Der ebenfalls angeklagte Ex-Sekretär des Vereins wurde wegen Beitrag zur Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 2,327 Millionen verurteilt. Sollte er nicht zahlen, muss er eine vorerst bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten antreten. Der ehemalige Sturm-Sportdirektor Heinz Schilcher erhielt wegen Steuerhinterziehung eine unbedingte Geldstrafe in Höhe von 1,895 Millionen Euro.
Schuldsprüche für alle Beteiligten
Auch alle weiteren Angeklagten im "Kartnig-Prozess" sind für schuldig befunden worden. Fünf weitere ehemaligen Funktionäre des Vereins wurden zu Geldstrafen von 1,3 bis 3,8 Millionen Euro verurteilt. Weiters wurden teilweise bedingte Haftstrafen in der Höhe von sechs bis zwölf Monaten verhängt. Vom Vorwurf der betrügerischen Krida wurden alle Angeklagten freigesprochen.
"Für die Beitragstäter genügt es, dass sie die Tat des Haupttäters kennen, was von den Vorstandsmitgliedern angenommen werden muss", begründete Richter Karl Buchgraber die - durchwegs nicht rechtskräftigen - Verurteilungen. Kartnig habe "einen Personalaufwand getrieben, der in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage des Vereins stand."
Verfahren dauerte mehr als elf Monate
42 Verhandlungstage hatte es gebraucht, bis es in dem Verfahren rund um den Bundesligisten Sturm Graz zu einem Urteil gekommen ist. Der Schöffensenat hatte sich mehr als elf Monate lang zahlreiche Zeugen und Gutachter angehört. Kartnig, der laut Staatsanwalt nicht nur die Steuerhinterziehung begangen sondern auch bei den Schwarzeinnahmen und -zahlungen der Drahtzieher gewesen sein soll, war zu Beginn des Verfahrens noch guter Dinge gewesen. Zur Steuerhinterziehung war er immer geständig, "aber ich habe keinen Betrug gemacht", wie er immer wieder lautstark betonte.
Der ehemalige Sturm-Sekretär belastete Kartnig im Prozess schwer und gab an, der damalige Präsident habe angeordnet, Eintrittskarten schwarz zu verkaufen. Dadurch wurden sowohl die Bundesliga als auch der steirische Fußballverband geschädigt, da sie durch die falsche Abrechnung weniger an Abgaben für die einzelnen Spiele erhielten. Doch Kartnig schob seinerseits die Schuld auf den Sekretär und erklärte, dieser habe dieses System installiert, er habe es nur weitergeführt.
Den angeklagten ehemaligen Funktionären wurde vorgeworfen, von den Schwarzzahlungen an die Spieler gewusst und nicht rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit des Vereins erkannt zu haben. Ex-Sportdirektor Schilcher stand vor Gericht, weil er für die Aushandlung der Veträge mit den Fußballern - inklusive Sonderzahlungen, die an der Finanz vorbei getätigt wurden - verantwortlich gemacht wurde.
Sturm-Konkurs im Jahr 2006
Der Konkurs des Fußballvereins erfolgte 2006, obwohl er bereits 2002 "objektiv errechenbar" gewesen wäre, so Gutachter Fritz Kleiner. Ein heiß umstrittenes Thema während des gesamten Prozesses war der tatsächliche oder fiktive Wert der Spieler. Es gebe dafür keine klaren Richtlinien, die Transferkosten seien keinesfalls mit stillen Reserven gleichzusetzen. "Das heißt nicht, dass der Spieler nichts wert ist, nur, dass das in einer Bilanz nicht dargestellt werden kann", so Kleiner dezidiert.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.