Handel oder Zulieferer

Wer ist schuld an den hohen Lebensmittelpreisen?

Wirtschaft
29.08.2025 17:00

Die Sozialministerin nahm Supermärkte ins Visier. Der Handel wehrt sich und sieht sich selbst als Opfer der hohen Inflation. Nächste Woche will die Regierung bei der Klausur Maßnahmen gegen die hohe Lebensmittel-Inflation beschließen, vor allem der „Österreich-Aufschlag“ ist im Visier. Wer setzt sich am Ende durch? Eine „Krone“-Analyse.

Ein heißer Sommer bringt hitzige Debatten mit sich, politische Schaukämpfe gehören dazu. Zuletzt ging die Regierung mit Klage gegen die Supermarktriesen Spar, Rewe, Hofer und Lidl vor.

Klage wegen fehlender Transparenz
Der Vorwurf: Die Konzerne würden bei Rabatten „tricksen“ und bei Ermäßigungen den Niedrigstpreis der letzten 30 Tage nicht immer ausweisen. Das lässt Konsumenten über die Ersparnis im Unklaren. „Doch Menschen haben ein Recht auf faire Preise und Transparenz an der Kassa“, meint Sozialministerin Korinna Schumann.

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Gerade, wenn Rabatte eine so zentrale Rolle beim Einkaufen spielen, brauchen wir klare und verlässliche Regeln.

Korinna Schumann, Sozialministerin

Die Klage ist bis heute nicht bei den vier beklagten Unternehmen angekommen, was dort für Verwunderung sorgt. „Wir können die Klage nicht kommentieren, weil sie leider noch gar nicht zugestellt wurde“, sagt Handelsverband-Chef Rainer Will, der betont, dass „die Regularien und Gesetze zur Preisauszeichnung in kaum einem Land so streng wie in Österreich sind“. Im „Krone“-Gespräch macht er seinem Ärger weiter Luft: „Während China-Händler Narrenfreiheit haben, werden unsere Händler in ein falsches Licht gerückt.“

Ministerin: „Falsche Basis, dann überhöhte Rabatte“
Schumann sieht den Handel hingegen nicht in ein unrechtes Licht gerückt, es gehe um Fairness. Mit fast 40 Prozent ist der Aktionsanteil so hoch wie fast nirgends. Die Händler führen das gerne als Argument für den Unterschied zu Deutschland ins Treffen. Schumann sieht darin aber auch eine Praxis, eine falsche Preisbasis heranzuziehen und dann einen überhöhten Nachlass zu bewerben. „Gerade, wenn Rabatte eine so zentrale Rolle beim Einkaufen spielen, brauchen wir klare und verlässliche Regeln.“

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Während China-Händler Narrenfreiheit haben, werden unsere Händler in ein falsches Licht gerückt.

Rainer Will, Handelsverband

Der Kampf um die Preise wird auch an einer weiteren Front geführt. Vizekanzler Andreas Babler visiert Markteingriffe an. Dabei sind Lebensmittel zuletzt unter der Inflation gestiegen. Will verweist auf andere Länder (z. B. Ungarn), wo so etwas am Ende zu einer Verknappung und mehr Teuerung führte.

Der Handel sieht sich generell als Opfer der Teuerung. „Wir sitzen alle in einem Boot mit den Konsumenten. Auch wir kämpfen mit den Kosten“, so Will. Personal ist um 31 Prozent teurer als in Deutschland, etwa wegen der Lohnnebenkosten. Viel verdienen würde der Handel nicht: Die Spannen liegen bei 1 bis 2,5 Prozent, eine im Vergleich nicht sehr profitable.

Handel und Politik gegen Lieferbeschränkungen
Zumindest bei einer Frage sind sich Handel und Politik aber einig: Der Österreich-Aufschlag soll enden, er macht Lebensmittel um acht Prozent teurer, so die Wettbewerbsbehörde. Kanzler Christian Stocker will auf EU-Ebene Druck machen, der Handel sieht diese Praktiken als Hauptgrund für die höheren Preise.

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