Fr, 19. Oktober 2018

Wiener totgeprügelt

06.12.2012 18:48

Tödliche Fußtritte: Zehn Jahre Haft für 17-Jährigen

Zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht ein 17-jähriger Bursch verurteilt worden, der einem 48-jährigen Frühpensionisten in einem Stiegenhaus (Bild) in Wien-Favoriten einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und dem am Boden Liegenden drei wuchtige, letztlich tödliche Fußtritte verabreicht hatte. Der Schuldspruch wegen Mordes ist nicht rechtskräftig.

"Er hat plötzlich zu schimpfen begonnen, das hat mich wütend gemacht" - mit diesen Worten hatte der bisher unbescholtene Jugendliche dem Schwurgericht den Gewaltexzess in der Nacht auf den 25. Mai erklärt. Der beschäftigungslose Angeklagte hatte mit dem späteren Opfer und einem gemeinsamen Freund den Abend verbracht, indem man Musik hörte, Bier und Wein trank und rauchte. "Nachschub" besorgte sich das Trio in einer Tankstelle und danach in einem Kaffeehaus in Wien-Favoriten.

Am Heimweg soll der 48-Jährige dann zu stänkern begonnen haben. "Es hat immer Auseinandersetzungen gegeben, wenn er alkoholisiert war. Er ist ungut geworden", berichtete der Angeklagte. Seine Stimmung habe umgeschlagen ("Bis dahin war der Tag super"), als der Bekannte konkret gegen seine Mutter schimpfte.

"Ich wollte, dass er aufhört zu schimpfen"
Der 17-Jährige versetzte dem Mann in der Rotenhofgasse einen derart wuchtigen Schlag, dass er durch eine geschlossene Haustür aus Glas stürzte: "Ich bin ihm leider Gottes nachgegangen und hab' mit meinem Fuß zwei bis drei Mal auf seinen Kopf geschlagen. Ich wollte einfach, dass er aufhört zu schimpfen."

Die Tritte fielen derart heftig aus, dass sich auf dem malträtierten Kopf noch die Schuhabdrücke des Täters abzeichneten und die Polizei anhand des Profils jene Schuhe beschlagnahmen konnte, die der Bursch zum Tatzeitpunkt getragen hatte (Bericht siehe Infobox).

17-Jähriger suchte "Vaterfiguren"
"In dem Moment hab' ich nicht nachgedacht. Ich werd' einfach aggressiv, wenn ich was trinke", gab der Jugendliche zu bedenken, der laut eines psychiatrischen Gutachtens deshalb Freundschaften zu wesentlich älteren Männern pflegt, weil er in ihnen "Vaterfiguren" sieht. Seine Eltern hatten sich scheiden lassen, als er drei Jahre alt war. Er wuchs bei seiner Mutter auf und bekam den leiblichen Vater dann kaum mehr zu sehen.

Das Opfer ließen der 17-Jährige und sein 29 Jahre alter Begleiter ("Er ist mein bester Freund") einfach liegen. "Ich habe nicht gedacht, dass die Verletzungen so groß sind", sagte der Angeklagte, der einräumen musste, die Brieftasche des Röchelnden an sich genommen und Banknoten eingesteckt zu haben. Er habe "gehofft, dass er aufsteht und heimgeht. Wo die Polizei gekommen ist, war die Hoffnung weg".

Begleiter ebenfalls vor Gericht
Der Frühpensionist war eine bis zwei Stunden nach der Tat von einer Hauspartei zufällig entdeckt worden. Zunächst war vermutet worden, der Mann habe sich bei einem Sturz ohne Fremdverschulden die lebensgefährlichen Kopfverletzungen zugezogen.

Der Begleiter des 17-Jährigen, der die gewalttätigen Szenen mitbekommen und nicht eingegriffen hatte, bekommt demnächst ein eigenes Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.