„Ist echte Arbeit“

AK: Teilzeit-Diskussionen zeugen von „Unkenntnis“

Österreich
20.02.2026 14:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Arbeiterkammer (AK) hat dem Vorwurf der „Lifestyle-Teilzeit“ eine Abfuhr erteilt: Viele Menschen seien weder arbeitsscheu noch faul, ihnen bleibe laut Auswertungen einfach keine andere Wahl, so AK-Präsidentin Renate Anderl am Freitag. Die Diskussionen seien von „Unkenntnis und Respektlosigkeit“ geprägt.

Neben Betreuungspflichten sind etwa Ausbildung, Überlastung, ein Zweitjob oder ein fehlendes Vollzeit-Angebot die wesentlichsten Gründe für Teilzeit, pflichtete ihr Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr bei. Beide stützten ihre Aussagen auf eine Wifo-Auswertung auf Basis des Mikrozensus 2024 der Statistik Austria. 

Hierzulande arbeitet jede zweite Frau, aber nur jeder achte Mann Teilzeit. Bei Personen bis 30 Jahre ist vor allem die Ausbildung der wesentliche Grund, nicht Vollzeit zu arbeiten. So arbeiten 36,2 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer Teilzeit.

Kluft deutlich größer in höheren Altersgruppen
Bei den 30- bis 49-Jährigen wird der Unterschied deutlich größer: Mehr als jede zweite Frau, aber nur jeder zehnte Mann arbeitet nicht die volle Stundenanzahl. Hier ist die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen der wesentlichste Grund für einen Teilzeitjob. Wobei nur 16,6 Prozent der Männer Betreuungspflichten als Argument anführen.

Bei Kindern unter 15 Jahren wird Teilzeit für Frauen fast zum Regelfall (79,5 Prozent), während die Teilzeitquote der Männer auf knapp acht Prozent sinkt. Sind die Kinder älter als 15 Jahre, sinkt die Teilzeit-Quote bei den Frauen auf 60 Prozent, bei den Männern bleibt sie bei rund acht Prozent. Der Anteil der Frauen, die Betreuungspflichten als Grund für die Teilzeit angeben, ist in Österreich dreimal höher als im EU-27-Durchschnitt.

Viele Frauen, die keine Betreuungspflichten haben, stehen nicht vor der Alternative Voll- oder Teilzeit. Viel mehr ist die Teilzeit der einzige Weg in den Arbeitsmarkt – vor allem für Migrantinnen, geht aus der Auswertung hervor. Die Diskussionen über Arbeitsmodelle seien laut Anderl häufig von „Unkenntnis und Respektlosigkeit“ geprägt: „Teilzeit ist echte Arbeit und verdient mehr Respekt – in Form von fairen und gesunden Arbeitsbedingungen.“

„In den vergangenen Wochen und Monaten wurde viel über Teilzeit geredet, nicht nur bei uns, sondern auch in Deutschland. Teilweise von Unkenntnis und Respektlosigkeit geprägt", sagt #AK Chefin @renateanderl.bsky.social. #PK

— @Arbeiterkammer (@arbeiterkammer.at) 20. Februar 2026 um 10:17

Vollzeit-Modell zunehmend unattraktiv?
Aber auch die Angabe „will keine Vollzeit“ sei zu hinterfragen, merkte die AK an. Ein Grund dafür sei die hohe Arbeitsbelastung, etwa im Pflegebereich. Oft fehle es schlicht an der Möglichkeit, die volle Stundenzahl zu arbeiten.

Das zeige sich etwa im Handel oder bei der Reinigung. Weiters sind Nebentätigkeiten oft ein Grund, nicht Vollzeit zu arbeiten. So haben 8,7 Prozent der Teilzeit-Beschäftigten einen Nebenjob – bei den Vollzeit-Beschäftigten sind es 4,3 Prozent.

Das Liniendiagramm zeigt die Entwicklung der Anzahl der Tage, die Frauen in Österreich statistisch gesehen unbezahlt arbeiten, um das gleiche Jahresgehalt wie Männer zu erreichen. Im Jahr 2010 lag der Wert bei 102 Tagen, 2016 bei 57 Tagen und 2024 bei 42 Tagen. Der Trend zeigt eine Abnahme. Quelle: equal-pay-day.at.

Flächendeckende Kinderbetreuung fehlt
Am Arbeitswillen mangelt es nicht unbedingt: „Rund 170.000 Teilzeitbeschäftigte in Österreich möchten ihre Arbeitszeit um durchschnittlich zwölf Stunden pro Woche ausweiten – dieses Potenzial gilt es besser zu nutzen“, sagte Felbermayr.

„Dafür braucht es vor allem eine flächendeckende, leistbare Kinderbetreuung, den Ausbau von Pflegeangeboten sowie faire Karrierechancen und Arbeitsbedingungen für Teilzeitkräfte. Insbesondere bei jenen unter der Geringfügigkeitsgrenze müssten wir über eine Verbesserung der Anreize im Steuersystem nachdenken“, ergänzte der Ökonom.

Für die AK-Präsidentin bedarf es mehrerer Maßnahmen, um den Anteil der Teilzeit-Arbeit zu reduzieren. „Teilzeitbeschäftigte arbeiten nicht weniger, weil sie faul sind oder aus Spaß, sondern, weil sie an ihre Grenzen stoßen“, sagte Anderl.

Überstunden sollen Aufstockung bewirken
Teilzeitbeschäftigte sollten nicht mehr als billige Flexibilitätsreserve genutzt werden, so die Position der AK. Mehrarbeit müsse ab der ersten Stunde bezahlt werden – mit gleichen Zuschlägen wie Überstunden. Der Zuschlag müsse auf 50 Prozent angehoben werden.

Geht es nach der Arbeiterkammer, soll es nach drei Monaten mit Mehrarbeit ein Recht auf Stundenaufstockung geben. Weiters wird ein moderneres Arbeitszeitrecht gefordert. Die AK beruft sich auf Studien, wonach eine gesunde Vollzeit bei einer 30- bis 35-Stunden-Woche liege.

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