Einsatz „übertrieben“?

Tiroler filmte, wie Cobra sein Grundstück stürmte

Tirol
24.09.2023 07:00

Mehrere Überwachungskameras liefen mit, als das Haus des Tirolers Fritz S. plötzlich „Besuch“ von der Polizei-Spezialeinheit bekam. „Übertrieben“, schüttelt der Unterländer den Kopf. Die Staatsanwaltschaft widerspricht aber.

Die Szenen spielten sich bereits am 20. Juni ab, das Nachspiel läuft aber noch immer: Um 19.34 Uhr beginnt der Schäferhund des Tirolers plötzlich zu bellen, Sekunden später laufen Cobra-Beamte in voller Montur durch das Carport, öffnen die Haustür und rufen „Polizei, Polizei!“

Es dauert etwa 20 Sekunden, bis der Unterländer mit nacktem Oberkörper vom Keller über die Außenstiege heraufkommt. Die Verzögerung ist nachvollziehbar: Der Tiroler ist gehfähig, leidet aber an Multipler Sklerose.

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Ich hatte noch an einen Schmäh durch Kostümierte geglaubt.

Fritz S.

Die Situation eskaliert zum Glück nicht, sie endet mit einer Diskussion mit den Beamten. „Ich hatte noch an einen Schmäh durch Kostümierte geglaubt“, schildert der 51-Jährige diese Erfahrung.

Hausdurchsuchung und dazu ein Waffenverbot
Die Polizei führte dann eine Hausdurchsuchung durch. Ein Gewehr („Ich besitze es ordnungsgemäß!“), eine Schreckschusspistole, Laptop und Handy wurden dabei konfisziert. Auch ein vorläufiges Waffenverbot wurde verhängt.

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Es gab dazu bestimmte Nachrichten, die man als Ankündigung einer Gewalttat verstehen konnte.

Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck

Warum das Ganze? Fritz S. schildert sein Beziehungsende. Es habe unter anderem Streit um Sportausrüstung gegeben, die seine „Ex“ noch bei sich habe. Und ja, er habe dem Vater der verflossenen Freundin dann per WhatsApp das Foto seines Gewehrs gesendet. Aber nicht als Drohung, der Mann sei auch ein Waffenbesitzer und man habe sich öfters darüber ausgetauscht, beteuert der Unterländer.

Ein Beziehungsende und die Folgen daraus
Allerdings: Die Übersendung des Gewehr-Fotos fiel in die Phase des Beziehungsendes. Auf „Krone“-Anfrage betont Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck: „Es gab dazu bestimmte Nachrichten, die man als Ankündigung einer Gewalttat verstehen konnte.“ Daher sei es zum Cobra-Einsatz gekommen. Wobei es der Polizei überlassen sei, mit welchen Kräften sie in solchen Fällen vorgehe.

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Der Beschuldigte hat die Situation erklärt, die Beweise reichten dann nicht mehr aus.

Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck

Fritz S. bekam seinen Besitz nach einigen Tagen wieder zurück. Und ein Schreiben der Staatsanwaltschaft, in dem es heißt, es bestehe „kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung“. Mayr präzisiert: „Der Beschuldigte hat die Situation erklärt, die Beweise reichten dann nicht mehr aus.“

Der Unterländer verabsäumte es, binnen 14 Tagen eine Begründung der Einstellung anzufordern. Er will die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen und hat die Behindertenanwaltschaft eingeschaltet, die ihn wiederum an die Volksanwaltschaft verwies. Der Hauptvorwurf: Dieser Cobra-Einsatz sei ungerechtfertigt gewesen ...

„Krone“-Kommentar: Lieber auf Nummer sicher 
Ein Gewehrbesitzer ist in einer hochemotionalen Lage, ein Angehöriger ahnt Schlimmes und schlägt Alarm. Sollen zwei Streifenpolizisten an der Tür klingeln? Was, wenn die Lage eskaliert und womöglich auch noch Dritte zu Schaden kommen?

Dann hieße es hinterher am Stammtisch, von teils selbst ernannten Experten und einigen Medien: Das hätte man doch wissen müssen! In diesem Fall rückte die Cobra an und der derart Überraschte wirkte eher verdattert als gefährlich. Dass es letztlich nicht einmal ein Verfahren gegen ihn gibt, trübt die Optik natürlich. Doch das Motto für die Polizei muss lauten: „Lieber auf Nummer sicher.“

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