Mi, 19. Dezember 2018

Wegen Schuldenkrise

16.03.2012 11:37

Umgekehrter Trend: Portugiesen suchen Jobs in Ex-Kolonien

Für Brasilianer und Angolaner war Portugal lange Zeit das Ziel ihrer Träume. Hunderttausende verließen die ehemaligen Kolonien, um auf der Iberischen Halbinsel ihr Glück zu suchen. Dann kam die Schuldenkrise und kehrte den Trend um: Nun zieht es immer mehr arbeitsuchende Portugiesen aus ihrer rezessionsgeplagten Heimat nach Südamerika und Afrika.

Einer von ihnen ist Fernando Silva. Vor 14 Monaten zog er aus Portugal nach Brasilien in eine kleine Stadt am Amazonas. Heute verkauft der 49-Jährige "Bolinhos de Bacalhau" - Kabeljaubällchen. Der eigene Fisch-Imbiss läuft gut. "In Portugal wird die Krise nur schlimmer. Hier ist alles viel besser", freut sich Silva über seine Entscheidung.

Die Statistik bestätigt den Trend zur Emigration. Als sich die Schuldenkrise 2010 deutlich bemerkbar machte, explodierte die Zahl der Auswanderer: Knapp 24.000 Menschen und damit 40 Prozent mehr als 2009 verließen ihre Heimat. Die Zahl der Portugiesen mit einer Arbeitserlaubnis für Brasilien stieg zwischen 2010 und der Jahresmitte 2011 um 52.000. Und in Angola leben Medienberichten zufolge heute mehr als viermal so viele Portugiesen wie noch vor einigen Jahren.

Politik machtlos gegen Auswanderungswelle
In Portugal liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei rekordverdächtigen 14 Prozent, bei jungen Leuten beträgt sie gar 35 Prozent. Die Politik hat angesichts der finanziellen Belastung durch Arbeitslosenhilfen und dem Druck, die Sparvorgaben der EU zu erfüllen, der Auswanderungswelle wenig entgegenzusetzen. Im Dezember riet Ministerpräsident Pedro Passos Coelho arbeitslosen Lehrern, "Alternativen auf dem gesamten portugiesischsprachigen Markt" in Betracht zu ziehen.

Die aktuelle Entwicklung wird noch durch Unternehmen verstärkt, die wegen der Rezession im Heimatland ihr Geschäft in Brasilien uns Afrika ausbauen. Das aufstrebende Schwellenland am Amazonas hat mittlerweile Großbritannien in der Liste der größten Volkswirtschaften überholt. Auch im ölreichen Angola siedeln sich immer mehr portugiesische Firmen an.

Pedro Luz ist einer der Nutznießer dieses Booms. Der 34-Jährige hat vor Kurzem ein Zweitstudium im Fach Wirtschaftsmanagement abgeschlossen und lebt jetzt in Angola. Zurzeit arbeitet er im Auftrag einer Firma aus Lissabon für vier Monate als Projektberater. Luz stellt sich jedoch auf einen längeren Aufenthalt ein und genießt das Leben in Afrika. "Wir Auswanderer haben hier einen Lebensstandard, den wir zu Hause nie erreicht hätten." Der Wohnort seiner Träume ist das südwestafrikanische Land trotzdem nicht: "Ohne die Krise in Europa wäre Angola nicht meine erste Wahl gewesen."

Vor allem Fachkräfte kehren Portugal den Rücken
Helena Rato, die in Lissabon am Nationalen Institut für Verwaltung zum Thema Emigration forscht, sieht einen deutlichen Wandel in der Zusammensetzung der Auswanderer. "Die verfügbaren Daten zeigen, dass vor allem Fachkräfte Portugal verlassen. Früher waren es hingegen hauptsächlich arme Menschen ohne Ausbildung."

Das hat Befürchtungen geweckt, die Abwanderung qualifizierter Kräfte könnte den Weg aus der Schuldenkrise noch steiniger machen. David Patient, Assistenzprofessor für Management an der katholischen Universität in Lissabon, teilt diese Sorgen: "Es ist traurig, weil gerade die Menschen gehen, von denen man das nicht will."

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