Krisenstab, Sicherheitsrat, Asyl für Prigoschin: Es scheint, als hätte der letzte Chaos-Samstag nicht nur in Russland seine Spuren hinterlassen, sondern auch bei uns in Österreich. Als würden wir sagen wollen: Hallo, Welt, wir sind auch wichtig!
… Nur so ist es eben in diesem Fall nicht. In Wirklichkeit kann unser kleines Land nämlich nichts, genau gar nichts im Kriegsverlauf mangels Bedeutung ausrichten. In so mancherlei Hinsicht ist unsere Irrelevanz ja auch gut. Wir können in diesem Fall froh sein, dass sich keiner für uns Österreicher interessiert!
Was für innerrussische Konflikte?
Umso unterhaltsamer ist es, wenn Politiker das Gegenteil behaupten. Wenn der Kanzler postet, dass er es nicht zulassen möchte, dass „innerrussische Konflikte auf österreichischem Boden ausgetragen werden“, sind Häme und Verwirrung berechtigt. In dem russischen Chaos gab es vieles, das besorgniserregend war - dass der Konflikt auf „österreichischem Boden ausgetragen“ wird, war aber zu keinem Zeitpunkt Thema!
Profilschärfung zum Diskont-Preis!
Russland-Experte Gerhard Mangott analysierte völlig zu Recht, dass es dem Kanzler wohl eher darum ging, mit dem Posting „innenpolitisch zu punkten“. Außenpolitische Konflikte eignen sich nämlich hervorragend dafür, Innenpolitik zu machen. Man hat einen Gegner in der Ferne, kann meist unwidersprochen mit dem Finger zeigen und so mit einfachen Mitteln klare Kante zeigen. Das ist Profilschärfung zum Diskont-Preis!
Arbeitskreise haben noch nie geschadet
Aber natürlich ist er nicht der Einzige mit diesem Trick 17 aus der Polit-Zauberkiste. Die Forderung von Andreas Babler nach einem „Nationalen Sicherheitsrat“, bei dem diskutiert werden soll, „wie Österreich reagieren soll“ war vielleicht im Zuge der Unklarheiten vergangenen Samstag berechtigt, vier Tage später aber schon wieder völlig obsolet. Trotzdem tagte man gestern. Aber ein Arbeitskreis samt prestigeträchtiger Fotos, die ein „Wir-tun-was“ signalisieren, hat ja bekanntlich noch nie geschadet.
Seien wir froh darüber, dass sich Russland nicht für uns interessiert!
Trotzdem sollte man, wenn man als Land außenpolitisch ernst genommen werden will, auch einmal Fünfe gerade sein lassen. Wir sind ein kleines Land, das in der aktuellen Weltpolitik nicht sehr viel zu sagen hat. Seien wir froh darüber, nicht überall aktiv mitmischen zu dürfen. Vor allem in diesem leidlichen Krieg!










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