Schloss Hartheim

Wie ein „Todesort“ Brücken zur Gegenwart schlägt

Oberösterreich
12.06.2023 17:00

Der Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim in Alkoven/Oberösterreich hat sein 20-Jahre-Jubiläum. Der Historiker Florian Schwanninger arbeitet an diesem einstigen „Todesort“, der in der Ausstellung „Wert des Lebens“ auch aktuelle ethische Fragen stellt. Den Bezug zu heute findet er brisant und wichtig.

„Ich arbeite schon 18 Jahre hier“, sagt der Historiker Florian Schwanninger. Im Jahr 2003 wurde der Lern- und Gedenkort eröffnet, zwei Jahre später hat er seine Arbeit hier aufgenommen, um die schreckliche jüngere, Geschichte, die sich ab 1940 im Renaissanceschloss ereignete, noch mehr aufzuarbeiten. Er erforscht vor allem die Schicksale, die damit verbunden sind: Jeden Tag ist er mit dem Tod konfrontiert.

Wo ist die Hölle?
Schloss Hartheim wurde während des Nationalsozialismus in eine grauenvolle Tötungsanstalt umgewandelt, in der psychisch kranke und behinderte Menschen, aber auch KZ-Insassen, „Kranke, Invalide, die nicht mehr arbeiten konnten“, ermordet wurden. „Von rund 30.000 Opfern konnten wir bisher 23.000 Namen und Daten eruieren“, gibt Schwanninger Einblick. Hartheim war Anstalt, Gaskammer und Krematorium – eine Hölle auf Erden.

Zunächst wuchs Gras drüber
Darüber geredet hat man kurz nach dem Krieg: „Pfleger, Personal standen vor Gericht, meist aber kamen sie mit geringen Haftstrafen davon.“ Dann verebbte das Interesse. Nur Angehörige, viele aus Frankreich oder Italien, die im Zuge der Befreiungsfeiern in Mauthausen auch Hartheim besuchten, hielten die Erinnerung aufrecht.

Engagierter Historiker Florian Schwanninger (Bild: Dostal Harald)
Engagierter Historiker Florian Schwanninger

Ein Pionier unter den Gedenkstätten
Erst Ende der 1960er Jahre wurden schließlich zwei Gedenkräume eingerichtet. „Diese machten Hartheim zur ersten Gedenkstätte an Opfer der NS-Euthanasie im Gebiet des einstigen Dritten Reichs“, so Schwanninger. 1995 gründete sich ein Verein, heute Träger der Stätte, ein berühmter Unterstützer der ersten Stunde ist der Dirigent Franz Welser-Möst. Im Jahr 2003 erfolgte die Eröffnung als „Lern- und Gedenkort“, der sich für Interessierte aus allen Ländern und für Schulklassen öffnet. Rund 17.000 Besucher zählt man pro Jahr.

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Wir fragen heute, wie man mit Menschen umgeht, die nicht der Norm entsprechen, fragen nach der Ethik in der Medizin - das stärkt die Relevanz der Gedenkstätte.

Florian Schwanninger

Für die Nachkommen ist es wichtig
Aber wie hält man es aus, hier zu arbeiten? „Vieles bleibt abstrakt. Aber wenn Nachfahren zu uns kommen, Fotos aus dem Familienarchiv zeigen, und ich die Krankengeschichte, das Schicksal bearbeite - das geht mir sehr nahe. Es ist dann nicht leicht.“ Die größte Tragik in Hartheim: „Es gab keine Überlebenden!“

Das neue Konzept widmet sich nicht nur Historischem, sondern auch aktuellen Problemen, etwa durch Gentechnik. (Bild: Manfred Scheucher)
Das neue Konzept widmet sich nicht nur Historischem, sondern auch aktuellen Problemen, etwa durch Gentechnik.

Brisante, aktuelle Themen
Die Ausstellung „Wert des Lebens“ wurde vor zwei Jahren um aktuelle Fragen zur Ethik in der Medizin erweitert, auch beleuchtet man den „Umgang mit Menschen, die nicht der Norm entsprechen.“ Die Brücke zur Gegenwart ist für Schwanninger besonders wichtig: „Das stärkt die Relevanz des Lern-und Gedenkorts.“

Jubiläum mit Veranstaltungen
Einer der Höhepunkte des Jubiläums ist der Tag der Offenen Tür des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim am Freitag, 16. Juni mit vielfältigem Programm; in den folgenden Tagen stehen Konzerte, Lesungen, Theater am Programm.

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