Adolf Hitler missbrauchte die Olympischen Spiele, die 1936 in Berlin stattfanden, für die NS-Propaganda. Für die perfekte Inszenierung sorgte Leni Riefenstahls Kinofilm „Olympia“. Das ästhetische Meisterwerk sollte den Ruf der NS-Diktatur aufpolieren.
Es war eine Dokumentation, ganz im Sinn des Auftraggebers. Stählerne deutsche Athleten, deren Kraft, Erfolg und Siegerwillen genau im richtigen Moment einen dramaturgischen Bezug zum applaudierenden Führer erhielten. Makellose Turnerinnen, die dem nationalsozialistischen Körperkult huldigten. Und gleich zu Beginn ein Rückgriff auf das antike Athen, um das „Dritte Reich“ als Nachfolger der Antike zu verherrlichen. Adolf Hitler war begeistert und Joseph Goebbels „hingerissen von der Wucht, der Tiefe und Schönheit“ des Werks.
Die Rede ist von „Olympia“, jener Kinofilm, mit dem die Olympischen Sommerspiele von 1936, die in Berlin stattfanden, propagandistisch verwertet wurden. Realisiert hatte dieses Meisterstück der NS-Propaganda eine Frau, die zu den außergewöhnlichsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte zählt: Leni Riefenstahl.
Die damals 34-jährige Regisseurin – eine ehemalige Tänzerin und Schauspielerin – schuf ein ästhetisches Meisterwerk und schrieb damit Filmgeschichte. Riefenstahl selbst sah bereits beim Dreh mit den Olympioniken voraus, dass ihr Film neue Maßstäbe setzen würde: „Das werden Bilder!“, schwärmte Hitlers Lieblingsregisseurin.
Riefenstahl zeigte Bilder und Aufnahmetechniken, die man nie zuvor gesehen hatte und setzte Maßstäbe für die moderne Filmästhetik. Hollywood-Regisseur George Lucas, der Star Wars-Vater, nannte Riefenstahl gar die „modernste Filmemacherin überhaupt“. Darüber hinaus wurde Olympia 1956 von einer Hollywood-Jury zu einem der „zehn besten Filme aller Zeiten“ gekürt.
Doch ein realistisches Abbild der umstrittenen Olympischen Spiele zeigte Riefenstahls künstlerisch hochgelobter Film nicht – dafür hatte das NS-Regime Gelegenheit, sich weltweit in Weichzeichnerästhetik zu präsentieren. Die Zuseher in Europa und Amerika erfuhren weder etwas von den ersten Gesetzen, die Hitler zur Diskriminierung von Juden erlassen hatte, noch davon, dass jüdische Sportler durch Manipulation der Ergebnisse nicht die nötige Qualifikation für die Olympiade schafften.
Man gab sich sauber: Judenfeindliche Schilder wurden für die Dauer der Spiele abgehängt, der Verkauf des antisemitischen Hetzblattes Stürmer wurde ausgesetzt, solange die Welt zu Besuch in Berlin war. Die olympischen Spiele fanden auch nur deshalb 1936 in Berlin statt, weil Deutschland bereits 1931, also vor Hitlers Machtergreifung, als Austragungsort ausgewählt worden war.
Trotz internationalem Druck, vor allem vonseiten der USA, wurde an den Spielen im NS-Reich festgehalten. Allerdings unter der Bedingung, dass sie für alle Nationen frei zugänglich sein mussten, Juden nicht von Wettbewerben ausgeschlossen wurden und die Olympischen Spiele nicht zur nationalsozialistischen Propaganda missbraucht werden durften.
Alle Aufrufe zum Boykott der Spiele in Berlin waren ergebnislos geblieben. Und an die Bedingungen hielt sich das NS-Regime auch nicht, wenn es auch nicht demonstrativ gegen sie verstieß. Man ging subtil vor: Siege von deutschen Sportlern wurden geschickt in Zusammenhang mit der NS-Ideologie gebracht und rassistische Untertöne in sportliche Überlegenheitsthesen gepackt. Dass allerdings ausgerechnet der farbige US-amerikanische Ausnahmeleichtathlet Jesse Owens zum Star der Spiele wurde, störte die Herrenmenschen-Fantasien des Führers.
Für Adolf Hitler waren die olympischen Sommerspiele von 1936 ein voller Propagandaerfolg. Und Leni Riefenstahls Olympia-Film, der am 20. April 1938, an Hitlers 49. Geburtstag, Premiere hatte und international gezeigt wurde, war auch noch finanziell ein Riesenerfolg für die NS-Machthaber. Die Hitler-Sequenzen des Films mit ihren bildlichen Überhöhungen des „Führers“ wurden trotz Protesten international gezeigt – der Werbewert für den „größten Führer aller Zeiten“ war unbezahlbar.
Leni Riefenstahl, die 1949 zur „Mitläuferin“ des Naziregimes erklärt wurde, sagte später, sie sei einfach von Hitler fasziniert gewesen, ohne dessen dunkle Seite gesehen zu haben, so wie viele andere Deutsche auch. Doch die Rolle der verführten Künstlerin passt auf Leni Riefenstahl, die 2003 im Alter von 101 Jahren starb, nicht. Sie kannte die Mechanismen der Macht innerhalb des engsten Zirkels um Adolf Hitler und verstand es perfekt, der NSDAP immer wieder riesige Summen für ihre Projekte zu entlocken. Leni Riefenstahl hatte sich mit dem NS-System arrangiert und für ihre einstigen Auftraggeber mit Olympia ein Meisterwerk der NS-Propaganda hinterlassen.

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