Wahnsinn Amerika. Das Gesicht des Ex-Präsidenten, der um seine Wiederwahl kämpft, blutüberströmt. Er reckt – im Hintergrund die wehende US-Fahne – die Faust in den Himmel: Das unmittelbar nach dem Attentat auf Donald Trump entstandene Foto ist vermutlich unschlagbarer Favorit auf das Bild des Jahres. Getoppt werden kann es wohl nur von Donald Trump selbst: Wenn er, was nach dem überstandenen Anschlag noch wahrscheinlicher als schon zuvor ist, im November wieder zum US-Präsidenten gewählt wird. Warum noch wahrscheinlicher? Weil das, wie Trump auf dieses Attentat reagiert hat, die hochgestreckte Faust, ein „Kämpft! Kämpft!“ auf den Lippen, „das könnten gestern die entscheidenden Sekunden, die entscheidenden Zentimeter der jüngeren politischen Geschichte der USA gewesen sein“, schreibt heute „Krone“-Außenpolitik-Doyen Kurt Seinitz. Es habe „etwas von Siegesgewalt, von Heldentum im amerikanischen Selbstverständnis“. Trump sei auf dem Weg zur Ikone, zum American Hero. Seinitz erinnert an Präsident Ronald Reagan, der nach einem Attentat einen Rekordsieg einfuhr. Unser Autor verweist freilich auch darauf, dass die US-Politik heute eine „einzige Hassmaschine“ ist. Und das ist das besonders Erschreckende. Seinitz meint: „Wir werden den Wahnsinn Amerika wohl nie verstehen können. Und hoffen, dass der Wahnsinn nicht auch zu uns kommt.“ Ja, das müssen wir hoffen, aber vieles von dem Hass, der in den USA seit Jahren um sich greift, hat längst auch Europa und damit Österreich erreicht.
Wahnsinn Spanien. In den Tagen vor dem Finale der Fußball-EURO 2024 in Deutschland kursierte eine Grafik in den sozialen Netzwerken: Wen die einzelnen Länder beim Finale zwischen England und Spanien unterstützen werden. All jene Länder, in denen eine Mehrheit Spanien unterstützt, in Rot-Gelb, den Farben der spanischen Flagge gefärbt. Jene aufseiten der Engländer in Weiß-Rot, der Flaggenfarbe Englands. Was kam heraus? Ganz Europa Rot-Gelb – mit einer einzigen Lücke: England selbst. Ganz so eindeutig wie in dieser Schmäh-Grafik wird das Bild wohl nicht sein, aber es wird schon stimmen, dass sich die englische Nationalmannschaft nicht gerade über den Zuspruch einer Mehrheit der Europäer erfreut. Während in der ersten Halbzeit des Finales in Berlin keine der beiden Mannschaften die Herzen der Fußball-Interessierten erobern konnte, schlugen die Herzen der Spanien-Fans schon zu Beginn der zweiten Halbzeit höher: 1:0 durch die beiden Jungstars Williams und Yamal. Spanien schon Sieger? Nein, England glich aus, ehe die Iberer, die beste Mannschaft dieses Turniers, als es in Berlin schon nach Verlängerung roch, in der 87. Minute für das 2:1 sorgten. Wahnsinn Spanien – zum vierten Mal Europameister. Die Spanier dürfen sich freuen, ein Großteil Europas freut sich mit.
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