Ein Bild lässt mich seit Tagen nicht los. Das Foto einer iranischen Studentin. Sie ging, nur in Unterwäsche bekleidet, auf dem Gelände ihrer Universität auf und ab. Sittenwächter hatten sie zuvor aufgefordert, ihren Hidschab korrekt zu tragen. Aus Protest legte sie ihn ab und zog sich bis auf Unterhose und BH aus. Ihr weiteres Schicksal ist ungewiss.
Warum mich Ahoo Daryaeis Verzweiflungstat so berührt, hat nicht nur mit der Situation iranischer Frauen zu tun. Diese Tat macht mir wieder einmal bewusst, wie wenig Einfluss wir selbst in Österreich auf streng religiöse Familien haben.
Die neunjährige Esma lebt erst seit Kurzem hier. Sie trägt einen schwarzen Hidschab. Ein Kopftuchverbot an Schulen wurde ja bekanntlich vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Manchmal lerne ich mit ihr in der Kleingruppe Deutsch. Esma lernt schnell. So hat sie unlängst bei einem Spiel gewonnen. Das Mädchen jubelte und riss sich dabei das Kopftuch herunter.
Stille im Raum. Zugegeben, kurz war selbst ich erschrocken. Daraufhin habe ich ebenso gestrahlt wie Esma und gemeint: „Du musst es nicht tragen.“ Antwort: „Mama sagt doch.“ Bevor wir den Raum verlassen haben, setzte sie es wieder auf. Vielleicht ein Einzelfall, doch diese Einzelfälle werden mehr.
Die Republik Iran ist weit entfernt. Islamische Sittenwächter in Familien sind hingegen nah. Sie nötigen selbst Neunjährige, sich zu verhüllen. Der Staat Österreich sollte diese Mädchen schützen, bevor sie sich fügen oder verzweifeln.
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