Aus Dschungel gerettet

„Stadtkind aus Europa hätte das nicht überlebt“

Ausland
12.06.2023 20:52

Die ganze Welt blickt auf das Dschungel-Wunder von Kolumbien. Nur durch das Verhalten der 13-jährigen Lesly überlebten die Kinder. In einem Krankenhaus wird das Quartett nun aufgepäppelt. Aber wie steht es nun mit der Psyche der Kleinen? Peter Stippl, Vizepräsident des Bundesverbandes für Psychotherapie, analysiert für die „Krone“.

Vier Tage lang mussten die Kinder mit ansehen, wie ihre Mutter nach dem Flugzeugabsturz ums Überleben kämpfte. Doch dann gab Magdalena Mucutuy Valencia auf und befahl dem Nachwuchs: „Rettet euch selbst!“

Lesly, die 13-jährige Schwester, übernahm die Führung. Nach 40 Tagen wurde das Quartett im Dschungel entdeckt. Mindestens drei Wochen werden die Kinder im Krankenhaus von Bogotá versorgt. Sie sind dünn und müssen dort aufgepäppelt werden.

Cristin (1, oben links), Tien (5, oben rechts), Soleiny (9, unten links) und Lesly (13, unten rechts) (Bild: zVg)
Cristin (1, oben links), Tien (5, oben rechts), Soleiny (9, unten links) und Lesly (13, unten rechts)

„Unmöglich, dass sie kein Trauma haben“
„Sie mussten zahlreiche Dramen durchleben. Es ist unmöglich, dass sie davon kein Trauma haben“, analysiert Peter Stippl, Vizepräsident des Bundesverbandes für Psychotherapie. Sie erlebten minutenlang einen Flugzeugabsturz mit. „Die Kinder hatten Todesangst. Dann mussten sie noch mit ansehen, wie ihre Mutter gegen den Tod ankämpft und verliert“, so der Experte.

Lesly (13) übernahm das Kommando und versorgte 40 Tage lang ihre drei Geschwister. (Bild: zVg)
Lesly (13) übernahm das Kommando und versorgte 40 Tage lang ihre drei Geschwister.

„Vor allem Lesly ist im Todeskampf über sich hinausgewachsen“, so der Experte. „Ich könnte mir vorstellen, dass die 13-Jährige ihren Geschwistern Mut zugesprochen hat.“ Dass die Kinder Indigene sind und sich mit dem Urwald auskennen, war zudem ein produktiver Faktor. 

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Es ist unmöglich, dass die Kinder nach dieser Notlage kein Trauma haben. Es gab einen Absturz, die sterbende Mutter und den Überlebenskampf.

Psychotherapeut Peter Stippl (Bild: Hans-Georg Maier)

Peter Stippl, Vizepräsident des Bundesverbandes für Psychotherapie

„Bei Indigenen ist Zusammenhalt stärker“
„In Indigenen-Gruppen ist der Zusammenhalt viel stärker. Das hat im Überlebenskampf sicher geholfen. Ein Kind, das in einer europäischen Metropole aufwächst, hätte nicht die Voraussetzungen, 40 Tage lang unter diesen Umständen zu überleben“, analysiert der Vizepräsident des Bundesverbandes für Psychotherapie. Lesly sah bei ihrer Mutter, wie man sich um ein einjähriges Baby kümmert. Ihre Familie lehrte sie, welche Früchte man im Urwald essen kann und welche Pflanzen giftig sind.

Nach dem Flugzeugabsturz im kolumbianischen Amazonas überlebten die Kinder 40 Tage lang. (Bild: AP)
Nach dem Flugzeugabsturz im kolumbianischen Amazonas überlebten die Kinder 40 Tage lang.

Das Drama begann am 1. Mai, als die Gruppe einen Routineflug mit einer Cessna 206 von Araracuara in die Stadt San Jose del Guaviare unternahm. In einem Land mit so dichtem Dschungel sind Leichtflugzeuge und Boote oft die einzigen praktikablen Transportmittel. Wenige Minuten nach dem Start der 350 km langen Reise meldete der Pilot Probleme mit dem Motor und das Flugzeug verschwand vom Radar.

Als das Wrack des Flugzeugs nach wochenlanger Suche gefunden wurde, fand man nicht nur die Kinder nicht tot neben den Erwachsenen, sondern auch Teile von Obst, die darauf hindeuteten, dass sie alle überlebt hatten.

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