Mi, 19. Dezember 2018

Amoklauf an Schule

16.12.2012 15:36

Mediziner: "Das Schlimmste, das ich je gesehen habe"

Der Amokläufer von Connecticut hat gleich mehrere Male auf seine Opfer - darunter 20 Kinder - gefeuert. Sie wiesen "verheerende Verletzungen" auf, sagte der leitende Gerichtsmediziner, H. Wayne Carver, sichtlich erschüttert am Samstag in Newtown. Er habe die Leichen von sieben Schülern obduziert, sie hätten jeweils zwischen drei und elf Schusswunden erlitten. Es sei das Schlimmste, was er bisher in den mehr als 30 Jahren seiner Tätigkeit gesehen habe.

Die Leichen der Kinder wurden nach Angaben des Gerichtsmediziners von den Eltern zunächst per Fotos identifiziert. Das sei etwas leichter für sie gewesen, so Carver. Die Staatspolizei von Connecticut veröffentlichte dann am Samstag die Namen der Opfer. Demnach sind darunter zwölf Mädchen und acht Buben. Außerdem kamen sechs Frauen ums Leben, dazu zählen die Rektorin und eine Schulpsychologin. Der "New York Times" zufolge wurden sie erschossen, als sie versuchten, den Amokläufer, der sich gewaltsam Zutritt zur Schule verschafft hatte, zu stoppen.

Mutter hatte doch keine Verbindung zur Schule
Auch die Mutter des Schützen war am Freitag erschossen aufgefunden worden. Paul Vance von der Staatspolizei stellte am Samstag klar, dass sie keine Verbindung zur Schule gehabt habe. Bisher hatte es in Medienberichten geheißen, sie sei Lehrerin an der Schule gewesen. Vance wies auch Berichte zurück, nach denen der Schütze einen Tag vor dem Amoklauf eine Auseinandersetzung in der Schule gehabt habe. Darüber gebe es keine Informationen, sagte er.

Die Hintergründe der Bluttat bleiben damit weiter im Dunkeln. Aufschluss erhoffte sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden. Die Durchsuchung habe "gute Beweise" erbracht, sagte Vance.

Einzelheiten über Täter und sein Umfeld bekannt geworden
Über den Täter sind inzwischen wieder einige Einzelheiten ans Tageslicht gekommen, so soll er Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig.

Der Todesschütze soll nach Angaben der "New York Times" gemeinsam mit seiner Mutter zurückgezogen in einem großen Haus im Kolonialstil in Newtown gelebt haben. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, mit den psychischen Problemen ihres Sohnes fertigzuwerden, schrieb die Zeitung weiter. Die Mutter habe ihren Sohn für einige Zeit aus einer Schule in der Stadt genommen und daheim unterrichtet, weil sie mit der Schule nicht zufrieden gewesen sei. Welche Schule ihr Sohn besuchte, blieb aber weiter offen.

Die Frau selbst galt als Waffennärrin. Sie soll ihren Sohn oft zu Schießständen mitgenommen haben. "In einer Kneipe im Ort erzählte sie mitunter von ihrer Waffensammlung", hieß es in dem Bericht. Sie soll fünf Waffen besessen haben. Diese seien auf ihren Namen registriert gewesen. Die drei halbautomatischen Waffen, die in der Schule in der Nähe der Leiche des Schützen entdeckt wurden, liefen ebenfalls auf ihren Namen. Laut "New York Times" besaß die Frau zudem noch zwei Jagdgewehre.

Amerika steht unter Schock
Amerika steht nach der Gräueltat unter Schock, Politiker suchten verzweifelt nach Worten. Obama bekräftigte in seiner Rundfunkansprache (siehe Infobox), derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Seien es die Blutbäder wie jetzt in der Grundschule in Newtown oder Schießereien an zahllosen Straßenecken in Städten wie Chicago oder Philadelphia: "Alle diese Orte könnten unser eigener sein", sagte der Präsident.

An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Vor der Einfahrt der Grundschule in Newtown lagen Dutzende Blumensträuße und Karten. Bereits am Freitagabend hatten sich mehrere Hundert Menschen in einer Kirche zu einer Andacht versammelt.

Familie des Amokschützen drückte Bedauern aus
Auch die Familie des Amokschützen meldete sich zu Wort und brachte ihr tiefes Bedauern über die Bluttat zum Ausdruck. "Wir teilen die Trauer der Gemeinde und des Landes, während wir den unglaublichen Verlust zu verstehen versuchen", ließ der Onkel des Täters am Samstag mitteilen. "Unsere Herzen und Gebete sind bei denen, die den Verlust teilen. Bei den Familien, Lehrern, Mitarbeitern der Schule und den Schülern von 'Sandy Hook', bei den Helfern und allen jenen, die von dieser Tragödie berührt wurden."

Der Vater des Amokläufers reagierte mit Bestürzung auf das Blutbad. In einer am Samstag von dem lokalen Fernsehsender WFSB verbreiteten Erklärung, bekundet Peter Lanza Trauer und Erschütterung angesichts der Tat seines Sohnes Adam. "Unser Herzen sind bei den Familien und Freunden, die Angehörige verloren haben, und bei allen, die verletzt wurden. Unsere Familie trauert mit allen denjenigen, die von dieser gewaltigen Tragödie betroffen sind", so auch der Vater. Es gebe "keine Worte", um den Schmerz zu fassen. "Auch wir fragen uns, warum. Wir arbeiten voll mit den Justizbehörden zusammen und werden es weiter tun."

Peter Lanza ist der geschiedene Ehemann der ebenfalls getöteten Mutter des Amokschützen. Sie war sein erstes Opfer, bevor er am Freitag zur "Sandy-Hook"-Grundschule fuhr und dort 20 Kinder und sechs Erwachsene tötete (siehe Infobox).

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