Österreich gerät beim Wirtschaftswachstum immer mehr aufs Abstellgleis: Laut der jüngsten Prognose des Instituts für Höhere Studien (IHS) dürfte das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2024 und 2028 jährlich im Durchschnitt nur um ein Prozent steigen. Weltweit ist das BIP-Plus hingegen dreimal so hoch.
Zum Vergleich: In China dürfte das Wirtschaftswachstum heuer und in den darauffolgenden vier Jahren bei vier Prozent liegen, in Rumänien bei 3,4 Prozent und in Polen bei drei Prozent (siehe Grafik).
Österreich findet sich hingegen am unteren Ende der Rangliste. Weniger Wirtschaftswachstum haben in diesem Vergleich nur Deutschland mit 0,9 Prozent und Japan mit 0,7 Prozent. Österreich wird, so IHS-Chef Holger Bonin, wohl auch in den nächsten Jahren „nicht den Wachstumsturbo zünden“.
Hauptgrund, warum wir zurückfallen, ist die anhaltende Investitionsschwäche der österreichischen Unternehmen, was sowohl Folge als auch Ursache für die schwache Konjunktur ist. Die Betriebe stehen beim Investieren wegen der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten auf der Bremse. Besonders schwach sind bei uns die Bau-Investitionen.
Von einem „normalen“ Wachstum sind wir jedenfalls weit entfernt: Im Vergleichszeitraum 2014 bis 2018 – also vor Corona-Pandemie, Inflationsschock und Ukraine-Krieg – lag das jährliche BIP-Plus noch bei 1,7 Prozent. Bonin zufolge liegen wir allerdings auf absehbare Zeit sowohl hinter dem EU-Schnitt als auch hinter der Entwicklung der Weltwirtschaft zurück.
Den Menschen bleibt dank der KV-Erhöhungen endlich mehr im Börsel
Getragen wird das Wirtschaftswachstum immerhin noch vom privaten Konsum: Die Menschen im Inland geben wieder mehr aus, weil die Löhne nach den KV-Verhandlungen gestiegen sind. Dabei kommt der Bevölkerung die Anhebung der Steuerstufen zu Gute. Durch die teilweise Abschaffung der kalten Progression bleibt auch netto mehr im Börsel.
Außerdem geht die Inflation endlich zurück und nähert sich dem Zielwert von zwei Prozent an: 2028 wird sie laut IHS bei 2,2 Prozent liegen. Etwas besser sind auch die Aussichten für den Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote dürfte von 6,9 Prozent im laufenden Jahr auf 5,8 Prozent im Jahr 2028 zurückgehen.
Entwicklung der öffentlichen Haushalte gibt „Anlass zur Sorge“
„Anlass zur Sorge gibt die Entwicklung der öffentlichen Haushalte“, sagt Bonin. Um die Inflation auszugleichen, sei die Regierung zu oft mit der Gießkanne vorgegangen und habe „nicht immer zielgenau Geld ausgegeben. Viel davon war nicht solide gegenfinanziert.“
Die Folge: „Heuer kratzt Österreich mit drei Prozent an der Defizit-Obergrenze und daran dürfte sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Allerdings müsste sich etwas ändern, denn Österreich droht ein blauer Brief aus Brüssel“, warnt der Wirtschaftsforscher.
Die Abwärtsrisiken für die österreichische Wirtschaft nehmen zu
Noch dazu gebe es für Österreich derzeit mehr Abwärtsrisiken wie eine weitere Exkalation des Ukraine-Krieges oder Handelskriege der EU mit China. Bonin: „Jeder dieser Faktoren kann den Welthandel belasten und zu einer weiteren Verteuerung von Energie führen.“
Der Politik empfiehlt der Wirtschaftsforscher, „den Wachstumsturbo zu zünden oder zumindest ein paar Gänge hochzuschalten“. Wichtig seien drei Maßnahmen, die aber alle nicht populär sind:
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