Mei-Ann Chen dirigierte in der Grazer List-Halle das Styriarte Youth Orchestra durch Antonín Dvořáks 9. Symphonie „Aus der Neuen Welt“ in Kostümen und mit viel Tamtam.
Knittrige Leinenschürzen, Kappen, Gilets: Dieses Orchester sieht aus, als hätte es gerade die Immigrationsschleusen auf Ellis Island passiert. Antonín Dvořáks Reise nach Amerika war sicher luxuriöser als die Kostüme vermuten lassen, aber immerhin war das jenes New York, das er in den 1890er-Jahren vorfand, bevor er seine „Neue Welt“ komponierte.
Unter Mei-Ann Chen das Styriarte Youth Orchestra nicht nur Dvořáks Meisterwerk, sondern macht es erlebbar. Vorab gibt sie einen Ausblick in die Zukunft der amerikanischen Musik: Florence Princes – eine der ersten Komponistinnen of Colour – „Dances in the Canebreaks“ klingt raffiniert jazzig und fast schon wie ein Musical.
Junge Solisten brillieren
Auch Dvořáks Symphonie selbst stellt man in den Kontext ihrer Inspirationsquellen: Nach dem ersten Satz, in dem die jungen Solistinnen und Solisten brillieren, erfüllt Aaron Pendeltons Bass mit einem afroamerikanischen Spiritual die Halle – ein berührender Moment, der den Übergang ins Largo perfekt einleitet. Vor den letzten Satz stellt man ein indigenes Trommel-Intermezzo.
Einziger Makel ist das viele unnötige Tamtam, mit dem sich die Musiker herumschlagen müssen: in eine Richtung lehnen, aufstehen, den Geigenbogen schwingen, Zettel im Publikum verteilen, mit dem Publikum Walzer tanzen. Das gibt für die Kameras vielleicht etwas her, lenkt aber nur unnötig ab.
Nachzusehen und zu -hören in der ORF-Mediathek; 4. August, 10.40 Uhr auf 3sat
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