Die Deutsche Bahn genießt wegen notorischer Verspätungen und Ausfälle einen zweifelhaften Ruf (siehe Video oben). Zuletzt sorgte ein Lokführerstreik für zusätzlichen Unmut bei den Fahrgästen. Ausgerechnet jetzt wurde bekannt, dass Bonus-Zahlungen für die Manager des Staatskonzerns noch üppiger ausfallen könnten als ohnehin vorgesehen - und zwar wegen einer Verspätung.
Nach Informationen des „Spiegel“ sollen den Chefs der Deutschen Bahn - die nicht zuletzt wegen Schulden in Milliardenhöhe in einem desolaten Zustand ist - Boni ausbezahlt werden, die zusätzlich verzinst werden.
Wegen Strompreisbremse verzögerte Auszahlung
Hintergrund ist demnach die Strompreisbremse, die im Herbst 2022 in Deutschland eingeführt wurde. Das Gesetz verlangte, dass ein Unternehmen, das die Preisbremse in einem bestimmten Umfang in Anspruch nimmt, keine Boni auszahlen darf. Deswegen gab es für Manager der Deutschen Bahn 2022 keine Bonuszahlungen. Zu Jahresbeginn 2024 lief die Strompreisbremse aus und die Boni dürfen mit Verspätung an die Bahn-Chefs fließen. Sie profitieren aufgrund der hohen Teuerung nun von Zinsen auf ihre Zulagen, die laut „Spiegel“ die bis zu sieben Prozent betragen könnten.
Zinsen in fünfstelliger Höhe
Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, dürfte damit zusätzlich zu seinem Bonus von rund 1,3 Millionen Euro noch einen fünfstelligen Betrag kassieren. Von den Zinsen sollen die rund 1100 Top-Manager und die ca. 2400 leitenden Führungskräfte des Staatskonzern profitieren.
Allein schon die hohen Bonuszahlungen sorgten vor dem Hintergrund der Unzuverlässigkeit der Bahn in Deutschland für Unmut, durch die Zinsen dürfte der noch weiter steigen. Aus dem Aufsichtsrat, der über die Zahlungen entscheiden muss, heißt es dazu, dass man sich an „vertragliche Vereinbarungen“ halte. Ein Sprecher des deutschen Bundesverkehrsministeriums stellte klar, dass die Regelungen zu den Energiepreisbremsen „keine Verzinsung für Boni“ vorsehen.
Streiken, um alle Forderungen durchzusetzen - so funktionieren Tarifverhandlungen nicht.
DB-Sprecherin Anja Bröker in Berlin
Deutsche Bahn ruft nach Streik zu Verhandlungen auf
Unterdessen hat die Deutsche Bahn am Freitag die Lokführergewerkschaft GDL erneut aufgerufen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Wir sind verhandlungsbereit, wir sind gesprächsbereit“, sagte DB-Sprecherin Anja Bröker in Berlin. „Es ist jetzt auch an der GDL, an den Tisch zurückzukehren. Streiken, um alle Forderungen durchzusetzen - so funktionieren Tarifverhandlungen nicht.“ Um 18 Uhr war der dreitägige deutschlandweite Streik zu Ende gegangen.
GDL-Chef Claus Weselsky hatte zuvor gesagt: „Wenn nichts passiert, dann ist der nächste Arbeitskampf unvermeidlich.“ Er dürfte damit ein neues Angebot der Bahn gemeint haben.
Kernforderung Arbeitszeitverkürzung
Die GDL hatte den Streik im Personenverkehr der Deutschen Bahn Mittwochfrüh begonnen, im Güterverkehr wurde seit Dienstagabend gestreikt. Mit dem Arbeitskampf wollte die Gewerkschaft den Druck auf die Bahn erhöhen, um im Tarifkonflikt mit dem Konzern unter anderem eine Arbeitszeitreduzierung für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich zu erreichen. Die Bahn lehnt das bisher ab.
Ab Samstag soll der Zugverkehr aus Österreich Richtung Deutschland auch wieder reibungslos funktionieren. Die Nachtzüge - die Verbindungen nach Amsterdam und Hamburg - werden Samstagabend wieder aufgenommen. ÖBB-Züge über das Deutsche Eck sowie die Züge der Westbahn waren von der Arbeitsniederlegung nicht betroffen.
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