Neue Transportjets

Entscheidung um „Hercules“-Nachfolger gefallen?

Politik
19.09.2023 17:48

Wie die „Krone“ erfuhr, soll der Nachfolger für die völlig veraltete „Hercules“-Transportflotte des Bundesheeres feststehen: Die Wahl fiel dem Vernehmen nach bereits auf die C-390 des brasilianischen Herstellers Embraer. Erstmals in seiner Geschichte soll das Bundesheer damit moderne, militärische „Linienflugzeuge“ für Nachschubaufgaben, aber auch speziellere Missionen wie Luftlandungen, Evakuierungen und Brandbekämpfung bekommen. 

Das markante, tiefe Brummen der vier „Hercules“-Propeller wird über Linz-Hörsching in den nächsten sechs Jahren immer seltener zu hören sein. An dessen Stelle wird voraussichtlich ab 2026 das hohe Pfeiffen von zwei Turbofan-Triebwerken treten, die künftig bis zu fünf neue C-390-Transportjets des österreichischen Bundesheeres antreiben werden. 

Bilder: Der aktuelle Transporter des Bundesheeres, die C-130K „Hercules“

Verhandlungen mit Hersteller Embraer
Denn die Nachfolger-Wahl rund um die alternde „Hercules“-Flotte des Bundesheeres scheint entschieden: gemeinsam mit Holland werde man wie berichtet in Verhandlungen mit dem brasilianischen Hersteller Embraer treten, um die neuen Jets zu kaufen. Denn der Zeitpunkt ist günstig: Da die Niederländer bereits in den letzten Zügen ihrer Vertragsverhandlungen liegen, und wir noch nicht einmal begonnen haben, wird Österreich nun auf den Deal aufspringen.

Eine neue C-390 des brasilianischen Herstellers Embraer (Bild: Embraer)
Eine neue C-390 des brasilianischen Herstellers Embraer

Die Niederländer wären laut „Krone“-Informationen bereit, mehr als ihre geplanten fünf Stück C-390 bestellen - und diese „überschüssigen“ Maschinen dann an Österreich weiterverkaufen. Als Stückzahl für Österreich wurden noch keine konkreten Zahlen genannt, im Aufbauplan 2032 sind vier bis fünf Exemplare genannt. 

Keine Flugzeuge direkt vom Hersteller
Der Hintergrund dafür: Seit dem korruptionsdurchsetzten Eurofighter-Debakel Anfang der 2000er-Jahre vermeidet es die Republik um jeden Preis, Militärflugzeuge direkt von ihren Herstellern zu kaufen. Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) setzt ihre Shoppingtour - aktuell werden zahlreiche Beschaffungen angestoßen - lieber mit verbündeten Staaten fort. Und kauft die mitunter milliardenteuren Jets von Regierung zu Regierung, also „government-to-government“. Doch dazu muss es die Gelegenheit geben, das Timing muss stimmen. So wie jetzt mit den Niederländern. 

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner in Zeltweg bei einem Besuch der US Air Force (Bild: Erwin Scheriau)
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner in Zeltweg bei einem Besuch der US Air Force

1.) Wozu braucht das Bundesheer überhaupt Transportflugzeuge?
Aktuell nutzt das Bundesheer seine drei alten C-130K „Hercules“ vor allem für Transport und Versorgung von Soldaten im Ausland. Zu jeder Zeit stehen knapp 800 Bundesheer-Soldaten in anderen Ländern im Einsatz. Diese müssen regelmäßig hin- und herverlegt, versorgt, und im Notfall auch evakuiert werden, etwa im Krisenfall oder bei medizinische Notfällen. 

