Bewährungshilfe-Chef:

„Damals galten wir als Komplizen der Häftlinge“

Land & Leute
14.04.2024 18:00

Bewährungshilfe-Leiter Johannes Bernegger zieht kurz vor seinem Abschied positive Bilanz. Der scheidende Chef von „Neustart“ weiß, dass seine Mitarbeiter unzählige Rückfälle von Straffälligen verhindern.

Rache habe am Gericht nichts zu suchen, meint Johannes Bernegger zu Urteilen, die mancher zu mild findet. „Ziel ist es, dass ein Täter nicht mehr straffällig wird. Da kommen auch die Bewährungshelfer ins Spiel“, schildert der scheidende Leiter von „Neustart“, einem auf Resozialisierungshilfe und Prävention spezialisierten Verein.

Der Jurist zieht nach 33 Jahren in der Bewährungshilfe positive Bilanz. „Als ich anfing, galten wir als Komplizen der Häftlinge“, lacht er beim „Krone“-Besuch in Salzburg-Schallmoos. Heute würden sich Richter und Staatsanwälte sogar mit den Bewährungshelfern beraten.

Schutz für Zivilgesellschaft
Die Fragen lauten: „Was hat den Täter so weit gebracht? Wie lässt sich ein Rückfall vermeiden?“ Bernegger: „Es geht darum, die Zivilgesellschaft zu schützen und manchmal auch darum, die Täter vor sich selbst zu schützen.“

Sind Straffällige erst 12, 13 Jahre alt, scheinen allen Behörden die Hände gebunden. Die Möglichkeiten der Jugendämter reichen laut Bernegger nicht aus. „Für ganz harte Fälle bräuchten wir eine Spezialeinrichtung mit Aufenthaltspflicht.“

70 Prozent bleiben nach der Betreuung rückfallfrei
Über-14-Jährige haben teilweise schon eine kriminelle Karriere hinter sich. Prävention kann daher laut Bernegger nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn landen Täter im Gefängnis, verdüstern sich die Aussichten auf Besserung. „Ab einem Jahr Haft verlieren Kriminelle meist Wohnung und Arbeit“, so der Jurist. Dann sei es sehr schwer, nach der Haft nicht mehr rückfällig zu werden.

Von den zuletzt rund 1100 Klienten waren 60 Prozent in Bewährungshilfe. Davon saß jeder Zweite vorher nicht in Haft. Insgesamt bleiben 70 Prozent nach der Betreuung durch Bewährungshelfer rückfallfrei. Dazu tragen auch mehr als 70 ehrenamtliche Salzburger Bewährungshelfer bei.

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