So, 24. Juni 2018

Viele Umbrüche

12.12.2012 12:15

US-Geheimdienste: So sieht die Welt 2030 aus

Wie die Welt in der Zukunft aussehen könnte, zeigt der aktuelle Bericht der US-Geheimdienste zum Thema "Global Trends 2030: Alternative Worlds" ("Globale Trends 2030: Alternative Welten"). Darin wird zum Beispiel vorhergesagt, dass Asien im Jahr 2030 mehr wirtschaftliche und militärische Macht als die USA und Europa zusammen besitzen wird. Zudem wird gewarnt, dass die Gefahr von Konflikten um Nahrung und Wasser steigt. Neue Technologien könnten Retter, aber auch Bedrohung sein.

Es ist die mittlerweile fünfte Ausgabe der Zukunftsprognosen des National Intelligence Council (NIC), einem Strategiezentrum der Intelligence Community - einer Kooperation von 16 US-Behörden, etwa der CIA, des FBI und verschiedener Armee-Geheimdienste.

Keine Sicherheit trotz mehr Wohlstand
Als "Megatrends", die relativ sicher eintreten werden, sieht das NIC, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung 2030 nicht in Armut leben wird, da sich die Mittelklasse auf die meisten Länder ausbreiten werde. Mit einer Milliarde neuen Arbeitern in Entwicklungsländern werde sich die Mittelklasse, besonders bei Jobs mit niedriger Qualifikation, aber nicht sicher fühlen.

Längeres Leben, alternde Gesellschaften
Ebenfalls ein "Megatrend" ist laut NIC eine stark steigende Lebenserwartung, die Todesfälle bei übertragbaren Krankheiten sollen um über 40 Prozent zurückgehen. Alternde Gesellschaften werden unter ökonomischen Druck geraten, so die Prognose. Die Weltbevölkerung werde von heute 7,1 auf acht Milliarden 2030 anwachsen.

Der Nahrungsbedarf werde um 35 Prozent, der Energiehunger um 50 Prozent ansteigen. Kritisch sei auch, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Gegenden mit mangelnder Wasserversorgung leben werde. Das werde nicht nur fragile Staaten, sondern auch Riesen wie China und Indien unter Druck setzen.

Mehr Spieler an der Macht
Neben dem Machtgewinn Asiens sieht das NIC auch den zunehmenden Einfluss von aufstrebenden Staaten wie Mexiko, Südkorea, Nigeria, Türkei, Ägypten, Indonesien, Bangladesch, Iran, Pakistan, Philippinen und Vietnam. Diese Gruppe zusammengenommen soll bis 2030 Europa, Japan und Russland überholt haben. Die Rolle der USA sei dann vermutlich "primus inter pares" - also führend unter Gleichen.

Die politische Landkarte sieht das NIC 2030 komplizierter als heute: Da der Trend zur Verstädterung anhalten werde - prognostiziert wird, dass 60 Prozent der Bevölkerung in Städten leben werden -, könnten Megastädte und regionale Gruppierungen an politischem Einfluss gewinnen.

Kriegsrisiko steigt
Auch ein überproportionaler Anteil junger Männer an der Bevölkerung, etwa in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Südasiens, könnte zum Problem werden: Das Risiko von Kriegen in unregelmäßigen Abständen steige, so das NIC. Als mögliche Krisengebiete, die weltweite Unsicherheit nach sich ziehen könnten, gelten der Nahe Osten und Südasien, Subsahara-Afrika, Zentralamerika und die Karibik. Sowohl im Nahen Osten als auch in Asien sei der Einsatz von Nuklearwaffen möglich.

Technologie als Retter
Einige Konflikte möglicherweise verhindern könnten laut NIC 16 Technologien, die als weltweit signifikant eingestuft werden. Sie drehen sich um Energie, Nahrung und Wasser, die Verarbeitung großer Datenmengen und die Vorhersage menschlichen Verhaltens, die Verbesserung der mentalen und körperlichen Fähigkeiten des Menschen und Anti-Aging. Allerdings sei für ihre Realisierung vielfach die Zusammenarbeit verschiedener Regierungen nötig.

Düstere Zukunftsszenarien
Als mögliche große Zukunftsszenarien sieht das NIC einerseits, dass die USA und Europa 2030 nicht mehr ihre Führungsrollen in der Welt wahrnehmen können oder wollen. Korruption und soziale Unruhen, schlechte Infrastruktur und ein schwaches Finanzsystem seien mögliche Hintergründe. Denkbar sei aber auch, dass die Ungleichheit zwischen reichen und armen Staaten immer mehr zunehme, die Welt unsicherer werde und immer mehr Regierungen zusammenbrechen.

Ein wieder anderes Szenario besagt, dass die USA und China verstärkt zusammenarbeiten, um Konflikte in Südasien zu entschärfen. Hier spiele die technologische Entwicklung eine kritische Rolle, sie führe zu einem rapiden Anstieg des Wohlstands.

Als möglich sieht das NIC aber auch an, dass neue Technologien dazu führen, dass Individuen außerhalb des Staates eine größere Rolle spielen, was zu einer ungerechteren Welt führen würde. Schließlich hätten so etwa Terroristen und andere Kriminelle enorme Macht.

Viele große Prognosen nicht eingetroffen
Allerdings sind diese Szenarien mit Vorsicht zu genießen. So prognostizierte das NIC 1997 laut "The Atlantic", dass Nordkorea 2010 ein normaler Staat sein und es keine Probleme mit den Nachbarstaaten mehr geben werde. Auch ein jährliches Wachstum von zwei Prozent bei den Einkommen in der westlichen Welt wurde vorhergesagt, ebenso wie die Schätzung, dass Waffen der Zukunft Kriege kleiner und weniger kostspielig machen würden.

Keine dieser Vermutungen ist eingetroffen. Das NIC liege eher bei kleineren Trends richtig als bei globalen Szenarien, so "The Atlantic". Die Prognosen seien dennoch überaus wichtig, da zahlreiche Politiker und Strategen sie als Denkanstöße für Langzeitplanungen benötigen.

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