„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich mit dem Strafstoß beim Fußball genauer beschäftigt. Und hat dabei herausgefunden, dass weder der Elferpunkt ein Punkt ist, noch dass der Abstand bis zur Torlinie genau elf Meter ausmachen muss.
Sofern man kein Fan des FC Kryvbas Kryvyi Rih ist oder die Nächte in Bettwäsche von Jagiellonia Bialystok verbringt, bekommt man eher nicht mit, dass längst die Playoffs zu den drei europäischen Bewerben laufen. Verstehen muss man deren Reglement nicht, Hauptsache man kapiert, dass es künftig schon wieder deutlich mehr Spiele geben wird, egal ob in Champions, Europa oder Conference League. Es braucht also schon besondere Ereignisse, um eines dieser Matches in die sportlichen Top News zu bringen. So geschehen letzten Donnerstag, als sich Ajax Amsterdam in der dritten Quali-Runde zu den Playoffs einen Elfmeterkrimi mit Panathinaikos Athen lieferte und nach 34 getretenen Strafstößen mit einem Score von 13:12 das bessere Ende für sich hatte.
Für einen UEFA-Bewerb stellt dies tatsächlich einen Rekord dar, allerdings sind 34 Versuche vom Punkt nahezu lächerlich gegen deren 56, die es im vergangenen Mai gebraucht hat, bis sich der SC Dimona mit 23:22 gegen Shimshon Tel Aviv durchsetzen konnte und so ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die zweite israelische Liga erzwang. Hinter all diesen Rekordmeldungen verbirgt sich allerdings ein veritabler Skandal, denn zum einen ist der ominöse Punkt gar kein Punkt, also „ein gedachtes geometrisches Gebilde mit bestimmter Lage und ohne Ausdehnung“, sondern ein gefüllter Kreis und zum anderen ist er mitnichten elf Meter vom Eckigen entfernt, sondern 10,973 Meter. So wurde es 1891 in Irland festgelegt und gilt bis heute, auch wenn ein knauseriger Berner Platzwart 2006 im Stade de Suisse die Strafstoßmarkierung bei gerade mal zehn Metern gesetzt hatte, was erst nach sechs ausgetragenen Partien ruchbar wurde.
Offenbar hat der anonym gebliebene Herr nicht, wie sich das eigentlich gehören würde, den 5,4864 Meter vor der Torauslinie endenden Torraum gedanklich über das unmarkierte Fußballfeld parallel zur Seitenlinie bis zur Strafraumgrenze bei 16,459 Metern verlängert, danach zwei Diagonalen zur jeweils anderen Ecke des Torraums gezogen und dann den Punkt, an dem sich die beiden Diagonalen treffen, als Strafstoßmarkierung definiert. Na ja, sei’s drum, in den gefühlt 2.000 Spielen, die es brauchen wird, um die künftigen Sieger der drei europäischen Wettbewerbe zu ermitteln, wird es sicherlich noch das eine oder andere 10,973 Meter-Schießen geben. Hoffen wir, dass die Platzwarte in Geometrie brav aufgepasst haben, damit die Referees auch künftig entschieden und mit strenger Miene bedenkenlos auf den ominösen gefüllten Kreis zeigen können.
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