01.03.2013 10:51 |

"Er ist ein Wunder"

Super-Oldie Giggs bestreitet 1.000. Match als Profi

Die meisten Fußballer sind mit 39 Jahren längst in Pension oder in exotischen Gefilden unterwegs. Ryan Giggs kickt hingegen nach wie vor für Manchester United. "Giggsy ist ein körperliches Wunder", sagte der 71-jährige United-Langzeittrainer Alex Ferguson, der selbst eines Jungbrunnens bezichtigt wird. Am Samstag steht der Waliser Giggs ab 16 Uhr daheim gegen Norwich City vor seinem 1.000. Spiel als Profi. Rechtzeitig davor verlängerte Giggs bei ManU um ein weiteres Jahr bis 2014.

Als der ManUnited-Veteran jüngst in der Champions League gegen Real Madrid eingewechselt wurde, erhoben sich die spanischen Fans im Santiago-Bernabeu-Stadion für ihn. Die "Königlichen" machten eine Verbeugung vor Giggs. "Das hat mich überrascht", sagte das fußballspielende Phänomen und scherzte: "Ich sollte hier öfter spielen."

Mit 14 vom Erzrivalen abgeworben
Als Giggs am 3. März 1991 - also vor 22 Jahren - sein Debüt für United gab, da war sein jetziger Mannschaftskollege Phil Jones noch gar nicht geboren. Danny Welbeck und Keeper David De Gea waren gerade einmal drei Monate alt. Begonnen hatte die einzigartige Verbindung zwischen ManUnited und Giggs an seinem 14. Geburtstag: Da fuhr Ferguson mit seinem riesigen Mercedes vor dem Haus der Familie Giggs vor und warb das Talent aus der Manchester-City-Fußballschule ab.

Gute Gene und täglich Yoga
Ein Vierteljahrhundert später ist der elegante Mittelfeldspieler immer noch ein "Red Devil" und erklärt seine ewige Jugend mit guten Genen und dem täglichen Yoga-Programm. Er spielt seine 23. Saison und erzielte in jeder der Spielzeiten mindestens ein Tor. Als Giggs am Samstag bei den Queens Park Rangers traf, fiel Ferguson ein, dass Giggs an der Loftus Road schon einmal ein Traumtor geschossen hat - "vor 30 Jahren oder so".

United-Anhänger drücken ihre Verehrung für den "Welsh Wizard" (Walisischen Zauberer) bizarr aus, mit Brusthaar-Toupets im Old Trafford - in Anlehnung an Giggs' Brustbehaarung. 2011 wählten Fans ihn zum besten Spieler der Klubgeschichte. Nicht George Best, Eric Cantona, Cristiano Ronaldo, Bobby Charlton oder Roy Keane, sondern Giggs, der nie eine Rote Karte bekam und über den Gegenspieler klagten, er sei so leichtfüßig, dass man ihn nicht kommen höre.

13-facher englischer Meister
Giggs ist der britische Titelrekordsammler, im Mai dürfte er bereits zum 13. Mal englischer Meister werden. Dazu kommen zwei Champions-League-Triumphe und vier FA-Cup-Siege. Der Linksfuß brach 2008 Bobby Charltons Rekord von 758 United-Partien, wurde 2009 Englands "Fußballer des Jahres" und "Sportler des Jahres" in Großbritannien. Seinen einzigen Makel - dass er als Waliser nie ein großes Turnier gespielt hat - legte Giggs ab, als er bei Olympia in London 2012 die britische Auswahl als Kapitän aufs Feld führte.

Affäre mit der Schwägerin
Giggs ist für seine eiserne Disziplin bekannt und meidet als "Anti-Beckham" die Partywelt, obwohl er in den 90ern als erster "Posterboy" der Premier League galt. Ein Leben im Flutlicht, nicht im Rampenlicht. Das Saubermann-Image bekam allerdings Kratzer, als 2011 aufflog, dass er während seiner Ehe Affären mit einem "Big-Brother"-TV-Sternchen und seiner Schwägerin unterhielt.

Und nach der Profikarriere? Dann nimmt er vielleicht weitere Yoga-DVDs auf. Ferguson könnte sich den Mittelfeldstrategen auch wunderbar als seinen Nachfolger vorstellen. Eine Statue vor Old Trafford scheint nur noch Formsache, auch wenn Giggs selbst bei dem Gedanken daran erschaudert: "Eine Statue? Ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll...". Als George Best einst den blutjungen Giggs sah, gab er bereits zu Protokoll: "Eines Tages werden sie vielleicht sogar sagen, ich war so eine Art Ryan Giggs."

Auch Scharner und Pogatetz am Samstag im Einsatz
Am Samstag sind in der 28. Runde der Premier League auch zwei Österreicher-Klubs im Einsatz: Paul Scharner empfängt mit Wigan Liverpool (18.30 Uhr), Emanuel Pogatetz ist mit West Ham bei Stoke zu Gast (16 Uhr). Erst am Montag spielt Andreas Weimann mit Aston Villa daheim gegen Meister Manchester City (21 Uhr).

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