waren zwei für Hilfsorganisationen tätige Franzosen, die Monate zuvor unabhängig voneinander verschleppt worden waren, wieder freigekommen (siehe Infobox).

Taliban hacken "Kollaborateuren" Gliedmaßen ab
Doch auch Afghanen, die verdächtigt werden, mit den NATO-Truppen zusammenzuarbeiten, leben gefährlich: Wie am Sonntag bekannt wurde, sollen Taliban-Kämpfer zwei Männern wegen ihrer Verbindung zu den internationalen Einheiten jeweils eine Hand und ein Bein abgehackt haben. Die Attacken seien am Samstag passiert, die Opfer seien ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte ein Polizeisprecher der Provinz Herat. Die Männer hätten für ein Unternehmen gearbeitet, das den NATO-Truppen logistische Unterstützung liefere.

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