2.) Was kann der neue Flieger?
Die brasilianische C-390 unterscheidet sich grundlegend von seinem Vorgänger, der „Hercules“ aus den USA:

  • Sie hat im Gegensatz zur “Hercules“ Jet-Triebwerke und keine Propeller mehr. Damit fliegt sie schneller, höher und weiter als die „Herc“. 
  • Die C-390 wurde 2010 komplett neu entwickelt, um explizit Mängel der altbekannten „Hercules“ - ihr Design stammt aus den 50er-Jahren - wettzumachen und am Weltmarkt auszunutzen
  • Viele Teile der C-390 sind aus dem zivilen Sektor bekannt - was die Wartung erleichtert. Die Triebwerke etwa sind zu 90 Prozent ident mit den Triebwerken eines Airbus 320.
  • Rund 10 Firmen aus Österreich sind als Zulieferer im Einsatz, der größte davon der Flugzeugteilehersteller FACC aus Ried im Innkreis. 
  • Als Kritikpunkt führen Mitbewerber an, dass der Flieger eben sehr neu und noch nicht “erprobt“ ist, wie etwa die 70 Jahre alte „Hercules“. In Europa nutzen ihn bereits Portugal und Ungar, Holland, Tschechien und Österreich sollen folgen.  
Auch ein Pandur-Schützenpanzer aus österreichischer Produktion passt rein - wie hier in Tschechien bei einem Versuch demonstriert. (Bild: Embraer)
Auch ein Pandur-Schützenpanzer aus österreichischer Produktion passt rein - wie hier in Tschechien bei einem Versuch demonstriert.

3.) Welche Aufgaben sollen noch erfüllt werden?
Neben dem „Linienflugbetrieb“ für die zahlreichen Auslandskontingente des Bundesheeres kann die Maschine weitere Einsätze übernehmen. Dazu zählt:

  • Absetzen von Fallschirmjägern
  • Waldbrandbekämpfung
  • Abwurf von Nachschub aus der Luft
  • Luftaufklärung / Rettungsmissionen („search and rescue“)
  • Luftbetankungen
Zwei große Head Up-Displays und zahlreiche Multifunktions-Bildschirme dominieren das Cockpit der Embraer C-390 (Bild: Embraer)
Zwei große Head Up-Displays und zahlreiche Multifunktions-Bildschirme dominieren das Cockpit der Embraer C-390

4.) Wie fliegt sich der Jet?
Vermutlich wie ein Airliner. Das Cockpit (siehe oben) ist von einem modernen zivilen Flugzeug kaum zu unterscheiden, gesteuert wird per Sidestick, einem Joystick am Rand des Cockpits. Sämtliche Flugparameter werden auf ein Head-Up-Display, eine Glasscheibe vor den Augen der Piloten, projeziert. Gleichzeitig zeigen große, farbige Multifunktions-Displays Fluglage, Navigationsdaten, Triebwerksdaten und ähnliches an. Im Cockpit sind Pilot und Co-Pilot vorgesehen (die C-130K wird derzeit noch von drei Personen im Cockpit gesteuert), im Laderaum fliegt noch ein sogenannter „Loadmaster“ mit. 

Daten & Fakten

Maximale Reisegeschwindigkeit: 470 Knoten / Mach 0,80 
Langstrecken-Reiseflug: Mach 0.71 in 10 km Höhe
Maximale Zuladung: 26 Tonnen
Maximale Flughöhe: 36.000 Fuß, ca 12 km über Meeresspiegel
Reichweite: 5000 Kilometer mit 14 Tonnen Zuladung / 2700 Kilometer mit 23 Tonnen Zuladung

5.) Wann sollen die Flugzeuge zulaufen?
Die aktuellen C-130K „Hercules“ müssen in spätestens sechs Jahren ausgemustert werden, ihre Struktur hat das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Sie können auch nicht weiterverkauft werden. In den kommenden sechs Jahren muss also die gesamte Flotte inklusive Piloten, Wartungspersonal und Fluglehrern umgestellt werden. Ab 2027 könnte die erste C-390 in Österreich landen, danach weitere Maschinen eintreffen. 

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