"Peinliche Ausrede"

Leitgeb wegen Fed-Cup-Absage von Paszek stinksauer

Sport
05.02.2013 10:04
Nur wenige Tage nach Österreichs Herren im Davis Cup in Kasachstan sind auch die ÖTV-Damen ab Mittwoch in Israel im Einsatz. Wieder einmal fehlt dem Fed-Cup-Team allerdings seine Nummer 1: Tamira Paszek hat ihre Teilnahme für dieses Jahr abgesagt – und das nicht zum ersten Mal. Zum großen Ärger von ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb.

Diesmal sorgt ihr Nein in der österreichischen Tennisszene aber für Kopfschütteln und Unverständnis. Vor etwas mehr als einem halben Jahr hatte der Internationale Tennisverband der damals in guter Form befindlichen 22-jährigen Vorarlbergerin den Start bei den Olympischen Spielen in London verwehrt. Grund dafür waren zu wenige Fed-Cup-Teilnahmen für Österreich in einem gewissen Zeitraum. Erst nach Intervention durch ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb sowie einer schriftlichen Stellungnahme durch Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber ließ sich die ITF umstimmen, Paszek konnte in Wimbledon im Zeichen der Fünf Ringe antreten – und schied gleich in der ersten Runde aus.

"Sie hat das mit einer peinlichen Ausrede wieder verweigert"
Kennt man diese Vorgeschichte, kann man den Ärger verstehen, dem Leitgeb am Montag freien Lauf ließ. "Der Fed Cup in dieser Woche ist eigentlich geprägt von der Enttäuschung des Tennisverbandes, aber auch meiner persönlichen Enttäuschung. Tamira hat uns letztes Jahr fix zugesagt, dass sie in den nächsten Jahren helfen wird, damit Österreich aus der zweiten Division rauskommt", erzählte der ÖTV-Boss noch in Astana. "Sie hat das mit einer eher peinlichen Ausrede heuer wieder verweigert - und am Ende des Tages muss ich den Schluss daraus ziehen, dass ihr das nationale Wohlergehen nicht sehr viel bedeutet."

Paszek hatte ihre Absage damit begründet, dass ein Turnier nach dem anderen stattfinde. "Ich will gesund bleiben und mich auf die nächsten Sachen konzentrieren. Es war auch die Entscheidung meines Trainers", sagte Paszek in Melbourne. Den Wunsch des Trainers als Begründung vorzuschieben, hält Leitgeb für wenig glaubhaft. "Sie ist eine junge Dame, sie ist volljährig, und ich glaube, sie weiß schon, was sie tut."

"Das ist das Schlimmste, was man tun kann"
Leitgeb, der Ende 2012 auch von seiner Managertätigkeit für die Dornbirnerin entbunden worden war, betonte, dass seine persönliche Befindlichkeit nicht im Vordergrund stehe. "Für mich ist die ganz große Enttäuschung, dass wir letztes Jahr in Melbourne mit dem ganzen Team zusammengesessen sind und Tamira dort explizit - auch auf Nachfrage ihrer Teamkolleginnen - gesagt hat, es gehe ihr nicht nur darum, jetzt wegen Olympia zu spielen, sondern sie möchte helfen, dass Österreich zumindest wieder in die Zwischenrunde kommt. Ich glaube, das ist das Schlimmste, was man tun kann, die Teamkameradinnen so im Stich zu lassen."

Der Weg zurück ins Fed-Cup-Team wird der aktuellen Nummer 29 der WTA-Weltrangliste in Zukunft dennoch nicht verwehrt bleiben: "Sie wird, wenn ihre sportliche Leistung in Ordnung ist, vom Kapitän ganz normal einberufen werden. Was sie selbst daraus macht, ist ihre Entscheidung, aber wir haben wieder ein Jahr verloren", ärgerte sich Leitgeb.

Derzeit wird laut Leitgeb übrigens in der ITF eine Modusänderung diskutiert, wonach die Weltgruppe I und II wieder – wie im Davis Cup – zu einer Weltgruppe mit 16 Teams verschmolzen werden soll. Dadurch soll der Aufstiegsmodus vereinfacht und es wieder etwas leichter werden, den Sprung nach oben zu schaffen.

Leitgeb hofft, dass sich die zweifache Wimbledon-Viertelfinalistin in Zukunft für den Fed Cup entscheidet. "Wenn es einem eine Herzenssache ist, dann kann man auch einmal eine Turnierwoche seinem eigenen Land opfern."

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