WM 2006 gekauft?

Blatter zieht “Sommermärchen” durch den Dreck

Sport
16.07.2012 11:09
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich nach den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zur Wehr gesetzt. Nachdem er eine Kampagne gegen ihn witterte, reagierte er im Interview mit dem Schweizer "SonntagsBlick" auf die zunehmende Kritik deutscher Fußball-Funktionäre und holte zum verbalen Gegenschlag aus. Dabei deutete Blatter an, dass bei der Vergabe für die WM 2006 womöglich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Im Exklusiv-Interview mit dem "SonntagsBlick" hatte Blatter erst bestritten, dass er Schmiergeldzahlungen innerhalb der FIFA gutgeheißen und davon profitiert habe. Es handle sich bei den Vorwürfen um eine Kampagne gegen ihn. "Sie wollen mich weg", betonte der 76-Jährige. Von den Bezügen des früheren FIFA-Chefs Joao Havelange und des langjährigen Exekutiv-Mitglieds Ricardo Teixeira, beide Brasilianer, habe er erst später erfahren. 

Blatter: "Habe nie Schmiergelder bekommen"
Die Veröffentlichung der Gerichtsakten legte Blatter zu seinen Gunsten aus: "Das Schweizer Bundesgericht hat diese Woche all jene Leute Lügen gestraft, die jahrelang behaupteten, ich hätte Schmiergelder empfangen. Es ist amtlich, was ich schon immer gesagt habe: Ich habe nie irgendwelche Schmiergelder bekommen."

Speziell in Deutschland haben im Zuge der gerichtlichen Offenlegung des ISL-Skandals hochrangige Fußball-Funktionäre ihren Unmut geäußert. Liga-Chef und DFB-Vize-Präsident Reinhard Rauball forderte am Freitag den Rücktritt Blatters. "Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben", gab Rauball zu Protokoll. Der DFB-Vorsitzende Wolfgang Niersbach legte dann am Samstag nach: "Die Reaktion des FIFA-Präsidenten hat mich geschockt." Der deutsche Verband distanziere sich von der Haltung Blatters klar.

Ungereimtheiten bei Vergabe der WM 2006?
Im "SonntagsBlick" holte der FIFA-Boss zum Gegenschlag aus: "Gekaufte WM. Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10:10 bei der Abstimmung ein 10:9 für Deutschland hatte. Ich bin froh, musste ich keinen Stichentscheid fällen. Aber, na ja, es steht plötzlich einer auf und geht. Vielleicht war ich da auch zu gutmütig und zu naiv", so Blatter.

Deutsche empört
Daraufhin reagierten die Deutschen, allen voran Fedor Radmann, ehemaliger Vizepräsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006, empört. "Wir haben die Abstimmung 12:11 gewonnen und nicht 10:9, und durch die Enthaltung von Charles Dempsey haben wir seine Stimme verloren und nicht gewonnen. Dempsey hatte dem DFB zugesichert, zuerst für England zu stimmen und nach einem Ausscheiden Englands für Deutschland", wies Radmann die Vorwürfe von Blatter zurück.

Sogar "Kaiser" Franz Beckenbauer schritt ein und bestritt die besagten Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe. "Ich kann die Äußerungen und Andeutungen von Sepp Blatter nicht nachvollziehen. Er irrt ja schon beim Ergebnis. Es war 12:11 für uns, nicht 10:9", so Beckenbauer.

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