Im Prozess geht es um 35 mutmaßlich manipulierte Spiele, die laut Anklageschrift Angriffen der Wettmafia ausgesetzt waren. Darunter befinden sich auch vier Partien mit österreichischer Beteiligung. Neben dem Cup-Spiel Zwettl gegen Hartberg (14.8.2009) scheinen auch die Bundesliga-Partien Kapfenberger SV - Rapid (29.9.2009) und Kapfenberger SV - Austria (28.10.2009) auf dieser Liste auf. Außerdem verdächtig ist die Europa-League-Partie des SK Rapid gegen den albanischen Verein Vllaznia Shkooder (16.7.2009).
Ante Sapina hatte im April des Vorjahres ausgesagt, dass Spieler von Kapfenberg sowie des Zweitligisten Hartberg Schmiergeld erhalten hatten. So sollen vor der Partie des KSV gegen die Austria einige Akteure der Steirer 140.000 Euro erhalten haben. Der ÖFB beobachtet den Prozess laut Rechtsdirektor Thomas Hollerer nun "sehr intensiv". Österreichs Fußballverband hat alle diesbezüglichen Informationen an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.
Trinkflasche als Manipulationszeichen?
Bei der Partie zwischen Rapid und Vllaznia soll der albanische Torhüter bestochen worden sein. Laut Anklage waren ihm von der Wettmafia 10.000 US-Dollar versprochen worden, wenn er mindestens drei Gegentore in der zweiten Spielhälfte zulassen würde. Im Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde unterlag Vllaznia dabei nach einem 0:1-Pausenstand schließlich 0:5. Als Zeichen für den Beginn der Manipulation soll der Keeper seine Trinkflasche vereinbarungsgemäß ins Tor gelegt haben. Das wurde laut Anklage von einem der jetzt angeklagten Männer, der damals im Hanappi-Stadion war, beobachtet und an die Hintermänner weitergegeben.
Zum Prozessauftakt haben sich die sechs Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidiger von Milan Sapina haben jedoch signalisiert, dass der Berliner Gastwirt, der schon in den Skandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt war, zunächst von seinem Schweigerecht Gebrauch machen werde. Von den anderen Angeklagten erwartet die Staatsanwaltschaft Geständnisse.
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